Wirtschaft
Kunden trauern um einen Ladenbesitzer in Granada, der sich tötete.
Kunden trauern um einen Ladenbesitzer in Granada, der sich tötete.(Foto: picture alliance / dpa)

Selbsttötungen in Spanien: Banken setzen Räumungen aus

In Spanien verlieren Hunderttausende von Menschen ihre Wohnungen, weil sie ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Nach mehreren Selbstmorden kündigen die Banken an, auf Zwangsräumungen künftig "im Notfall" zu verzichten.

Im Baskenland hatte sich eine Frau vor einer Zwangsräumung selbst getötet.
Im Baskenland hatte sich eine Frau vor einer Zwangsräumung selbst getötet.(Foto: REUTERS)

Angesichts der Folgen verzichten Spaniens Banken für zwei Jahre auf Zwangsräumungen bei einigen säumigen Schuldnern. Wie der Verband der spanischen Banken mitteilte, würden die Zwangsräumungen "in Fällen äußerster Not" ausgesetzt. Zuletzt hatten Selbstmorde vor anstehenden Zwangsräumungen Proteste in Spanien ausgelöst.

Alle Mitglieder des Bankenverbandes seien "aus humanitären Gründen und im Rahmen ihrer Politik der sozialen Verantwortung die Verpflichtung eingegangen, die Zwangsräumungen in den kommenden beiden Jahren in Fällen extremer Not auf Eis zu legen", erklärte der Verband AEB. Am Samstag hatte bereits die Sparkasse Kutxabank sämtliche Zwangsräumungen bis auf Weiteres ausgesetzt, nachdem sich eine Frau vor einer Zwangsräumung getötet hatte.

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Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy hatte daraufhin gesagt, er hoffe, dass es "einen vorübergehenden Stopp von Zwangsräumungen" gebe, von denen die sozial schwächsten Familien getroffen würden. Die von ihm geführte konservative Regierung nimmt an diesem Montag mit der Opposition der Sozialisten (PSOE) Verhandlungen über eine Reform auf, die den Zwangsräumungen Einhalt gebieten soll. "Niemand soll seine Bleibe verlieren, nur weil er in Zeiten der Not eine Hypothek nicht zurückzahlen kann", sagte PSOE-Parteichef Alfredo Pérez Rubalcaba.

Hohe Arbeitslosigkeit

Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahre 2008 wurden in Spanien etwa 350.000 Wohnungen aufgrund richterlicher Verfügungen zwangsweise geräumt. Infolge der Krise und der hohen Arbeitslosigkeit können viele Spanier die Kredite nicht zurückzahlen, die sie für den Kauf von Wohnungen aufgenommen hatten. Spanien ist von der internationalen Schuldenkrise und dem Platzen der Immobilienblase von 2008 schwer getroffen. Fast jeder Vierte ist arbeitslos, bei Menschen unter 25 Jahren liegt die Quote sogar über 50 Prozent.

Die Zwangsräumungen sind in diesen Tagen das beherrschende Thema in Spanien. Nach einer Umfrage der Zeitung "El País" sind 95 Prozent der Spanier dafür, dass die Gesetzgebung geändert wird. Die Gerichtspräsidenten des Landes plädierten dafür, die sozialen Härten der Krise abzumildern. "Wir dürfen nicht mit dem Rücken zur Gesellschaft leben", sagte der Gerichtspräsident von Bilbao, Alfonso González-Guija. "Die Bande vor den Augen der Justiz bedeutet Unparteilichkeit, aber nicht Unempfindlichkeit." Die Polizeigewerkschaft SUP sagte allen Beamten juristischen Beistand zu, die sich weigerten, an Zwangsräumungen teilzunehmen.

"Die Problematik hat alarmierende Dimensionen angenommen", sagte Joaquim Bosch, Sprecher des Juristenverbandes JpD (Richter für die Demokratie). Nach seiner Schätzung werden in Spanien derzeit pro Tag 500 Zwangsräumungen vollstreckt. Auch alte Leute, Behinderte und Familien mit Kindern verlieren ihre Wohnungen. Die Regierung hatte einen Verhaltenskodex für die Gläubiger-Banken erlassen, der die schlimmsten sozialen Härten verhindern soll. Das Regelwerk zeigte aber kaum Wirkung, denn die Einhaltung ist für die Banken freiwillig.

Quelle: n-tv.de

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