Wirtschaft
Tote Hose am BER.
Tote Hose am BER.(Foto: dpa)

Kosten steigen und steigen : BER verschlingt noch mehr Geld

Neue Unruhe um den Berliner Pannen-Flughafen BER. Die Flughafengesellschaft benötigt einem Bericht zufolge eine weitere riesige Geldsumme. Damit nähern sich die Kosten bedrohlich der 6-Milliarden-Euro-Marke. Anfang des kommenden Jahres soll es einen neuen Eröffnungstermin geben.

Die Kette der Hiobsbotschaften um den Berliner Hauptstadtflughafen BER reißt nicht ab. Um ihn fertigstellen zu können, sind nach Angaben der "Bild"-Zeitung weitere 1,1 Milliarden Euro notwendig. Das Blatt beruft sich auf einen geheimen Bericht des Projektsteuerers WSP/CBP.

Noch sei überhaupt nicht klar, woher die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) das Geld bekomme. Laut "Bild"-Zeitung ist es wahrscheinlich, dass erneut der Steuerzahlen dafür geradestehen muss.

Erst vor einem Jahr haben die drei Gesellschafter (Berlin, Brandenburg und der Bund) 1,2 Milliarden Euro überwiesen. Grund waren die beiden geplatzten Flughafeneröffnungen. Mit den 1,1 Milliarden Euro "kaufmännische Vorsorge" würde der BER nunmehr fast 5,7 Milliarden Euro kosten. Die geplanten Kosten für den Pannen-Airport sind in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. 2011 beliefen sie sich bei 3,4 Milliarden Euro. 2004 hatte man noch 1,7 Milliarden Euro veranschlagt.

Hinter der "kaufmännische Vorsorge" stecken laut "Bild"-Zeitung unter anderem Mehrkosten für besseren Schallschutz (290 Millionen Euro), für die längere Sicherung und Kontrolle der Baustelle (240 Millionen Euro) und weitere Planungs- und Baumaßnahmen (170 Millionen Euro).

Berlin und Brandenburg haben einen Anteil von je 37 Prozent am BER, auf den Bund entfallen 26 Prozent. Sie könnten je nach Anteil für die Mehrkosten aufkommen. Allerdings ist unklar, ob die EU-Kommission weitere staatliche Zuschüsse genehmigt. Die Eröffnung des Flughafens in Schönefeld wurde wegen gravierender Baumängel bereits mehrfach verschoben. Ein neuer Termin für die Inbetriebnahme ist noch immer nicht bekannt.

Staatssekretär sagt nichts

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, wollte die 1,1 Milliarden Euro Mehrkosten weder bestätigen noch dementieren. Dies sei eine Spekulation. Auch der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider bestätigte den Bericht nicht. "Ich kenne diese Unterlagen nicht", sagte der Flughafen-Aufsichtsrat auf Anfrage. Die Geschäftsführung solle bei der Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember "belastungsfähige Zahlen" zu den Kosten vorlegen, fügte Bretschneider hinzu. Der Aufsichtsrat wolle Anfang 2014 einen Eröffnungstermin und die Mehrkosten des Milliardenprojekts nennen.

FBB-Aufsichtsratsmitglied Bomba sagte vor einer Sitzung des Flughafen-Untersuchungsausschusses in Berlin zu den Kosten: "Der aktuelle Stand ist 4,3 Milliarden Euro. Wir wissen, dass es mehr werden kann." Dieser Rahmen sei aber längst noch nicht ausgeschöpft. Neue Zahlen solle die Geschäftsführung dem Kontrollgremium am 13. Dezember vorlegen. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir Anfang des Jahres mit Eröffnungstermin und Kosten an die Öffentlichkeit gehen", kündigte Bomba an.

Nach der Sitzung sagte er, dass der BER in den ersten Jahren nach dem Start Verluste verursachen werde. "Aufgrund meiner bisherigen Kenntnisse gehe ich davon aus, dass der Flughafen in den 20er Jahren in die Gewinnzone gelangt." Bomba korrigierte zugleich Angaben von Flughafenchef Hartmut Mehdorn über die monatlichen Kosten für die verzögerte Eröffnung nach unten. Mehdorn hatte sie auf 35 Millionen Euro beziffert, Bomba geht von 18 Millionen Euro aus.

Quelle: n-tv.de

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