Wirtschaft
Bis der Konzern umgeflaggt ist, wird es noch eine Weile dauern.
Bis der Konzern umgeflaggt ist, wird es noch eine Weile dauern.(Foto: picture alliance / dpa)

Major Tom räumt gründlich auf: Aus EADS wird Airbus

Konzernchef Thomas Enders ordnet bei EADS die Geschäfte neu. So soll der Luftfahrt- und Rüstungskonzern fortan auch den Namen der Tochter Airbus tragen. Zudem räumt "Major Tom" das Rüstungsgeschäft auf – hier werden verschiedene Bereiche zusammengelegt. Die jüngsten Zahlen stützen seine Strategie.

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Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS gibt sich einen neuen Namen und heißt künftig wie seine wichtigste Tochter Airbus. Zudem ordnet das Unternehmen sein schwächelndes Rüstungsgeschäft neu und unternimmt dafür größere Umbauarbeiten, wie der Konzern in München mitteilte. Über die Pläne war bereits in etlichen Medien berichtet worden. Die Umsetzung soll ab 1. Januar beginnen und in der zweiten Jahreshälfte 2014 abgeschlossen werden.

Dafür werden die bisherige Raumfahrtsparte Astrium, die Wehrtochter Cassidian und der Bereich Airbus Military zusammengelegt und firmieren künftig unter dem Namen Airbus Defence & Space. Sitz der neuen Sparte wird München, Chef wird der bisherige Cassidian-Leiter Bernhard Gerwert. Mit der Zusammenlegung reagiert EADS auf veränderte Marktbedingungen und schrumpfende Verteidigungsbudgets. Auch die Hubschrauber-Tochter Eurocopter bekommt einen neuen Namen und wird neben Airbus, Airbus Defence & Space als Airbus Helicopters die dritte Division des Boeing-Rivalen. An deren Struktur wird sich aufgrund des sehr speziellen Geschäfts nichts ändern. Auch bei der Zivilflugzeugtochter Airbus bleibt alles beim Alten.

Airbus zieht Gewinn hoch

Dank guter Geschäfte bei Tochter Airbus hat der Luft- und Raumfahrtkonzern im zweiten Quartal mehr verdient als im Vorjahr. Das Nettoergebnis stieg um 14 Prozent auf 518 Millionen Euro. Der Umsatz verbesserte sich um drei Prozent auf 13,9 Milliarden Euro.

Damit verlangsamte sich allerdings das Ergebniswachstum im Vergleich zum sehr starken ersten Quartal. Während Airbus mit einem zweistelligen operativen Ergebnisplus aufwartete, entwickelten sich die anderen EADS-Töchter schwächer. Eurocopter und das Raumfahrtgeschäft Astrium lieferten niedrigere Ergebnisbeiträge als im Vorjahr.

EADS bekräftigte die Jahresprognose. Für 2013 strebt der MDax-Konzern ein bereinigtes Ebit von 3,5 Milliarden Euro sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von rund 2,50 Euro an. Im Vorjahr waren es 3 Milliarden bzw. 2,24 Euro je Aktie.

"Wir lassen Dinge fliegen"

Konzernchef Thomas Enders, der seinen Spitznamen "Major Tom" seiner Bundeswehrkarriere verdankt, hatte nach dem Scheitern der Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems im vergangenen Jahr das unter schwachen Geschäften leidende Rüstungsgeschäft auf den Prüfstand gestellt.

Sein Management erhofft sich von der Übernahme des Namens Airbus eine verbesserte Außenwirkung, hieß es in Unternehmenskreisen. Außerdem würde man sich damit besser als Erzrivale des US-Unternehmens Boeing positionieren.

"Die Umbenennung führt schlichtweg das gesamte Unternehmen unter der besten Marke zusammen, die wir haben - eine Marke, die für Internationalisierung, Innovation und Integration steht - sowie für rund zwei Drittel unseres Umsatzes", erklärte Enders. Der Schritt unterstreiche jetzt die zentrale Botschaft des Konzerns: "Wir lassen Dinge fliegen."

Ob der Umbau auch Stelleneinsparungen mit sich bringt, wollte der Manager noch nicht kommentieren. Die Pläne müssten vom Top-Management noch im Detail ausgearbeitet werden, sagte Enders. Dies werde noch einige Zeit brauchen.

Die Bundesregierung stellte sich als Großaktionärin ausdrücklich hinter die Neustrukturierung und Umbenennung des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns. Wirtschaftsminister Philipp Rösler nannte die Beschlüsse des EADS-Verwaltungsrates dazu "ein gutes Signal für den Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland". Dass München der Sitz des Wehrtechnik- und Raumfahrtgeschäfts werden solle, sei "ein Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit der deutschen Standorte." Die Bundesregierung werde den nun anstehenden Umstrukturierungsprozess intensiv begleiten und dabei besonderen Wert auf die Interessen des Wirtschaftsstandorts Deutschland legen.

Weg mit dem sperrigen Akronym

Der etwas sperrige Name EADS ist ein Ergebnis politischer Diskussionen in den späten neunziger Jahren, als sich Politiker und Industrievertreter für den Zusammenschluss nationaler Unternehmen zu einem europaweiten Luft- und Raumfahrtkonzern stark gemacht hatten. Die Manager des neuen Unternehmens, welches letztlich geformt wurde, nahmen den Namen EADS an. Damit sollte darauf hingewiesen werden, dass der neue Konzern ein pan-europäischer Champion sein solle, sagten Offizielle seinerzeit.

Schon in der Vergangenheit haben EADS-Manager mehrfach erwogen, den besser eingeführten Markennamen Airbus anzunehmen. Die Versuche, das Akronym EADS abzuschaffen, sind aber alle gescheitert. Teilweise lag das daran, dass man den Namen Airbus nicht militärischen Produkten anheften wollte. Die Befürchtung war, dass das bei den Kunden der Zivilflugzeuge nicht gut ankommen wurde.

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Quelle: n-tv.de

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