Wirtschaft
Der Automarkt vor allem in Europa gilt als gesättigt.
Der Automarkt vor allem in Europa gilt als gesättigt.(Foto: picture alliance / dpa)

Markt wächst weltweit kaum noch: Autobauer rechnen mit mageren Zeiten

2015 lief für die deutschen Autobauer bislang glänzend. Trotz Schwierigkeiten in einzelnen Märkten können sie deutlich mehr Wagen verkaufen. Doch die Branche rechnet nicht damit, dass sich dieser positive Trend fortsetzt.

Die deutsche Autobranche stellt sich nach einem überraschend guten Jahr 2015 auf schwierigere Zeiten mit langsamerem Wachstum als in der Vergangenheit ein. "Der Gegenwind wird stärker, die Herausforderungen nehmen im kommenden Jahr erheblich zu", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Er verwies auf weltpolitische und konjunkturelle Unsicherheiten. In den USA und Westeuropa würden im nächsten Jahr voraussichtlich ein Prozent mehr Neuwagen verkauft, in China zwei Prozent.

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Für 2016 erwartet der Branchenverband ein Plus von zwei Prozent auf 78,1 Millionen Pkw weltweit. In Deutschland soll die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge leicht auf 3,2 Millionen zulegen. Der deutsche Automarkt werde von 3,17 Millionen Neuzulassungen auf 3,2 Millionen zulegen, was einem Wachstum von rund einem Prozent entspräche.

Das ist im Vergleich zu 2015 ein deutlich geringeres Wachstum: Laut VDA fahren in diesem Jahr trotz des im September bekanntgewordenen Skandals um manipulierte Dieselmotoren von Volkswagen vier Prozent mehr neue Autos auf den Straßen, das war mehr als der Verband erwartet hatte. Im November war der Zuwachs mit neun Prozent besonders stark. Vor allem die Region Westeuropa habe sich 2015 überraschend gut entwickelt. "Damit hatte vor zwölf Monaten niemand gerechnet", sagte Wissmann.

Probleme machten den Autobauern aber die Märkte in Russland und Brasilien. Dort geht der Absatz seit längerem zurück. Das werde sich auch 2016 nicht ändern, machte der Verbandspräsident klar. Russland werde zwar das niedrige Niveau halten können und in Brasilien sei nur mit einem Rückgang im einstelligen Prozentbereich zu rechnen. In der Prognose für die beiden Länder, die seit einiger Zeit unter schweren Wirtschaftskrisen leiden, stecke aber ein "Quäntchen Hoffnung". Auch in Spanien, Großbritannien, Frankreich und Italien - den Zugpferden der westeuropäischen Autoindustrie - werde sich das Wachstum verlangsamen.

Konzerne brauchen Diesel für CO2-Ziele

Wissmann warnte erneut davor, die Branche wegen des Diesel-Skandals bei Volkswagen unter einen Generalverdacht zu stellen. "Der Diesel ist kein Auslaufmodell", sagte der Auto-Lobbyist. Diese Technologie sei notwendig zur Erreichung der CO2-Ziele, da ein Diesel deutlich weniger Kraftstoff verbrauche als ein Benziner. "Es wäre umwelt- und klimapolitisch ein großer Fehler, wenn der Diesel in Misskredit geraten würde."

Bisher hat der VW-Skandal noch keine deutlichen Auswirkungen auf den Absatz. "Wir haben keine Anzeichen, dass der Diesel im deutschen Markt einbricht", sagte Wissmann zu Verkaufszahlen bis November. "Dieser Missbrauch hat Vertrauen gekostet - in das betroffene Unternehmen, in die gesamte Branche und nicht zuletzt in die Dieseltechnologie."

Die Stammbelegschaften der Autobauer und Zulieferer in Deutschland wuchsen um 17.000 auf 800.800 Beschäftigte. Allein bis September wuchs der Branchenumsatz um elf Prozent auf 300 Milliarden Euro. In Deutschland waren bis Ende November 2,96 Millionen Autos neu zugelassen worden (plus 5 Prozent).

Quelle: n-tv.de

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