Wirtschaft
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Neue Runde im Zinsskandal: Banken stehen vor Libor-Zivilprozessen

Die Manipulation wichtiger Zinnsätze hat etliche Großbanken rund um den Globus bereits Milliardenstrafen gekostet. Doch der Fall ist damit offenbar nicht vom Tisch. Eine US-Richterin öffnet geschädigten Investoren eine neue Tür.

Etliche Großbanken müssen sich offenbar auf neue erhebliche Belastungen einstellen. Denn obwohl sie im Skandal im Zinsmanipulationen bereits Milliardenbußen gezahlt haben, drohen ihnen nun auch Zivilprozesse. US-Bezirksrichterin Naomi Reice Buchwald in Manhattan stellte fest, dass es eine Grundlage für entsprechende Klagen gebe.

Wenn es stimme, dass die Banken bei der Ermittlung des wichtigen Referenzzinssatzes Libor bewusst falsche Angaben zu ihren Finanzierungskosten gemacht hätten, dann hätten Investoren einen Nachteil erlitten, erklärte die Richterin. "Wenn diese Vorwürfe stimmen, dann handelt es sich hier um Betrug."

Im aktuellen Fall sind institutionelle Investoren vor Gericht gezogen, die jeweils für sich kämpfen und sich keiner Sammelklage anschließen wollen. Sie richten ihre Vorwürfe gegen 16 Großbanken, darunter Deutsche Bank, Credit Suisse, UBS, JP Morgan und Bank of America.

Richterin grenzt Fall ein

Richterin Buchwald beschäftigt sich mit dem Rechtsstreit schon seit Jahren. Einige Vorwürfe ließ sie allerdings nicht gelten und grenzte die Argumentationsgrundlage nun in ihrem 431-seitigen Bericht weiter ein. Das dürfte es für die Kläger eher erschweren, einen möglicherweise entstandenen Schaden tatsächlich nachzuweisen.

In den Libor-Skandal sind Banken weltweit verstrickt. Nach Erkenntnissen von Aufsehern hatten sich einzelne Händler bei der Festsetzung des Zinssatzes abgesprochen, um den Kurs in die gewünschte Richtung zu lenken und Handelsgewinne einzustreichen.

An solchen Zinsen hängen Geschäfte in einem Volumen von vielen hundert Billionen Dollar, wodurch sich schon durch kleine Bewegungen hohe Gewinne erzielen lassen. Etliche Institute haben bereits teure Vergleiche mit verschiedenen Behörden geschlossen, darunter auch die Deutsche Bank.

Erstmals wurde in dieser Woche auch eine Einzelperson von einem Geschworenengericht wegen der Tricksereien verurteilt: Der einstige Star-Händler Tom Hayes, dem in London der Prozess gemacht wurde, muss wegen Verschwörung zum Betrug 14 Jahre ins Gefängnis. Der 35-jährige Ex-Angestellte von UBS und Citigroup galt als einer der Drahtzieher in der Zinsaffäre.

Quelle: n-tv.de

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