Wirtschaft

Inflationsgespenst über Großbritannien: Bank of England unter Druck

In Großbritannien steigen die Preise spürbar. Die Bank of England dürfte damit zunehmend unter Zugzwang geraten, die Zinsen bald anzuheben. Analaysten sind sich sicher, dass dies im Mai geschieht. Die Regierung in London legt ein rigides Sparpaket auf. Dieses könnte den privaten Konsum und die Investitionstätigkeit bremsen.

Die Briten müssen tiefer in die Tasche greifen.
Die Briten müssen tiefer in die Tasche greifen.(Foto: REUTERS)

Die hohe Inflation bedroht den ohnehin fragilen Aufschwung in Großbritannien. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise trieben die Teuerungsrate im Februar mit 4,4 Prozent auf den höchsten Stand seit fast zweieinhalb Jahren. Der Einzelhandel hob seine Preise mit 5,5 Prozent sogar so stark an wie seit fast 20 Jahren nicht mehr.

Experten rechnen nun mit Zinserhöhungen der britischen Notenbank, die damit die Inflationsrate wieder näher an die Stabilitätsmarke von zwei Prozent drücken könnte. Die Kaufkraftverluste für Verbraucher und die bei steigenden Zinsen teurer werdenden Kredite dürften aber die Konjunktur bremsen.

"Die Zinserhöhung wird im Mai kommen", ist sich Analyst Alan Clark von BNP Paribas sicher. Auch die Finanzmärkte rechnen fest damit: Das britische Pfund legte nach den Daten im Vergleich zum Euro zu, weil höhere Zinsen die Währung für Anleger attraktiver machen. Bereits im Februar hatten sich drei der neun Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England (BoE) für eine Straffung stark gemacht. Derzeit können sich Banken noch zu einem rekordniedrigen Leitzins von 0,5 Prozent bei der Notenbank mit Geld eindecken. Verlangt sie künftig mehr dafür, geben die Banken die höheren Kosten an Privat- und Geschäftskunden weiter.

Riesiges Haushaltsloch

Das könnte sowohl den privaten Konsum als auch Investitionen bremsen und die Wirtschaft schwer treffen - zumal die konservativ-liberale Koalitionsregierung von Premierminister David Cameron auch noch ein großes Sparpaket geschnürt hat. 81 Milliarden Pfund will Finanzminister George Osborne in den kommenden vier Jahren sparen, um die hohe Neuverschuldung zu senken. Jedes Ressort soll im Schnitt 19 Prozent seiner Ausgaben kürzen.

Osborne stellt das Paket am Mittwoch im Parlament vor. Im zu Ende gehenden Haushaltsjahr klaffte eine Finanzierungslücke von 148,5 Milliarden Pfund im Staatsetat. Die Neuverschuldung entspricht zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Zum Vergleich: In Deutschland soll die Defizitquote in diesem Jahr unter drei Prozent liegen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat für 2011 bereits ihre Wachstumsprognose für Großbritannien auf 1,5 Prozent gesenkt. Dabei hat sich die Industrie zuletzt erholt. Sie sammelte im Februar so viele Aufträge ein wie seit fast drei Jahren nicht mehr.

Quelle: n-tv.de

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