Wirtschaft
Pro Kunde und Institut je 100.000 Euro: Sparschweine schützt die gesetzliche Einlagensicherung allerdings nicht.
Pro Kunde und Institut je 100.000 Euro: Sparschweine schützt die gesetzliche Einlagensicherung allerdings nicht.(Foto: picture alliance / dpa)

"Die Einlagen sind absolut sicher": Banken beschwören Kleinsparer

Nach den Problemen mit der belgisch-französischen Dexia und dem unerwartet düsteren Ausblick der österreichischen Erste Group sendet der deutsche Bankenverband BdB beruhigende Signale an alle Bankkunden in Deutschland: "Den deutschen Banken geht es gut", sagt BdB-Sprecher Kemmer. "Sie sind stabil."

Trotz neuer Diskussionen über Bankenrettungspakete müssen sich die deutschen Sparer nach Ansicht des Bankenverbandes keine Sorgen über ihre Guthaben machen.

Kalt und stürmisch fegen die Herbstwinde durch die deutsche Bankenlandschaft.
Kalt und stürmisch fegen die Herbstwinde durch die deutsche Bankenlandschaft.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir haben in Deutschland ein sehr gutes System der Einlagensicherung, das noch weit über das hinaus geht, was es in anderen Ländern Europas gibt. Die Einlagen der Sparer, der kleinen Leute, wie man so schön sagt, sind absolut sicher", sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Dexia-Kunden hatten zuvor erhebliche Mengen ihrer Einlagen bei der belgisch-französischen Großbank abgezogen und damit die Krise des taumelnden Geldhauses zusätzlich verschärft.

Die Psychologie der Masse spielt im Bankengeschäft eine nicht unerhebliche Rolle: Kommt es zum Herdentrieb und panikartigen Mittelabflüssen, kann der Ansturm der Kunden beinahe jedes Kreditinstitut in die Knie zwingen. Das Vertrauen der Anleger in Solidität und Kreditwürdigkeit ist eine unabdingbare Grundvoraussetzung für die Funktionsfähigkeit privater Banken. Um dieses Vertrauen selbst im Krisenfall zu erhalten, gibt es unter anderem die gesetzlich vorgeschriebene Banken wollen Garantie kürzen .

"Sie sind stabil": Michael Kemmer.
"Sie sind stabil": Michael Kemmer.(Foto: Bundesverband deutscher Banken)

"Den deutschen Banken geht es gut", betonte Kemmer mit Blick auf die Teilverstaatlichung der belgisch-französischen Großbank Dexia, die im Zusammenhang mit der Schuldenkrise durch drohende Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ins Wanken geraten war. Die deutschen Banken seien "gut aufgestellt. Sie haben in den letzten Monaten ihr Kapital erhöht. Sie sind stabil", sagte Kemmer. Die Griechenland-Engagements der deutschen Häuser seien überschaubar. Nach der Finanzkrise 2008 hätten die deutschen Banken "ihre Hausaufgaben gemacht". Sie hätten auch das Risikomanagement verbessert. "Im internationalen Vergleich stehen die deutschen Banken derzeit gut da", versicherte Kemmer.

Drei Jahre, nachdem das weltweite Finanzsystem durch die Turbulenzen der US-Hypothekenkrise und den Zusammenbruch der US-Großbank Lehman Brothers vor dem Zusammenbruch stand, geht mittlerweile die akute Angst vor einem neuen Flächenbrand um. Denn die Schuldenkrise und der drohende Staatsbankrott Griechenlands schüren die Befürchtungen in der Bevölkerung und unter Experten, dass viele Banken Juncker nennt es beim Namen nicht mehr über ausreichendes Eigenkapitel verfügen, um mögliche Ausfälle oder weitere Abschreibungen zu stemmen. Deshalb wird jetzt zunehmend über eine erzwungene oder koordinierte Rekapitalisierung der Banken debattiert.

Teufelskreis: Staatshilfe und Staatsschulden

Dazu sagte Kemmer, bei der Stärkung der Kapitaldecke einzelner Banken könne man jedoch "nicht mit der Gießkanne arbeiten". "Wenn jetzt die europäischen Staaten wieder neues Geld aufnehmen, um es den Banken zu geben, verstärkt das möglicherweise die Sorge der Investoren über die Rückzahlungsfähigkeit der Staaten." Allerdings könne es Fälle geben, in denen das nicht zu vermeiden sei. Aber hier müsse man sehr genau überlegen, wo es Sinn mache, Kapital hineinzugeben.

Kemmer warnte vor einer stärkeren Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Rettung. Bevor weitere Schuldenerlasse aus dem privaten Sektor zugunsten Griechenlands vereinbart würden, sollten erst einmal die im Juli vereinbarten 21 Prozent eingeholt werden, sagte er. "Das ist technisch nicht so ganz einfach, das ist ein Riesenbetrag. Es führt nicht dazu, dass das Vertrauen der Finanzmärkte wieder zurückkommt, wenn wir, bevor wir die eine Aktion beendet haben, schon wieder über die zweite und dritte Aktion sprechen." Auch der international abgestimmte Fahrplan zur Verbesserung der Kapitalausstattung, bekannt unter dem Namen "Basel III" sollte eingehalten werden.

Hier zeichnet sich allerdings bereits ein neues, möglicherweise noch größeres  Problem ab: Der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet beschrieb die Risikofreiheit von Staatsanleihen als eine der grundlegenden Arbeitsannahmen bei der Ausarbeitung der Vorgaben im Rahmen von Basel II und Basel III. Sollte es in Griechenland und weiteren Staaten Merkel und Sarkozy bleiben vage , wäre diese Grundlage schwer erschüttert. Dann stünden die beteiligten Experten des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht vor einer schweren Aufgabe: Sie müssten sämtliche Vereinbarungen zu Eigenkapitalvorschriften und Sicherheitspolstern korrigieren und auf stabilere Füße stellen.

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Quelle: n-tv.de

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