Wirtschaft
Einige Spekulanten scheffeln nun richtig viel Geld.
Einige Spekulanten scheffeln nun richtig viel Geld.(Foto: REUTERS)

Zahltag für Spekulanten: Athen beugt sich Hedgefonds

Hoch gepokert und gewonnen: Internationale Investoren bekommen Millionen von der griechischen Regierung. Damit profitieren Spekulanten, die eine griechische Anleihe zum Schnäppchenpreis gekauft haben und sich dem Schuldenschnitt verweigerten.

Griechenland wird Medienberichten zufolge 435 Mio. Euro an internationale Gläubiger auszahlen. Am Dienstag wurde eine griechische Staatsanleihe fällig, die vor zehn Jahren unter britischem Recht aufgelegt wurde und deshalb nicht dem Schuldenschnitt unterliegt. Bis zuletzt war nicht ganz sicher, ob diese zu 100 Prozent zurückgezahlt wird. Allerdings stelle die Auszahlung keine Sicherheit für Gläubiger der restlichen Anleihen unter internationalem Recht dar, an ihr Geld zu kommen, hieß es.

Die Anleihe gehört zu jenen - insgesamt 6 Mrd. Euro ausmachenden -Schulden nach ausländischem Recht, die nicht Teil des freiwilligen Schuldenschnitts waren. Im vergangenen Monat hatte Griechenland als Vorbedingungen für internationale Finanzhilfen über 130 Mrd. Euro einen riesigen Umtausch von Staatsanleihen abgeschlossen. Dabei wurden alte Titel im Nennwert von 199 Mrd. Euro in neue Papiere im Wert von nur noch 100 Mrd. Euro umgetauscht.

Bei den meisten Anleihen hatte Griechenland leichtes Spiel und konnte die Investoren mit Umschuldungsklauseln zur Teilnahme am Schuldenschnitt zwingen. Bei den internationalen Titeln ging das nicht. Hedgefonds und andere Spekulanten hatten davon schnell Wind bekommen und regelrecht Jagd auf die entsprechenden Papiere gemacht.

Athen in der Zwickmühle

Bis vor kurzem hatte sich die Regierung noch knallhart gegeben, für die Auszahlung sei kein Geld da. Marktexperten sehen die Regierung hier in einer Zwickmühle. "Wenn sie die Auszahlung vornehmen, verärgern sie all die Anleger, die am Schuldenschnitt mitgemacht haben", sagt Chris Scicluna von Daiwa Capital Markets. "Wenn sie die Rückzahlung nicht leisten, bedeutet das einen Zahlungsausfall mit all den Konsequenzen."

ING Stratege Alessandro Giansanti spricht ebenfalls von einer nicht einfachen Entscheidung. "Jetzt einen Zahlungsausfall zu riskieren würde aber auch die neuen, nach britischem Recht begebenen Anleihen in Mitleidenschaft ziehen und es dem Land zukünftig noch schwerer machen, internationale Anleger anzuziehen".

Ein Zahlungsboykott wäre auch aus anderem Grund sehr riskant: Rechtsstreit wäre programmiert gewesen, vor internationalen Gerichten und mit Profis, die sich auf eben diese Fälle spezialisiert haben. Auch für die Geldgeber EU, Eurozone und IWF wären die Gefahren bei einem Zahlungsausfall hoch. Denn wenn nur eine Anleihe nicht rechtzeitig bedient wird, können theoretisch alle anderen auf einen Schlag fällig gestellt werden. Zwar wären die im Rahmen des Schuldenschnitts neu aufgelegten Papiere von diesem - in der Fachsprache "Cross Default" genannten - Szenario nicht betroffen. Allerdings befinden sich auch Titel in den Händen öffentlicher Gläubiger, bei denen die Sachlage nicht abschließend geklärt ist.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen