Wirtschaft
Der Klimawandel in der Arktis hat auch Vorteile - für Frachtschifffahrt und Rohstoffförderung, Die Satellitenaufnahme zeigt die Eisfläche am Nordpol.
Der Klimawandel in der Arktis hat auch Vorteile - für Frachtschifffahrt und Rohstoffförderung, Die Satellitenaufnahme zeigt die Eisfläche am Nordpol.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Durchgangsverkehr in der Arktis: Asien plant Gasroute über den Nordpol

Die Arktis ist eine der unwirtlichsten Regionen der Welt, früher galt sie als unpassierbar. Jetzt wollen zwei Reedereien genau hier einen Linienverkehr einrichten: Erdgas soll auf dem kürzesten Weg von West-Sibirien in die Häfen von China und Japan gelangen.

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Asiatische Reedereien wollen mit einem ambitionierten Projekt Erdgas von einem der abgelegensten Orte der Welt in die Ballungsgebiete in China und Japan verschiffen. Verflüssigtes Erdgas soll von Sibirien durch das Nordpolarmeer nach Ostasien transportiert werden. Bei dem Vorhaben fließen nicht nur hohe Investitionen, es unterstreicht auch die zunehmende Bedeutung des Arktischen Ozeans als Verkehrsweg.

Die japanische Mitsui O.S.K. Lines und China Shipping  Development haben sich zusammengetan, um in vier Jahren erstmals Gas durch den Arktischen Ozean zu transportieren. Mit einem Gemeinschaftsunternehmen wollen sie 932 Millionen US-Dollar für drei Flüssigerdgastanker ausgeben, die zusätzlich mit Eisbrechern ausgestattet sind, um einen Linienverkehr auf der Strecke zu gewährleisten.

Klimawandel verändert die Arktis

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Vor einigen Jahren noch galt der Arktische Ozean als nahezu  unpassierbar. Doch angesichts der Erderwärmung hat sich die Eisschicht in der Region verringert. Immer mehr Schiffe nutzen die Route, um zwischen Europa und Asien zu pendeln. Die Strecke ist etwa 40 Prozent kürzer als die herkömmliche Route durch den Suez-Kanal. Im vergangenen Jahr wählten 71 Schiffe den Weg durch den Arktischen Ozean, verglichen mit lediglich vier im Jahr 2010, wie aus Daten des japanischen Verkehrsministeriums hervorgeht.

Die japanische Mitsui, die zu den größeren Reedereien weltweit zählt, bezeichnete die Ankündigung diese Woche als Meilenstein. Es werde der erste Linienverkehr im Nordpolarmeer sein, bei dem Europa und Asien miteinander verbunden werden. Allerdings wollen die beiden Partner ihre mit Flüssigerdgas befüllten Schiffe nur in wärmeren Monaten über die Route schicken.

Eine der riesigen Gaskondensat-Anlagen in Nowy Urengoj, eine Stadt am Polarkreis in Westsibirien.
Eine der riesigen Gaskondensat-Anlagen in Nowy Urengoj, eine Stadt am Polarkreis in Westsibirien.(Foto: picture-alliance / dpa)

"Die kürzere Strecke wäre vorteilhaft für Käufer (von Flüssigerdgas), da Transportkosten und Risiken gesenkt werden", erklärte Yu Nagatomi, Ökonom am Institut für Energiewirtschaft in Tokio. Von Westsibirien soll Erdgas aus dem Jamal-Projekt, das ein Investitionsvolumen von insgesamt 27 Milliarden Dollar umfasst, in die wichtigen Regionen Chinas und Japans gebracht werden.

Erdgas ist in Asien gefragt

An dem Jamal-Projekt ist die russische OAO Novatek mit 60 Prozent beteiligt. Den restlichen Anteil teilen sich die französische Total und die China National Petroleum. Novatek rechnet bei dem Erdgasfeld mit einer Jahresförderung von 16,5 Millionen Tonnen. Einer der größten Aktionäre bei Novatek ist Gennadi Timtschenko, ein enger Vertrauter des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin, der auf der Liste der sanktionierten Personen durch die USA im Zuge der Krim-Krise steht.

Russland bemüht sich darum, den Kundenstamm für seine Gaslieferungen zu diversifizieren. Dabei legt Moskau großen Wert auf asiatische Kunden. Zusätzlich zu einem Investment in das Projekt ist beispielsweise China National Petroleum gleichzeitig auch ein großer Kunde für das sibirische Gas. Im Rahmen eines Vertrags über 20 Jahre erhalten die Chinesen laut Novatek 3 Millionen Tonnen Gas im Jahr. CNPC war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

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Es gibt zwei wichtige Entwicklungen, mit der sich die Nachfrage nach Gas aus Asien erklären lassen. Zum einen hat sich Japan nach der Katastrophe von Fukushima von der Atomenergie abgewendet, zum anderen hat China mit einer massiven Luftverschmutzung zu kämpfen.

Um den Verbrauch der umweltschädlicheren Kohle zu reduzieren, hat Peking das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2020 den Verbrauch von Erdgas auf 10 Prozent am gesamten Energiemix zu erhöhen. Derzeit liegt der Anteil bei unter 5 Prozent. Zusätzlich zur Entwicklung eigener Gasfelder hat China auch Verträge mit Ländern wie Russland unterzeichnet, um Gas auch über Pipelines zu importieren. Chinesische Unternehmen haben dabei auch Beteiligungen an Projekten in Australien und Kanada übernommen und im Gegenzug in die Entwicklung der Felder investiert.

Japan sucht Alternativen zu Atomstrom

Japan hat unterdessen die Importe von Erdgas und Kohle erhöht, um die Energieerzeugung der 48 Atomkraftwerke zu ersetzen. Die Meiler sind mittlerweile alle vom Netz. Während einige wenige Atomkraftwerke dieses oder nächstes Jahr wieder den Betrieb aufnehmen könnten, besteht bei vielen anderen wenig Hoffnung. Sie müssten auf die heutigen wesentlich strikteren Sicherheitsstandards aufgerüstet werden, was als zu teuer eingestuft wird.

Im Mai hatte die japanische Regierung erstmals mit der Privatwirtschaft über die Route im Nordpolarmeer verhandelt. Tokio geht davon aus, dass 22 Prozent der weltweiten Reserven in den Gasfeldern rund um das Gebiet der Jamal-Halbinsel liegen. "Das Ganze ist zwar noch Zukunftsmusik, aber das rohstoffreiche Nordpolarmeer ist sehr wichtig für Japan", hatte Ryo Minami gesagt. Er ist Direktor für die Bereiche Öl und Gas beim japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie.

Obwohl die Pläne für das ehrgeizige Projekt nun in trockenen Tüchern sind, dürfte es auch nach dem Start einige Herausforderungen geben. Die Reedereien müssen noch ihre Erfahrungen mit dem unvorhersehbaren Wetter im Arktischen Meer machen. Und auch wenn die Routen regelmäßig befahren werden sollten, könnte es wegen unerwartet dicken Eisdecken vorkommen, dass auf eher traditionelle Seewege ausgewichen werden muss, erklärte Kazuya Hamazaki, Geschäftsführer des Flüssigerdgasprojekts bei Mitsui OSK. Eine weitere Frage ist die der Evakuierung einer Tankerflotte im Notfall, da die Eisdecke zu dick für Rettungsboote, aber zu dünn für Menschen sein könnte.

Quelle: n-tv.de

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