Wirtschaft
Zu wenig Euro: Frankreichs Haushaltsdefizit ist zu groß.
Zu wenig Euro: Frankreichs Haushaltsdefizit ist zu groß.(Foto: picture alliance / dpa)

EZB-Ökonom sorgt sich um den Euro: Asmussen ermahnt Frankreich

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande kassiert für das Haushaltsdefizit seines Landes eine Ermahnung von der Europäischen Zentralbank. EZB-Chefvolkswirt Asmussen spielt zudem die Gefahren eines angeblichen Währungskrieges herunter.

Beobachtet den Euro-Kurs derzeit besonders sorgfältig: EZB-Chefvolkswirt Jörg Asmussen.
Beobachtet den Euro-Kurs derzeit besonders sorgfältig: EZB-Chefvolkswirt Jörg Asmussen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, hat Frankreich aufgefordert, seinen Haushalt zu konsolidieren. "Es ist besonders wichtig, dass Frankreich sein Defizit unter drei Prozent dieses Jahr hält", sagte Asmussen vor Beginn des G20-Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs in Moskau.

Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte zuvor erstmals öffentlich eingeräumt, dass sein Land das Defizitziel für dieses Jahr verfehlen dürfte und dies mit dem weltweit schwächeren Wachstum begründet. Asmussen betonte, dass Ausnahmen vom Stabilitäts- und Wachstumspakt aber nur dann gemacht werden dürften, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung überraschend und deutlich verschlechtere. Voraussetzung sei, dass ein Land nachweislich wirksame Maßnahmen zum Defizitabbau ergriffen habe. Es sei aber noch zu früh, um das zu bewerten.

Die Debatte über einen Währungskrieg bezeichnete Asmussen als weit übertrieben. Man solle durch die Diskussion über den Wechselkurs nicht davon ablenken, welche Reformen und Strukturanpassungen jedes Land zu Hause machen müsse, sagte er. Die EZB habe kein Wechselkursziel. "Wir betrachten den Wechselkurs aber sorgfältig wegen seines Einflusses auf Wachstum und Inflation in der Eurozone." Ein starker Euro verschlechtert die Exportmöglichkeiten der angeschlagenen europäischen Staaten - und damit die gesamte wirtschaftliche Entwicklung.

Starker Euro lässt Einfuhren steigen

Die Zentralbank sieht in der anhaltenden Aufwertung des Euro auch ein Risiko für die Preisentwicklung. Zwar seien die Inflationsgefahren unterm Strich weitgehend ausgewogen, heißt es im Monatsbericht der EZB. Eine starke Währung verbilligt Einfuhren aus Drittländern. Dadurch sinken die Preise, so dass die Inflationsrate merklich unter den von der EZB angestrebten Zielwert von knapp zwei Prozent fallen könnte - das würde den Euro weiter stärken.

Der Kurs des Euro ist nach Aussagen von Bundesbankpräsident Jens Weidmann zur Wechselkurspolitik erneut gestiegen. "Die EZB wird den Wechselkurs nicht manipulieren", sagte Weidmann. Es werde keine Zinssenkung geben, nur um den Wechselkurs zu drücken. Die europäische Gemeinschaftswährung kletterte bis auf 1,3393 US-Dollar. Zuvor hatte der Euro noch bei 1,3350 Dollar notiert.

Der Eurozone droht nach den Worten von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny ein weiteres Rezessionsjahr. Das Bruttoinlandsprodukt könnte 2013 um 0,2 oder 0,3 Prozent schrumpfen, sagte der Chef des Österreichischen Nationalbank den "Vorarlberger Nachrichten". 2012 hatte es ein Minus von 0,5 Prozent gegeben. Allerdings gebe es innerhalb der Währungsunion ein massives Konjunkturgefälle, dass sich sogar noch vergrößern könne, sagte Nowotny.

Quelle: n-tv.de

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