Wirtschaft

Diskussion um Sparkurs: Asmussen macht Athen Hoffnung

Die Europäische Zentralbank ist offenbar grundsätzlich bereit, über Änderungen an einzelnen Punkten des Griechenland auferlegten Sparprogramms zu sprechen. Allerdings dürften die wichtigsten Ziele des Programms nicht angetastet werden, sagt Direktoriumsmitglied Asmussen.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat Griechenland ein Entgegenkommen beim Hilfsprogramm signalisiert, deutliche Abweichungen von den Auflagen aber ausgeschlossen. EU, IWF und EZB seien prinzipiell bereit, einzelne Bedingungen anders zu gestalten, sagte Asmussen der griechischen Zeitung "Kathimerini".

Einzelne Änderungen seien möglich, solange die wichtigsten Ergebnisse und Ziele des Sparprogramms eingehalten würden. Dazu gehöre es, Griechenland wettbewerbsfähiger zu machen und dafür zu sorgen, dass das Land einen tragbaren Schuldenstand bekomme, sagte Asmussen. Gegenüber einer zeitlichen Verzögerung der Sparziele für Griechenland um ein bis zwei Jahre zeigte sich der deutsche Finanzexperte ablehnend. Dies würde unmittelbar die Notwendigkeit weiterer Kredite der Länder der Eurozone und des Internationalen Währungsfonds nach sich ziehen, warnte er.

Troika reist nach Athen

Gefragt, ob Griechenland erneut umschulden müsse, sagte der Geldpolitiker: Die fiskalische Situation müsse zunächst geprüft werden. Es könnte sein, dass die Nachhaltigkeit der Schulden erneut auf Messers Schneide stehe. Die neue Regierung in Athen will die an die internationalen Hilfen geknüpften Auflagen nicht komplett kippen, setzt sich aber für eine Lockerung ein.

Der EZB-Vertreter sprach sich für einen Verbleib Griechenlands in der Währungsunion aus. Er sei gelegentlich überrascht von der Leichtfertigkeit, mit der manche Börsenfachleute und Journalisten von einem möglichen Ausstieg sprächen, sagte Asmussen. Er würde das nicht tun.

Für Griechenland beläuft sich die Summe der Kredite von 2010 und 2012 inzwischen auf zusammen 240 Mrd. Euro. Hinzu kommt ein Schuldenschnitt von 105 Mrd. Euro. Im August braucht das Land die nächste milliardenschwere Kreditrate - sonst ist es pleite. Die Wirtschaft ist in der Rezession, die Sparbemühungen kommen nur langsam voran.

Beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche in Brüssel hatte die Regierung in Athen noch einmal zugesichert, den Verpflichtungen gegenüber den Geldgebern nachzukommen. Aber Ministerpräsident Antonis Samaras hatte auch darauf gepocht, dass Änderungen nötig seien, um Arbeitslosigkeit und Rezession zu bekämpfen.

In der kommenden Woche wollen erstmals seit dem griechischen Regierungswechsel Experten der sogenannten Troika aus IWF, EU-Kommission und EZB nach Athen reisen, um die wirtschaftlichen Entwicklungen zu begutachten.

Quelle: n-tv.de

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