Wirtschaft
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"Werden zahlen, was wir müssen": Athen streckt sich für IWF-Rate

Kann Griechenland die nächste IWF-Rate begleichen oder nicht? Finanzvize Athens versichert, dass das Geld reiche. Doch auch er macht Einschränkungen und will dennoch zuversichtlich klingen. Warme Worte gibt es von der Allianz.

Griechenland wehrt sich heftig gegen Spekulationen über eine unmittelbar bevorstehende Zahlungsunfähigkeit. Der Staat könne seinen anstehenden Zahlungsverpflichtungen nachkommen, sagte Vize-Finanzminister Dimitris Mardas. "So wie es derzeit aussieht, werden wir das zahlen, was wir zahlen müssen. Nach den Daten, die uns vorliegen, reicht das Geld aus." Das Finanzministerium hatte bereits am Vortag Berichte dementiert, dass dem Land am 9. April das Geld ausgehe. An diesem Tag muss Athen dem Weltwährungsfonds (IWF) rund 450 Millionen Euro zurückzahlen.

"Uns interessiert, dass wir unseren Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachkommen", sagte Mardas dem TV-Sender Ant1. "Und bisher sind die Dinge gut gelaufen." Die Verhandlungen mit den Geldgebern könnten dazu führen, dass die Liquidität auf Dauer gesichert werde. Die Szenarien von einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone seien eine Scheinrealität.

Zypern plant den "Grexit" - Moskau mauert

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Doch darauf will sich Zypern anscheinend nicht verlassen - und trifft Vorkehrungen für den Fall einer Pleite Griechenlands und eines Ausscheidens aus der Eurozone. "Ich glaube zwar, dass eine solche Gefahr nicht besteht", sagte Staatspräsident Nikos Anastasiadis. Aber auf dem Papier habe die Regierung der Inselrepublik sich auf alle denkbaren Möglichkeiten eingestellt. Er gehe davon aus, dass die Gefahr für die zyprische Wirtschaft nicht besonders groß sei, sagte Anastasiadis laut griechischer Online-Zeitung "tovima.gr".

Derweil sagte ein Kreml-Sprecher angesichts der Spekulationen über russische Hilfe, vor dem Moskau-Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras am Mittwoch sei es noch zu früh, über diese Möglichkeit zu sprechen. Das Treffen von Tsipras und Russlands Präsident Wladimir Putin drehe sich um die Beziehungen zwischen der Regierung in Moskau und der Europäischen Union sowie die EU-Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise. Moskau dringt auf eine Aufhebung der Strafmaßnahmen und sucht dazu Unterstützung bei EU-Staaten, besonders von Ungarn und Griechenland.

Kein Eurogruppen-Treffen geplant

Bei einer Schaltkonferenz der Euro-Finanzstaatssekretäre hatte es am Mittwoch keine Gewissheit gegeben, dass Athen die IWF-Zahlung am nächsten Donnerstag stemmen kann.

Laut "Spiegel" kündigte der Generalsekretär im griechischen Finanzministerium, Nikos Theocharakis, an, sein Land werde die Rate an den IWF wohl nicht zahlen. Am 9. April sei man "dem Ende nahe", habe Theocharakis in der Staatssekretärsrunde gesagt.

Im Tauziehen um neuen Hilfen sind keine schnellen Entscheidungen zu erwarten. Die Finanzstaatssekretäre werden kommenden Mittwoch wieder zusammenkommen. Doch ein Treffen der Ressortchefs wird in der Woche nach Ostern nicht erwartet - und die die können grünes Licht für neue Milliardenzahlungen geben.

Allianz-Chefvolkswirt Heise: Athen lenkt ein

Die lange Dauer der Verhandlungen wird von Experten als ein Zeichen gedeutet, dass die Kassen in Athen noch nicht gänzlich leer sind. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sieht gute Chancen für eine Lösung im Streit um die Hilfsmilliarden. Er glaube nicht an einen Austritt des Landes aus dem Euroraum, einen sogenannten Grexit, sagte er. "Ich denke, die griechische Regierung wird einlenken." Klar sei aber auch: "Griechenland ist auf die Unterstützung der internationalen Geldgeber angewiesen."

Weiter sagte er, dass die aktuelle Reformliste Hoffnung mache. "Da steht vieles auf dem Papier, was in die richtige Richtung geht. Wichtig ist, dass es jetzt an die Umsetzung geht. Dann werden die internationalen Geldgeber Griechenland über Wasser halten." Die Links-Rechts-Regierung müsse jetzt Taten folgen lassen: "Wenn in Sachen Steuererhebung und Korruptionsbekämpfung wirklich etwas passiert, dürfte die Stimmung relativ schnell wieder ins Positive drehen."

Dass die Regierung von Alexis Tsipras weiterhin hart verhandele, wundere ihn nicht, sagte Heise: "Da wird immer noch gepokert." Er könne sich jedoch nicht vorstellen, dass das Land Kredite - etwa des IWF - nicht wie vereinbart rechtzeitig zurückzahlen werde. "Eine Nichtzahlung an den IWF würde Chaos auslösen, das wird die griechische Regierung nicht riskieren wollen."

In dem verlängerten Hilfsprogramm stehen aus verschiedenen Quellen noch insgesamt 7,2 Milliarden Euro bereit. Debattiert werden Teilzahlungen. Bevor Geld fließen kann, müssen die Geldgeber-Kontrolleure von EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) das Reformpaket billigen. Zu den Reformen gehören der verstärkte Kampf gegen die Steuerhinterziehung und Privatisierungen von Häfen oder Flughäfen.

Quelle: n-tv.de

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