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Mit der Technologie von Here wollen die Autobauer zum Beispiel Glatteiswarnungen in Echtzeit anbieten.
Mit der Technologie von Here wollen die Autobauer zum Beispiel Glatteiswarnungen in Echtzeit anbieten.(Foto: picture alliance / dpa)

Milliarden-Deal mit Nokia: Autobauer kaufen Kartendienst Here

Nach wochenlangen Gerüchten ist das Geschäft unter Dach und Fach: Audi, BMW und Daimler kaufen den digitalen Kartendienst Here von Nokia. Sie wollen nicht, dass die großen Internetkonzerne die Schlüsseltechnologie an sich reißen.

Audi, BMW und Daimler kaufen vom finnischen Nokia-Konzern den Kartendienst Here. Wie die drei Autobauer mitteilten, übernehmen sie den Kartendienst jeweils zu gleichen Teilen, keiner strebe eine Mehrheit an. Nokia bezifferte den Wert des Deals auf 2,8 Milliarden Euro.

"Here wird eine Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität spielen und dabei hochpräzise Karten mit Daten aus dem Fahrzeugumfeld kombinieren, um das Fahren für alle sicherer und einfacher zu machen", sagte BMW-Chef Harald Krüger. Die Autobauer wollen mit der Technik etwa Gefahrenwarnungen in Echtzeit vor Glatteis oder vor Staus anbieten. Hochpräzise Karten sind zudem Basis für das autonome Fahren, das Schritt für Schritt Realität werden soll.

Über den Kauf von Europas größtem Kartendienst war seit Monaten spekuliert worden. Die drei Autobauer hatten sich zusammengetan, um zu verhindern, dass die Schlüsseltechnologie für Navigation, Assistenzsysteme und autonomes Fahren in die Hand von Google oder einem anderen Internetkonzern gerät. Sie fürchteten eine zu große Abhängigkeit bei der Vernetzung von Fahrzeugen, denn Nokia Here wird in Europa in vier von fünf Autos genutzt.

Viel Konkurrenz

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Apple und Google bieten beide Plattformen zur besseren Integration von Smartphones im Auto an, die das Display der Unterhaltungsanlage weitgehend übernehmen. Teil von Apples Carplay und der Plattform Android Auto für Telefone mit dem Google-Betriebssystem sind auch die jeweiligen Kartendienste der beiden amerikanischen Technologieriesen. Als Nokia Here zur Auktion stellte, war das eine seltene Gelegenheit, einen gut ausgebauten weltweiten Kartendienst zu erwerben.

Der Kartendienst solle auch künftig für alle Kunden aus der Automobilindustrie und anderen Branchen zugänglich sein, betonten die Autobauer. Hochpräzise digitale Karten sind auch für Daimler-Chef Dieter Zetsche ein entscheidender Baustein für die Mobilität der Zukunft. "Mit dem Einstieg bei Here wollen wir die Unabhängigkeit dieses zentralen Angebots für alle Fahrzeughersteller und Zulieferer sowie für Kunden aus weiteren Branchen sichern".

Bleiben die anderen Kunden treu?

Zu Heres Kunden gehören neben den deutschen Autokonzernen auch Toyota, General Motors oder Fiat Chrysler. Aber auch die Internetfirmen Amazon, die Suchmaschinenbetreiber Yahoo und Baidu sowie die Paketdienste Fedex und UPS nutzen die Kartendaten, die mit großem Aufwand durch häufige Kontrollfahrten auf den Straßen aktualisiert werden. "Unser Umfeld ändert sich ständig. Deswegen müssen auch die Informationen in digitalen Karten laufend aktualisiert werden, um den höchsten Nutzen zu bieten", sagte Audi-Chef Rupert Stadler.

Wie Nokia weiter mitteilte, erhält der finnische Konzern bei Abschluss der Here-Übernahme, der im ersten Quartal 2016 erwartet wird, gut 2,5 Milliarden Euro. Zusätzlich übernehmen die deutschen Autobauer Verbindlichkeiten von rund 300 Millionen Euro. Der Buchgewinn werde bei rund einer Milliarde Euro liegen.

Da die drei Autokonzerne nun einen wichtigen Zulieferer der gesamten Branche kontrollieren, ist fraglich, ob die anderen Fahrzeugbauer Nokia Here als Kunden treu bleiben. Hauptkonkurrent ist TomTom aus den Niederlanden, der jüngst eine Kooperation mit Bosch besiegelt hat.

Quelle: n-tv.de

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