Wirtschaft
BMW-Chef Norbert Reithofer will künftig stärker auf Profitabilität achten.
BMW-Chef Norbert Reithofer will künftig stärker auf Profitabilität achten.(Foto: dpa)

"Marktanteile nicht um jeden Preis": BMW streicht hohe Rabatte

Die Absatzkrise in Europa zwingt viele Autobauer zu hohen Preisnachlässen. Bei beliebten Modellen sinkt der Preis im Vergleich zur Liste damit im Schnitt um mehr als ein Sechstel. Bei BMW soll damit nun Schluss sein: Rabatte passen für Konzernchef Reithofer nicht zu einer Premiummarke. Die neue Maxime in München heißt: Gewinn geht vor Absatz.

BMW will künftig in Deutschland auf hohe Preisnachlässe zur Absatz-Ankurbelung verzichten und nimmt damit den Verlust von Marktanteilen in Kauf. "Zu Premium passen dauerhaft keine hohen Rabatte. Sie sind weder für eine Marke noch für die Geschäftsentwicklung gut", sagte Vorstandschef Norbert Reithofer der "Wirtschaftswoche". "Wir haben uns deshalb entschieden, dass wir in Deutschland in diesem Jahr unsere Marktanteile nicht um jeden Preis verteidigen und Gewinn vor Absatz geht", merkte er an. Das Volumen sei deshalb deutlich zurückgenommen worden. "Und da reden wir nicht nur von 5000 Autos", betonte Reithofer.

Nach einer Studie des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen sanken die Preisnachlässe für Käufer der 30 beliebtesten Kfz-Modelle im Dezember im Vergleich zum November um 1,4 Prozentpunkte auf durchschnittlich 17,6 Prozent. Unter anderem habe VW seine Rabatte zuletzt spürbar gedrückt. CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer hatte allerdings betont: "Wir glauben nicht, dass dieser Trend tragfähig ist, sondern dass die Rabatte bis Februar oder März wieder ansteigen."

Zum Jahresende hatte ein Einbruch den Autoabsatz in Deutschland 2012 leicht sinken lassen - und auch im laufenden Jahr ist keine wirkliche Erholung in Sicht. Der Branchenverband VDA rechnet auch für 2013 mit einem kleinen Minus. Die Wachstumsperspektive der deutschen Automobilindustrie liegt nach Ansicht des VDA auf den Märkten außerhalb Westeuropas.

BMW ist im Premiumsegment weltweit führend vor Audi und Mercedes. 2012 haben die Münchener mit rund 1,8 Mio. verkauften Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce einen neuen Absatzrekord aufgestellt. In den ersten elf Monaten wurden 1,39 Mio. Fahrzeuge der Marke BMW ausgeliefert - mehr als von Mercedes mit 1,32 Mio. Pkws im gesamten Jahr. Die VW-Tochter Audi schaffte 2012 einen Absatz von mehr als 1,4 Mio. Autos.

Mehr Gewicht für Elektroautos

Unterdessen treibt Reithofer den Bau von Elektro-Fahrzeugen voran. Denn ab 2020 muss BMW seiner Aussage zufolge eine "fünfstellige Zahl pro Jahr" an E-Autos absetzen, um über die ganze Flotte hinweg den geforderten CO2-Grenzwert in der EU zu erreichen. "Oder wir können in Europa nur noch kleine Autos verkaufen", sagte Reithofer. Strafzahlungen wegen Überschreitung der Grenzwerte seien für ihn keine Option. Ende des Jahres will BMW mit dem Karbon-Auto i3 sein erstes Serien-Elektrofahrzeug auf den Markt bringen.

Eine staatliche Kaufprämie für E-Fahrzeuge muss es nach Aussage von Reithofer nicht geben. Er fordert aber von der EU bei der Berechnung des Flottenverbrauchs eine stärkere Gewichtung der E-Autos. Nach den Vorstellungen der EU soll ein stromgetriebenes Fahrzeug im Vergleich zu einem Benziner oder Diesel nur 1,3-mal so stark berücksichtigt werden. "Das ist viel zu wenig", kritisierte der BMW-Chef. "In den USA werden Elektroautos bei dieser Berechnung langfristig mit dem Faktor 2,0 berücksichtigt. Ich halte den Faktor 2,5 in der EU für das Minimum."

Quelle: n-tv.de

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