Wirtschaft
Sieht verheerende Entwicklungen auf dem Anleihenmarkt: Jörg Asmussen.
Sieht verheerende Entwicklungen auf dem Anleihenmarkt: Jörg Asmussen.(Foto: picture alliance / dpa)

Glaubwürdigkeit des Euro gefährdet: Asmussen warnt vor Zweifeln

Die Entwicklung auf dem Anleihenmarkt bereitet EZB-Mitglied Jörg Asmussen Kopfzerbrechen: Die Märkte würden bereits ein Auseinanderbrechen des Euroraums einpreisen. "Solche systemischen Zweifel sind dramatisch und für die EZB nicht akzeptabel", warnt Asmussen.

Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, Jörg Asmussen, hat dem Euro Glaubwürdigkeitsprobleme attestiert. "Die Märkte preisen ein Auseinanderbrechen des Euroraums ein", sagte Asmussen bei einer Rede in Hamburg. Solche Zweifel seien dramatisch. "Nur eine Währung, an deren Bestand es keinen Zweifel gibt, ist eine stabile Währung."

Die offenen Worte des Top-Notenbankers beziehen sich auf die Risikoprämien, die von Investoren in Staatsanleihen verlangt werden. Die sogenannten "Spreads" - also der Renditeabstand zu als ausfallsicher geltenden Papieren - spiegelten mittlerweile nicht mehr nur das Insolvenzrisiko einzelner Staaten wider, so Asmussen. Investoren sähen angesichts der unsicheren Zukunft der Eurozone "sogar ein Wechselkursrisiko, das es theoretisch in der Währungsunion nicht geben dürfte".

Ein einheitliches Funktionieren der Geldpolitik im Euroraum sei zunehmend behindert - mit deutlichen Folgen auch für die Realwirtschaft. In den Euro-Ländern mit Hilfsprogrammen - Griechenland, Irland und Portugal - steigen seit Ende 2010 die Zinsen für Unternehmenskredite, obwohl die EZB die Zinsen für Zentralbankgeld niedrig halte. Ähnlich wie Asmussen hatte sich auch Notenbankchef Mario Draghi zuletzt wiederholt öffentlich geäußert.

Mit dem gestörten Transmissionsmechanismus der Geldpolitik haben die Währungshüter bereits in der Vergangenheit Eingriffe an den Anleihemärkten von Euro-Krisenländern begründet, die Kritiker als Staatsfinanzierung durch die elektronische Notenpresse bezeichnen. Zum geplanten neuen Anleihekaufprogramm der EZB gab Asmussen in seiner Hamburger Rede kaum Neues preis. Er betonte erneut, dass die Flankierung möglicher Interventionen durch die Rettungsfonds EFSF oder ESM und strikte Auflagen für Staaten zwingend seien.

Draghi hatte Anfang August angedeutet, dass die Zentralbank bald Staatsanleihen von Euro-Krisenländern kaufen könnte. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte Draghi daraufhin stark kritisiert und von einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse gesprochen.

Quelle: n-tv.de

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