Wirtschaft
Flughafen-Manager Rainer Schwarz (li.) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.
Flughafen-Manager Rainer Schwarz (li.) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.(Foto: picture alliance / dpa)

Gefeuerter Architekt schlägt zurück : BER-Chef soll gelogen haben

Flughafen-Chef Schwarz und seine BER-Planungsfirma sollen laut einem Medienbericht bewusst über die Pannen beim Chaos-Airport gelogen haben. Der Schwarze Peter für das Desaster würde damit zu Berlins Regierendem Bürgermeister Wowereit wandern: Er stellte Schwarz persönlich ein und kontrollierte ihn offenbar kaum.

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Wer trägt die Schuld am Debakel beim Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld? Das Schwarze-Peter-Spiel um die politische Verantwortung für den Desaster-Airport ist in vollem Gange. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit lehnt einen Rücktritt wegen dem Chaos-Flughafen ab – er schreibt die Probleme vor allem dem Bau und der Technik zu. Im Mai feuerte die Flughafengesellschaft die Planungsgemeinschaft pg bbi  und verklagte die Architekten wegen angeblich massiver Fehlplanungen.

Doch die schlagen nun zurück: Der frühere Architekt des Hauptstadtflughafens BER, Meinhard von Gerkan, macht die Berliner Flughafengesellschaft für die mehrfach verschobene Eröffnung verantwortlich. Deren Arbeit habe sich als "großangelegte Täuschung herausgestellt", zitiert der "Spiegel" aus einem Schriftsatz von Gerkans Anwälten. Die Manager hätten mit ständigen Umbauwünschen den Bauablauf "regelrecht zerschossen".

Die "fortdauernde Behinderung der eigenen Baustelle" ist für die Architekten die zentrale Ursache für das Airport-Chaos. So habe es bis Mai vergangenen Jahres insgesamt 286 Planänderungsanträge der BER-Chefs gegeben. Nach deren Wünschen hätten Flächen für Check-In-Schalter reduziert werden müssen, um einen Shop nach der Sicherheitskontrolle auszubauen.  Die Flughafengesellschaft wies die Vorwürfe zurück. Man bestärke die "Kritik an der Arbeitsweise des Architektenbüros", sagte ein Sprecher.

Lügen und Inkompetenz der BER-Manager?

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Wowereits BER-Manager hätten wider besseres Wissen ihrem eigenen Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit suggeriert, dass der Terminal "pünktlich und innerhalb des Wunschbudgets fertig werden könne". Spätestens seit 2008 habe die Flughafengesellschaft mit "Halbwahrheiten und unrealistischen Vorgaben" gearbeitet, heißt es in der Klageerwiderung Gerkans. Die Flughafenmanager hätten das Desaster unter Wowereits Regie selbst verursacht, schreibt der "Spiegel".

Laut dem Schriftsatz sei die Flughafengesellschaft nicht nur für das "selbstangerichtete Terminchaos" verantwortlich, sondern "mit dem ihr zur Verfügung stehenden Personal nicht ansatzweise in der Lage, den Flughafen in Betrieb zu nehmen oder auch nur genehmigen zu lassen." Die Angestellten seien dafür "nicht ausgebildet" und hätten "im Flughafenbau keine Erfahrung."

Wowereit soll bei Kontrolle versagt haben

Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre das ein vernichtender Schlag für Berlins Regierenden Bürgermeister Wowereit: Er kontrollierte seit 2001 persönlich das Chaos auf der Baustelle. Laut dem gefeuerten Architekten hätten seine Manager jahrelang sich selbst und ihren Gesellschaftern vorgemacht, sie könnten das Terminal pünktlich fertigstellen und Wowereit habe sie gewähren lassen, schreibt der "Spiegel".

Wowereit persönlich hatte Flughafen-Chef Rainer Schwarz eingestellt und sich bis zuletzt gegen seine Abberufung gewehrt. Entweder seien Wowereit und der Aufsichtsrat über die Vorgänge informiert gewesen oder sie hätten sich leichtgläubig täuschen lassen, urteilt der "Spiegel". Auch der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin macht Anfangsfehler für das aktuelle Chaos verantwortlich. "Der neue Flughafen ist von vornherein zu klein und zu wenig in den Details geplant worden", sagte der SPD-Politiker dem Magazin "Focus".

Wowereit bleibt jedoch trotz aller Kritik im Amt. Ein Misstrauensantrag der oppositionellen Grünen und Piraten gegen den Regierenden Bürgermeister fand nicht die erforderliche Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus. Wegen des Flughafen-Debakels wird Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck am Montag im Potsdamer Landtag die Vertrauensfrage stellen. Er will sich damit nach eigenen Worten die größtmögliche Legitimation verschaffen, bevor er an diesem Mittwoch wie geplant den Vorsitz im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft von Wowereit übernimmt.

Es ist das erste Mal in der Geschichte Brandenburgs, dass ein Regierungschef die Vertrauensfrage stellt. Eine Mehrheit ist Platzeck angesichts der großen Mehrheit seiner rot-roten Koalition und der namentlichen Abstimmung so gut wie sicher.

Quelle: n-tv.de

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