Wirtschaft
Wie entscheiden sich die Griechen am Sonntag?
Wie entscheiden sich die Griechen am Sonntag?(Foto: dpa)

Spekulation über Entgegenkommen: Athen kann hoffen

Wird der Spar-Würgegriff für Griechenland nach der Wahl gelockert? Es sieht ganz danach aus. Einem Medienbericht zufolge wird die Regierung in Athen - egal, von wem sie gestellt wird - Nachverhandlungen verlangen. Allerdings müsse der IWF von den Europäern überzeugt werden. In Griechenland wird nach wie vor in großem Stil Geld abgehoben.

Die Eurozone bereitet sich angeblich auf Verhandlungen mit Scherbengericht für die Euro-Retter über eine Lockerung des Sparprogramms vor. Unabhängig vom Wahlausgang am kommenden Sonntag werde jede neue Regierung Kapitalkontrolle wird erörtert , berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf EU-Kreise. Um Griechenland in der Eurozone zu halten, müsse darauf eingegangen werden.

Allerdings werde in Brüssel befürchtet, dass im Falle eines zusätzlichen Finanzbedarfs der Internationale Währungsfonds (IWF) aussteigen könnte. Andere Experten meinten dagegen, dass der IWF als Preis für ein weiteres Engagement verlangen könnte, dass die Euroländer mittel- oder langfristig auf die Rückzahlung eines Teils ihrer Kredite verzichten - es also nach dem Schuldenschnitt bei den privaten auch einen sogenannten Haircut bei den öffentlichen Gläubigern gebe.

Das Bündnis der Radikalen Linken (Syriza) will nach der Parlamentswahl dem "faulen griechischen Staat ein Ende bereiten" und bei Verbleib in der Eurozone einen Neustart wagen. Dies erklärte Syriza-Chef Alexis Tsipras. "Wir übernehmen die Regierung und beenden am Montag das Memorandum (Sparprogramm) für ein gerechteres Griechenland", sagte er weiter. Die Syriza war bei den Wahlen am 6. Mai als zweitstärkste Partei hervorgegangen, dürfte sich am kommenden Sonntag bei den Neuwahlen nach Umfragen mit der konservativen Nea Dimokratia ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Anshu Jain mahnt die griechischen Wähler.
Anshu Jain mahnt die griechischen Wähler.(Foto: REUTERS)

Der Co-Chef der Deutschen Bank, "Regenmacher" aus Indien , warnte vor gravierenden Folgen eines anhaltenden politischen Chaos in Griechenland. In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem Amtsantritt am 1. Juni richtete der gebürtige Inder mahnende Worte an die Griechen, die am Wochenende zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ein neues Parlament wählen: "Es steht viel auf dem Spiel", sagte er auf einer Konferenz des CDU-Wirtschaftsrats in Berlin. "Es bestehen nach wie vor Risiken." Jain sprach von potenziell weitreichenden und langfristigen Folgen für Europa und die ganze Welt.

"Wir durchleben eine der schwersten Finanzkrisen seit Bestehen des modernen Europas. Wie sie ausgeht, ist noch offen", sagte der Top-Investmentbanker, der zusammen mit Der bodenständige Banker die Nachfolge von Ackermann lobt sich selbst angetreten hat. "Ich bin mir aber sicher, dass sich Europa erholen und sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen kann." Die Maßnahmen zur Rettung der spanischen Banken vom Wochenende nannte er ein Beispiel für eine gut konzertierte Aktion der Europäer.

Kapitalflucht ebbt nicht ab

Vor den Wahlen ziehen die Griechen immer mehr Geld von ihren Konten ab. Seit Anfang Juni flößen täglich zwischen 100 bis 500 Millionen Euro aus den Banken ab, sagte ein hoher Angestellter einer griechischen Privatbank. Hält die Kapitalflucht in dem Tempo an, könnte die Summe im Juni deutlich über den 5 Milliarden Euro liegen, die Griechen im Mai ins Ausland geschickt oder in Safes deponiert hatten. "Wir verbluten langsam. Wir brauchen dringend eine handlungsfähige Regierung", sagte der Banker.

Nach offiziellen Angaben sind seit Ausbruch der Krise im Jahr 2009 rund 80 Milliarden Euro aus den Banken abgezogen worden. Lange Warteschlangen vor den Instituten wie bei einem klassischen "Bank-Run" gibt es aber nicht. Das griechische Banksystem erhielt vergangene Woche eine dringend notwendige Finanzspritze in Höhe von 18 Milliarden Euro. Diese Gelder hatte der Staat als Teil des 130 Milliarden Euro schweren zweiten Rettungspakets für Griechenland bekommen.

Quelle: n-tv.de

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