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Stillstand auch tagsüber, keine Urlauber-Rückholung: Bahn-Probleme in Mainz weiten sich aus

15 Stellwerk-Fahrdienstleiter gibt es in Mainz. Davon sind fünf erkrankt und drei im Urlaub. Der Bahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt kann deshalb ab Montag auch tagsüber nur eingeschränkt angefahren werden. Das Bahn-Image ist angekratzt, der Konzern reagiert nur halbherzig - und zu spät.

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Für die Deutsche Bahn kommt es im "Mainzer Chaos" immer dicker: Der Konzern will zwar die Fahrdienstleiter aus dem Urlaub zurückholen, um den Bahnhof in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt auch abends und nachts wieder regulär anfahren zu können. Die Eisenbahngewerkschaft EVG lehnt das aber ab. Die Bahn räumte nun ein: "Wir können das aber nicht erzwingen", sagte eine Bahn-Sprecherin.

Für die Bahn drängt das Problem: Weil für das Stellwerk urlaubs- und krankheitsbedingt die Fahrdienstleiter fehlen, wird der Bahnhof abends und nachts nicht angefahren. Erschwerend kommt hinzu: Ab Montag gelten die Einschränkungen auch tagsüber.

Ein Bahnhof geht vom Netz: Ab Montag drohen weitere Einschränkungen am Mainzer Hauptbahnhof.
Ein Bahnhof geht vom Netz: Ab Montag drohen weitere Einschränkungen am Mainzer Hauptbahnhof.(Foto: picture alliance / dpa)

Die teilweise Abkopplung des Mainzer Hauptbahnhofs aufgrund von Personalmangel hat auch erste Konsequenzen für Manager des Staatsunternehmens. Bahnchef Rüdiger Grube will nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen den Vorstand Produktion der für das Schienennetz zuständigen Bahn-Tochter DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbinden. Die Ablösung von Hess sei schon seit längerem geplant gewesen, die Ereignisse in Mainz hätten sie jedoch beschleunigt, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" am Samstag ergänzend. Hess ist seit Juni 2011 im Vorstand der Netz-Sparte.

Gewerkschaft lehnt Rückhol-Pläne ab

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Die Einschränkungen in Mainz sollten zunächst nur für wenige Tage gelten, dauern nun aber bis Ende August. Nachdem in den vergangenen Tagen nur die Abend- und Nachtstunden betroffen waren, fallen ab Montag in Mainz nach Bahnangaben auch tagsüber Regionalzüge aus. "Die urlaubenden Mitarbeiter sollten sofort auf Kostenerstattung der Bahn ihren Urlaub abbrechen und Dienst tun", forderte FDP-Generalsekretär Patrick Döring, der auch im Bahn-Aufsichtsrat sitzt, in der "Bild am Sonntag". Dem Blatt zufolge sind 5 der 15 Stellwerk-Fahrdienstleiter in Mainz erkrankt und 3 im Urlaub.

Der Vorsitzende der Eisenbahngewerkschaft EVG lehnte die Rückholung aus dem Urlaub ab. "Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen ihren Erholungsurlaub dringend", erklärte Alexander Kirchner. Mitarbeiter im Mainzer Stellwerk hätten bereits mehrfach ihren Urlaub verschieben müssen oder seien aus dem Urlaub zurückgeholt worden. An vielen Stellwerken in Deutschland sei das nicht anders.

Bahn sucht nach Gründen

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Hintergrund der Personalknappheit sind auch Überalterung und Nachwuchsmangel. Die EVG bemängelt, das Problem sei seit Jahren bekannt. Es fehlten in den Stellwerken bundesweit rund 1000 Fahrdienstleiter. Die Bahn habe zwar versucht gegenzusteuern. Aber dies reiche nicht aus, um den massiven Personalabbau der vergangene Jahre auszugleichen, sagte EVG-Vorstandsmitglied Reiner Bieck im RBB.

Dem "Spiegel" zufolge werden knapp 3000 Weichen-Schaltzentralen der Bahn noch weitgehend mechanisch betrieben. Nur 415 Stellwerke würden computergesteuert.

Netz-Sparte wichtigster Gewinnbringer

In Konzernkreisen hieß es, die Mängel in der Personalplanung hätten auch mit der Ablösung des Chefs der Netz-Sparte, Oliver Kraft, sowie dessen Arbeitsdirektor zu tun. Krafts Vertrag war erst im vergangenen Jahr bis 2017 verlängert worden, Anfang 2013 musste er dann gehen.

Kraft hatte zuvor die Netz-Sparte zum wichtigsten Gewinnlieferanten des Konzerns gemacht. Über Jahre wurden gerade in diesem Bereich jährlich Tausende Stellen abgebaut. Zugleich wurden allerdings die Stellwerke wegen verzögerter Investitionen im Zuge des geplanten Börsengangs 2008 langsamer als zunächst geplant durch moderne vollelektronische ersetzt, was zu einer Personalentlastung geführt hätte.

Quelle: n-tv.de

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