Wirtschaft
Absatzprobleme im Reich der Mitte.
Absatzprobleme im Reich der Mitte.(Foto: picture alliance / dpa)

Chinesen kaufen weniger: Audi bangt um sein Absatzziel

Sorgenfalten bei Audi: Nach Lage der Dinge wird die VW-Tochter Abschied von ihrer Absatzprognose für China nehmen. Große Modelle sind in der Volksrepublik derzeit nicht so gefragt. Bereits im Juni hat Audi weniger Fahrzeug in China verkauft.

Audi stellt das eigene Absatzziel für den chinesischen Markt infrage. Das Vorhaben, in dem Land noch in diesem Jahr 600.000 Autos zu verkaufen, sei "auf dem Prüfstand", sagte eine Konzernsprecherin. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, die VW-Tochter habe das Absatzziel intern aufgegeben.

Bislang gebe es keine entsprechende Entscheidung, sagte die Sprecherin weiter. Audi führe angesichts der aktuellen Absatzsituation aber Gespräche mit chinesischen Händlern. Das Unternehmen prüfe, ob es das Absatzziel kürze. Über Ergebnisse werde sich Audi mit der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 30. Juli äußern.

Eine Korrektur des Verkaufsziels für China würde Beobachter kaum überraschen. Auf dem langjährigen Wachstumsmarkt hat Audi die Auslieferungszahl im gesamten ersten Halbjahr zwar noch leicht um 1,9 Prozent auf 273.853 Autos gesteigert. Im Einzelmonat Juni schrumpfte der Absatz aber deutlich um 5,8 Prozent.

Chinesische Käufer halten sich schon seit einigen Monaten vor allem mit dem Kauf großer Modelle zurück. Auf die Entwicklung hatte Audi-Vertriebsvorstand Luca de Meo etwa im März hingewiesen. Auch BMW-Verantwortliche berichteten von entsprechenden Erfahrungen. Den Absatzrückgang dürfte der Einbruch des chinesischen Aktienmarkts jüngst noch verschärft haben.

Weiteres Problem für den Mutterkonzern

Damit steigt die Zahl der Baustellen für Volkswagen: China war bisher einer der wenigen Lichtblick für Europas größten Autobauer. Denn in Brasilien und Russland befindet sich der Absatz schon seit einiger Zeit im Rückwärtsgang. In den USA zuckeln die Wolfsburger zudem wegen einer verfehlten Modellpolitik hinter der Konkurrenz hinterher. In der Volksrepublik sprudelt der Gewinn dagegen bisher. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass der Anteil der beiden chinesischen VW-Gemeinschaftsunternehmen am Nettogewinn des Wolfsburger Imperiums einschließlich Lizenzgebühren und Einnahmen aus dem Import von Autos bei mehr als 50 Prozent liegt.

Wenn nun auch Audi schwächelt, könnte dies Spuren beim Gewinn des Zwölf-Markenkonzerns in den kommenden Monaten hinterlassen, befürchten einige Experten. Nach Ansicht von Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI ist die Prognosekorrektur in China allein noch kein Drama: "Ob Audi 30.000 oder 40.000 mehr oder weniger in China verkauft, ändert nichts", sagte er. VW habe vor allem strukturelle Probleme zu lösen. Er sei daher gespannt, was das Management im September präsentieren werde. Konzernchef Martin Winterkorn will dem Aufsichtsrat Ende September sein Konzept für den Umbau des Zwölf-Marken-Imperiums präsentieren.

Quelle: n-tv.de

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