Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Japan am Pranger: Die Angst vor dem Währungskrieg

Von Jan Gänger

Der Yen geht auf Talfahrt, der Euro setzt zum Höhenflug an. Die massiven Schwankungen am Devisenmarkt entfachen die Angst vor einem globalen Abwertungswettlauf, von einem regelrechten Währungskrieg ist die Rede. Ist die Lage so ernst?

Zumindest verbal wird kräftig aufgerüstet: Während die Warnungen vor einem Währungskrieg schriller werden, treffen sich in Moskau die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Dabei wird die Sorge vor einem globalen Abwertungswettlauf eines der dominierenden Themen sein; nicht nur Europäer sehen hier dringenden Gesprächsbedarf.

Allen voran muss sich derzeit Japan den Vorwurf gefallen lassen, seine Währung vorsätzlich nach unten zu drücken, um seiner Industrie ungerechtfertigte Exportvorteile zu verschaffen. Aber auch die USA müssen sich dafür rechtfertigen, den Dollar rücksichtslos auf Kosten anderer Länder abzuwerten.

In der Eurozone wird die Kritik an dieser Praxis lauter, denn der Euro wertet in letzter Zeit zu Dollar und Yen kräftig auf. Und eine starke Gemeinschaftswährung lastet schwer auf der ohnehin schon schwachen Konjunktur. Doch bei allem Verständnis für Ärger und Sorgen angesichts massiver Wechselkursschwankungen: Es gibt keinen Währungskrieg.

Beispiel USA: Die Arbeitslosigkeit ist als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise immer noch hoch, die Wirtschaft erholt sich nur zögerlich. Die Federal Reserve muss handeln, da sie im Gegensatz zur EZB nicht nur den Auftrag hat, für stabile Preise, sondern auch für hohe Beschäftigung - also für ausreichend Wachstum - zu sorgen.

Und Japan? Das Land leidet seit Jahren unter einer hartnäckigen Deflation. Regierung und Zentralbank wollen die lähmende Spirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsneigung endlich durchbrechen und für ein gesundes Maß an Inflation sorgen. Jüngst wurde deshalb in Japan ein Inflationsziel von zwei Prozent angekündigt – das ist das Niveau, bei dem die EZB Preisstabilität gewährleistet sieht. Auch wenn man über die Wahl der Mittel streiten mag, um das Ziel zu erreichen: es ist legitim und angemessen.

Euro steigt spürbar

Video

So unterschiedlich die Probleme beider Volkswirtschaften auch sind, das Ziel der Notenbanken der USA und Japans ist nicht, anderen Ländern maximalen Schaden zuzufügen. Sie versuchen vielmehr, das Wachstum kurzfristig anzukurbeln – und zwar mit den Mitteln, die ihnen als Zentralbanken zur Verfügung stehen.

Das wichtige Instrument der Notenbanken, um für Wirtschaftswachstum zu sorgen, ist der Leitzins. In den USA und Japan liegt dieser faktisch aber schon bei null. Deshalb müssen die Zentralbanker auf andere Maßnahmen zurückgreifen, um ihre Ziele zu erreichen: die geldpolitische Lockerung.

Wie jede monetäre Maßnahme haben diese Eingriffe allerdings Auswirkungen auf die Wechselkurse. Den Notenbanken kommt das gelegen, denn sie schwächen tendenziell die eigene Währung und die Exporte werden damit billiger. Dieser Wettbewerbsvorteil ist für andere Länder zwar unerfreulich, da ihre Ausfuhren entsprechend teurer werden. Doch solange die Wechselkurse die Konsequenz angemessener Maßnahmen sind, die nachvollziehbare Ziele erreichen sollen, sind sie schlicht Ausdruck souveräner Geldpolitik.

Tatsächlich hat der Euro zu Dollar und Yen in letzter Zeit kräftig an Wert gewonnen. So belastend das für die Konjunktur der Eurozone auch sein mag, die Gemeinschaftswährung tendiert dennoch in der Näher ihres langjährigen Mittelwerts. Gemessen am Kurs bei Ausbruch der Finanzkrise hat der Euro zum Dollar sogar abgewertet. 2008 kostete der Euro in der Spitze beinahe 1,60 Dollar, 2003 weniger als 90 Cent.

Die Notenbanken führen keinen Währungskrieg. Die aktuellen Wechselkursbewegungen sind ein Nebeneffekt ihrer Versuche, die Wirtschaft anzukurbeln. Wer diese Anstrengungen für nötig hält, muss die Folgen auf die Kurse der jeweiligen Landeswährungen akzeptieren.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen