Wirtschaft
Wegen jahrelanger Währungsmanipulationen soll es bald Anklagen gegen Großbanken wie die Deutsche Bank geben.
Wegen jahrelanger Währungsmanipulationen soll es bald Anklagen gegen Großbanken wie die Deutsche Bank geben.(Foto: REUTERS)

Milliardenstrafen bis Jahresende?: Banken droht neue Klagewelle

Von Hannes Vogel

Jahrelang sollen Großbanken wie die Deutsche Bank Währungen manipuliert haben. Ermittler wollen die ersten Geldhäuser nun bis Jahresende anklagen. Die Verfahren dürften alle bisherigen Bankenskandale in den Schatten stellen.

Auf die größten Banken der Welt kommt offenbar eine neue Welle von Milliardenstrafen zu. Das US-Justizministerium soll eine Reihe von Verfahren gegen die Wall-Street-Giganten vorbereiten, berichtet die "New York Times". Die Ermittler gehen seit Monaten dem Verdacht nach, dass die Top-Händler von Deutsche Bank, UBS, Citigroup und anderen Instituten über Jahre in London die wichtigsten Währungskurse manipuliert haben. Die Behörden wollen laut der Zeitung nun bis Jahresende mindestens eine der ein Dutzend Banken anklagen, die in den Skandal verwickelt sind.

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Aus den vertraulichen Interviews, die die "New York Times" mit mehreren in der Sache involvierten Anwälten geführt hat, kristallisiert sich heraus, dass die Ermittler wegen wohl einzelne Händler und ihre Bosse ins Visier nehmen werden. Als wichtigste Beweise sollen ihre Chatprotokolle dienen. Für die betroffenen Banken könnte es also richtig peinlich werden. Die Geldhäuser haben bereits etwa 30 Händler wegen den Vorwürfen gefeuert oder suspendiert. Laut den Ermittlern wollen sich einige der Institute, darunter mindestens eine US-Bank, schuldig bekennen.

"Die Mafia" regiert den Devisenmarkt

Auch in Großbritannien kommen die Ermittlungen voran. Dort wollen die Aufseher von der Financial Conduct Authority (FCA) wohl im Herbst eine Einigung mit sechs Banken in den Währungsverfahren bekanntgeben: Citigroup, JP Morgan, Barclays, UBS, Royal Bank of Scotland und HSBC. Die Gesamtstrafen könnten sich auf bis zu 3,3 Mrd. Dollar belaufen, berichten Insider.

Der Umfang der Vorwürfe stellt alle bisherigen Finanzskandale weit in den Schatten. Die Strafen dürften dementsprechend ausfallen. Der Devisenhandel ist der größte Finanzmarkt der Welt. Täglich handeln die Großbanken dort mehr als fünf Billionen Dollar.

Entscheidend ist das sogenannte "Fixing": Die Referenzkurse, die jeden Tag um 16 Uhr in der Londoner City festgelegt werden. Diese Kurse sollen die Händler verschoben haben, um ihren Kunden die Währungen möglichst billig abzukaufen und teuer zu verkaufen. Viele fühlten sich dabei offenbar unangreifbar: Sie sollen ihren Chatrooms Namen wie "Das Kartell", "Die Mafia" oder "Der Klub der Banditen" gegeben haben.

Großer Ärger für die Deutsche Bank

Besonders heikel an den Währungsverfahren ist, dass die Ermittler sie nutzen könnten, um auch einige der Verfahren im Libor-Skandal wieder zu eröffnen. Hier sollen Händler Zinsen statt Währungskurse verschoben haben. Erst in der vergangenen Woche hat sich ein "leitender Banker" einer "führenden britischen Bank" schuldig bekannt, die Leitzinsen für den Interbankenmarkt manipuliert zu haben, teilte ein Londoner Gericht mit. Es ist der erste Angeklagte in Großbritannien, der die Verstöße zugegeben hat.

Die meisten Banken haben ihre Strafen für die Libor-Mauscheleien bereits kassiert. Nun ist offenbar die Deutsche Bank an der Reihe. Und anders als bei Vergleichen mit anderen Banken erwägen die Ermittler laut "New York Times" das Geldhaus oder eine seiner Tochterfirmen zu zwingen, sich bei den Zinsmanipulationen schuldig zu bekennen.

Auch das "Wall Street Journal" berichtet, dass ein Abschluss der Libor-Ermittlungen wohl bevorsteht. Demnach wollen die angelsächsischen Behörden das größte deutsche Geldhaus in den kommenden Monaten zu einer beträchtlichen Strafe verdonnern. Wahrscheinlich sei ein Abschluss des Verfahrens Ende 2014 oder Anfang 2015.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den Berichten nicht äußern. Das Institut kooperiere bei den Libor-Ermittlungen mit den Behörden, erklärte ein Banksprecher. Einige Mitarbeiter hätten auf eigene Initiative gegen Richtlinien der Bank verstoßen und seien dafür bestraft worden. Frühere oder aktuelle Vorstandsmitglieder seien nicht betroffen.

Quelle: n-tv.de

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