Wirtschaft
Immerhin 130 ICx-Züge sollen die Bahn-Flotte doch noch schmücken.
Immerhin 130 ICx-Züge sollen die Bahn-Flotte doch noch schmücken.(Foto: picture alliance / dpa)

Siemens verpatzt historischen Auftrag: Bahn kauft lieber bei Bombardier

Bis zu 300 Hochgeschwindigkeitszüge will die Deutsche Bahn bei Siemens kaufen. Doch Siemens kommt mit der Bestellung nicht hinterher und verärgert so den Kunden. Nun kürzt die Bahn den Auftrag empfindlich ein und ordert stattdessen bei Bombardier. Die Konkurrenz ist zumindest billiger.

Die Deutsche Bahn kauft weniger Hochgeschwindigkeitszüge als geplant bei Siemens und bestellt stattdessen billigere Fahrzeuge beim Konkurrenten Bombardier. Das Unternehmen kürzte den vorgesehenen Kauf von 220 Zügen der neuen Generation ICx um 31 Stück, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Bahn-Unterlagen zitiert. Der Wert dieser Züge beträgt rund eine Milliarde Euro. Dafür kauft die Bahn nun 17 Doppelstock-IC bei Bombardier für knapp 300 Millionen Euro. Die Züge sollen ab 2017 auf eher unrentablen Strecken in Süddeutschland fahren. Neben dem Kostenargument reagiert die Bahn damit auch auf anhaltende Lieferengpässe bei Siemens.

Mit dem Kauf könnten mehr als die Hälfte der durch den verkleinerten Siemens-Auftrag verlorenen Sitzplätze ersetzt werden, heißt es in den Unterlagen. Die Bahn hatte 2011 mit Siemens einen Rahmenvertrag über bis zu 300 ICx geschlossen. Der ICx soll alle IC und ICE Stück für Stück ersetzen und ist eine grundlegende Neukonstruktion. Im größten Auftrag der Siemens-Geschichte wurden 130 ICx fest bestellt und eine zweite Tranche von 90 weiteren als geplant bezeichnet. Für die insgesamt 220 Züge nannten die Unternehmen damals einen Auftragswert von gut sechs Milliarden Euro. Nun heißt es in den Konzernunterlagen: "Im Zuge der Anfang 2013 beschlossenen ICx-Leistungsänderungen wurde die Beschaffungsmenge an 7-teiligen ICx um 31 Züge reduziert." Die Kürzungen betreffen die zweite Tranche.

Bahn und Siemens erklärten, es bleibe bei der Bestellung der ersten 130 ICx. Diese sollen von 2017 bis etwa 2020 ausgeliefert werden. Zu der Auslieferung weiterer Züge wollte sich Siemens nicht äußern. Ein Bahn-Sprecher sagte: "An dem bei Siemens bestellten Paket von 130 ICx Zügen ändert sich nichts. Alles weitere sind Optionen aus dem Rahmenvertrag, die den Zeitraum nach 2020 betreffen." Zu der Bombardier-Bestellung äußerte sich die Bahn nicht.

Im Frühjahr hatte das Unternehmen noch mitgeteilt, ein Teil der 130 festbestellten ICx werde in längerer und komfortablerer Version mit mehr Sitzplätzen als ursprünglich geplant geliefert. Dafür verteuere sich die Lieferung um rund 600 Millionen Euro, hieß es in Unternehmenskreisen. Zudem kämen die ersten Züge erst 2017 statt 2016. Von einer Kürzung des Auftragsvolumens war damals keine Rede.

Bahn braucht dringend neue Züge

Die Deutsche Bahn verbucht deutlich mehr Passagiere im Fernverkehr und ist an der Kapazitätsgrenze angelangt. 16 neue ICE-3-Velaro von Siemens sollten bereits 2011 geliefert werden, kommen jetzt aber nicht vor 2014 auf die Schiene. Die Bahn hatte sich daher wiederholt über die Zuverlässigkeit von Siemens beklagt. Um schnell zusätzliche Fernzüge einzusetzen, bestellte sie bei Bombardier 27 Doppelstock-Züge. Dies sind in roter Farbe bereits verbreitet im Regionalverkehr im Einsatz. Für den Fernverkehr baut Bombardier die Modelle um und erhöht die Höchstgeschwindigkeit auf knapp 190 Kilometer die Stunde. Ursprünglich sollten sie bereits in weiß-roter-Lackierung ab diesem Jahr im Einsatz sein und die alten IC-Züge ablösen. Doch auch Bombardier liefert nicht vor 2014.

"Die aktuell sehr angespannte Fahrzeugsituation im DB-Fernverkehr kann nur durch eine frühzeitige Lieferung neuer Züge behoben werden", begründet die Bahn in den Unterlagen die Bestellung der 17 Modelle. "Der IC-Doppelstock ist aufgrund der vorhandenen Rahmenverträge mit Bombardier Transportation das einzige Fahrzeug mit Fernverkehrskomfort, welches bis Ende 2017 lieferbar ist." Pro Sitzplatz seien die Kosten zudem nur halb so hoch wie beim ICx.

Die Doppelstock-IC sollen nun in vier Jahren in Süddeutschland unter anderem auf der Strecke Stuttgart-Zürich sowie Karlsruhe-Stuttgart-Nürnberg fahren. Die veralteten Züge dort stünden erheblich in der Kritik, heißt es in den Papieren. Die Strecken seien aber so schwach ausgelastet, dass sie kaum wirtschaftlich seien. Eine Einstellung käme aber nicht infrage, da dies mit einem erheblichen Image-Schaden verbunden wäre.

Quelle: n-tv.de

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