Wirtschaft
Das Ziel Bahnchef bleibt Volker Kefer verwehrt.
Das Ziel Bahnchef bleibt Volker Kefer verwehrt.(Foto: dpa)

Für Stuttgart 21 verantwortlich: Bahn-Vize Kefer räumt seinen Stuhl

Volker Kefer galt als der starke Mann bei der Deutschen Bahn. Sogar Konzernchef Grube musste befürchten, von seinem Stellvertreter abgelöst zu werden. Doch nun wird daraus nichts, denn Kefer werden viele Bahn-Probleme angelastet.

Der Machtkampf an der Spitze der krisengeschüttelten Deutschen Bahn hat einem weiteren Vorstand den Job gekostet. Der stellvertretende Bahnchef Volker Kefer habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht, mitgeteilt, dass er seinen Posten aufgeben werde, verlautete aus dem Umfeld des Kontrollgremiums. Kefer wolle aber noch so lange im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei.

Der 60-Jährige, im Konzernvorstand zuständig für Infrastruktur und Technik, zieht mit seinem Schritt offenkundig die Konsequenzen aus der Kritik an seiner Informationspolitik über das Bahnprojekt Stuttgart 21. Am Mittwoch soll Kefer dem Aufsichtsrat die jüngst bekannt gewordenen Kostensteigerungen des Milliardenvorhabens erklären.

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Kefer ist als Infrastrukturvorstand auch für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 verantwortlich. Er muss dem Aufsichtsrat am Mittwoch aber erläutern, dass es sich erneut um 500 Millionen Euro auf rund 6,5 Milliarden verteuern wird und vermutlich nicht vor 2023 fertig wird. Das sind zwei Jahre später als zuletzt vorgesehen. Eine Stellungnahme der Bahn lag zunächst nicht vor.

Kefer war erst im vergangenen Jahr zum stellvertretenden Konzernchef aufgestiegen und galt zudem als Rivale von Bahnchef Rüdiger Grube. Dieser steht nach dem Milliarden-Verlust im vergangenen Jahr selbst unter Druck. Auch sein Vertrag läuft Ende 2017 aus. Die Chancen auf eine Verlängerung dürften mit dem Abgang Kefers nun aber gestiegen sein.

Kefer war die treibenden Kraft hinter dem Sanierungsprogramm "Zukunft Bahn", mit dem der Staatskonzern den Abwärtstrend stoppen will. Vor allem der Schienengüterverkehr produziert seit Jahren Verluste, aber auch der Fernverkehr mit IC und ICE steht wegen der Fernbus-Konkurrenz unter Druck. Grube hatte daher bereits 2015 mehrere Vorstände ausgetauscht.

Viele Baustellen

Als Infrastrukturvorstand mit Verantwortung für Gleise und Bahnhöfe muss sich Kefer zudem die mangelnde Pünktlichkeit der Züge mit vorwerfen lassen. Zudem hat sich das Sanierungsprogramm in den ersten Monaten des Jahres 2016 noch nicht in den Umsatz- und Gewinnzahlen niedergeschlagen. Gewerkschaften und Betriebsräte bekämpfen zudem die Pläne für den Güterverkehr, die auch die Streichung von 3000 Stellen und das Schließen von über 200 Güterbahnhöfen vorsehen. Auch damit wird sich der Aufsichtsrat befassen.

Offen ist nun auch, wie es mit den Verkaufsplänen für das internationale Personenverkehrs- und Logistik-Geschäft weiter geht. Mit der Abgabe eines Minderheitsanteils an den Töchtern Arriva und Schenker will die Bahn rund 4,5 Milliarden Euro einnehmen. Damit sollen Schulden begrenzt und Investitionen bezahlt werden. Auch an diesen Plänen war Kefer maßgeblich beteiligt. Wegen Bedenken im Aufsichtsrat wurden Beschlüsse aber mehrfach vertagt.

Quelle: n-tv.de

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