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"Keine schlechte Zeit um einen Schritt wie diesen zu machen", so eine Analystin zum Schritt der PBoC, den Geldhäusern zu gestatten, ihre Zinsen selbst festzulegen.
"Keine schlechte Zeit um einen Schritt wie diesen zu machen", so eine Analystin zum Schritt der PBoC, den Geldhäusern zu gestatten, ihre Zinsen selbst festzulegen.(Foto: picture alliance / dpa)

Chinas Kampf der Kreditklemme: Banken dürfen Zinsen selbst festlegen

Chinas Banken halten sich bei der Kreditvergabe zurück. Das Wort Kreditklemme geistert über die Märkte. Mit einem einzigen Schritt sorgt die Zentralbank für Ruhe. "Keine schlechte Zeit um einen Schritt wie diesen zu machen", jubelt eine Analystin.

Die chinesische Zentralbank bestimmt nicht mehr die Höhe der Zinsen, wenn die Banken des Landes Kredite vergeben. Ab Samstag dürfen die Geldhäuser den Zinssatz eigenständig festlegen, wie die People's Bank of China (PBoC) erklärte. Damit unternimmt die kommunistische Führung den ersten wichtigen Schritt, das Finanzsystem des Landes zu liberalisieren.

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Bisher gab die PBoC einen Mindestzinssatz für Kredite und Einlagen vor, den Banken nur um 30 Prozent unterschreiten durften. Lag dieser Ankerzins bei beispielsweise 10 Prozent, mussten die Banken ein Darlehen mit mindestens 7 Prozent Zinsen vergeben. Das gehört nun der Vergangenheit an.

Die PBoC erwartet, dass durch den Schritt Kredite für Unternehmen günstiger werden und das Kapital effizienter in der Wirtschaft verteilt wird. "Das wird die Realwirtschaft unterstützen und die Struktur der Wirtschaft verbessern", heißt es in der Mitteilung der Notenbank. Die Währungshüter behalten aber den Finger auf den Einlagenzinsen für Bankguthaben und den Immobilienkrediten. Den Banken ist es allerdings erlaubt, den Zins für Einlagen bis zu zehn Prozent über den Ankerwert zu heben.

"Keine schlechte Zeit für diesen Schritt"

"Alles in allem, ist das ein positiver Schritt", sagte Song Yu, Volkswirt bei Goldman Sachs. Frederik Kunze von der NordLB glaubt, dass die Abschaffung des Mindestzins in die langfristige Strategie der Zentralregierung passt. "Das ist daher nicht primär im Kontext der aktuellen Wachstumsabschwächung zu sehen".

Kurzfristig dürfte die Wirkung der neuen Zinsfreiheit keine großen Auswirkungen haben. Derzeit liegen die Zinsen für Kredite über dem staatlich festgelegten Mindestwert. "Keine schlechte Zeit um einen Schritt wie diesen zu machen", sagte Ma Xiaoping, Analystin bei HSBC.

Schlechte Verzinsung von Sparguthaben

Frederik Kunze sieht für die staatlichen Reformer den dicksten Brocken noch kommen - die Abschaffung der Zinskontrolle auf Bankguthaben. Die vergleichsweise niedrigen Zinsen, die die Banken hier gewähren, haben die Chinesen seiner Einschätzung nach in riskante Anlagen getrieben.

Die schlechte Verzinsung von Sparguthaben steht bisher einem sicheren Vermögensaufbau für breite Teile der Bevölkerung im Wege, weshalb der Konsum gegenüber der Exportwirtschaft unterentwickelt ist. Ein stärkerer Konsum ist aber das Ziel der von der neuen Regierung angestrebten Wirtschaftsreformen. Die hohe Spanne zwischen Einlagen- und Ausleihzinsen hat außerdem die Staatsbanken begünstigt, die an der Spanne gut verdient haben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte in seinem jüngsten Länderbericht angemahnt, dass die kommunistische Führung unbedingt die Finanzwirtschaft öffnen und liberalisieren müsse. Geschehe das nicht, drohe China am Ende des Jahrzehnts auf Wachstumsraten von nur 4 Prozent zurückzufallen.

Quelle: n-tv.de

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