Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Mehrere Häuser im Angebot: Bankenlandschaft sortiert sich etwas neu

Der deutsche Bankenmarkt wird in Teilen neu geordnet. Einige kleinere Töchter von Finanzinstituten stehen zum Verkauf. Darunter sind vor allem die Sorgenkinder der Geldhäuser. Doch auch für sie gibt es Interessenten.

Dem deutschen Bankensektor steht möglicherweise eine kleine Konsolidierungswelle ins Haus. Mehrere Banken bereiten den Verkauf kleinerer Töchter vor. Zudem steht mit der IKB ein eigenständiges Haus zum Verkauf.

Die deutsche UniCredit-Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB) hat die US-Bank Morgan Stanley beauftragt, strategische Optionen für ihre börsennotierte Online-Sparte DAB Bank zu prüfen, wie mit der Sache vertraute Personen sagten. Zu den Optionen gehöre auch ein Verkauf der DAB, die aktuell eine Marktkapitalisierung von rund 346 Millionen Euro hat. Das Institut könnte aber auch bei der HVB verbleiben, hieß es.

DAB als Tür zum deutschen Markt

Die HVB mit Sitz in München unterzieht sich derzeit einer umfassenden Restrukturierung. Unter anderem wird das Filialnetz in den kommenden Jahren halbiert. Die Unicredit-Tochter, die derzeit noch rund 600 Zweigstellen betreibt, trägt damit dem veränderten Kundenverhalten Rechnung. Privat- und Geschäftskunden nutzen zunehmend das Online-Banking und kehren den traditionellen Filialen den Rücken. Die HVB hält 81 Prozent an der DAB Bank, die restlichen Anteile sind im Streubesitz. Eine Sprecherin der Bank wollte sich auf Anfrage nicht zu einem möglichen DAB-Verkauf äußern.

Bei der HVB käme der Verkauf der DAB zu einer Zeit, da der italienische Mutterkonzern UniCredit seinerseits einen Teil seiner erfolgreichen Onlinebank-Tochter Fineco verkaufen und sein Haus damit rechtzeitig vor dem anstehenden Gesundheitstest der Europäischen Zentralbank in Ordnung bringen will.

Die DAB Bank hat mit stagnierenden Gewinnen zu kämpfen und hinkt beim Kundenwachstum der Konkurrenz hinterher. Mit rund 620.000 Kundenkonten erzielte die Bank im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 12 Millionen Euro - das war ein Drittel weniger als im Jahr zuvor. Laut Bankern dürfte DAB ausländische Institute anziehen, die ihre Präsenz in Deutschland stärken wollen.

IKB-Mittelstandsgeschäft von Interesse

Der US-Finanzinvestor Lone Star Funds steht schon in den Startlöchern für den Verkaufsprozess der IKB Deutsche Industriebank AG, deren Fokus unter anderem auf Unternehmenskunden aus dem deutschen Mittelstand und dem Leasinggeschäft liegt. Lone Star erwarte bis Mitte April nichtbindende Angebote der Interessenten, war aus Kreisen zu hören war. Dabei könnten die möglichen Käufer Offerten für die ganze Bank oder auch für Teile vorlegen.

Das IKB-Geschäft mit Unternehmenskunden aus dem Mittelstand mit einem Kreditportfolio von zehn Milliarden Euro dürfte dabei die meisten Bieter anziehen, sagen Banker. Als Interessenten werden hier unter anderem Frankreichs BNP Paribas und Société Générale sowie die deutsche HSBC-Tochter HSBC Trinkaus gehandelt. Möglich seien auch Gebote von Spaniens Banco Santander und der General-Electric-Finanzparte GE Capital. Sprecher der IKB und der möglichen Bieter wollten sich dazu nicht äußern.

Die IKB war die erste deutsche Bank, die in der Finanzkrise im Sommer 2007 vom Staat gerettet werden musste. Deutschlands Regierung hat rund zehn Milliarden Euro in die Bank gesteckt, die wegen ihrer schief gegangenen Wetten auf dem US-Häusermarkt vor dem Zusammenbruch stand.

Nun aber verbuchte sie in den neun Monaten per Ende Dezember 2013 einen Nettogewinn von 39 Millionen Euro, nach nur 4 Millionen im Vorjahreszeitraum. Nach Einschätzung von Bankern dürfte Lone Star Vermögenswerte, die nicht verkauft werden können, behalten und im Laufe der Zeit abwickeln. Der Investor hält 91,5 Prozent an der IKB, die eine Marktkapitalisierung von fast 750 Millionen Euro hat. Die restlichen 8,5 Prozent sind im Streubesitz.

HRE-Töchter im Schaufenster

Die Münchener Hypo Real Estate (HRE) steht derweil kurz vor dem Verkauf ihrer irischen Tochter Depfa. Mit dem Deal, der mit rund 300 Millionen Euro bewertet werden könnte, schließt sie das Kapitel ihres verlustreichen Ausflugs in die Finanzierung von Regierungen und Gemeinden ab. Die HRE hatte fast zehn Milliarden Euro an frischem Kapital von der Bundesregierung erhalten, als sie Mitte 2008 kurz vor dem Zusammenbruch stand. Die Hilfen summierten sich insgesamt auf mehr als 100 Milliarden Euro.

Laut informierten Personen sollen der Investor Third Point und eine Investorengruppe um den Finanzinvestor Mead Park Management, die von dem ehemaligen Credit-Suisse- und UBS-CEO Oswald Gruebel beraten wird, möglicher Käufer sein. Ein HRE-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Die mutmaßlichen Bieter lehnten eine Stellungnahme ab oder waren nicht umgehend zu erreichen.

Ein Deal würde den Weg für den Verkauf der letzten verbliebenen HRE-Sparte, des Immobilienfinanzierers Deutsche Pfandbriefbank AG (pbb), freimachen. Die Bank hatte im vergangenen Jahr 160 Millionen Euro netto verdient und verwaltete 74,3 Milliarden Euro.

BayernLB stößt Ungarn-Tochter ab

Auch die BayernLB macht Fortschritte beim Verkauf ihrer ungarischen Tochter MKB. Demnach sind die Bayern in Verhandlungen mit Ungarns Bankenprimus OTP Bank, heißt es in Finanzkreisen. Ein Sprecher der Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Alle drei Verkäufe wurden von der Europäischen Kommission im Gegenzug für die staatlichen Rettungen durch die Bundesregierung angeordnet.

Ebenfalls zum Verkauf gestellt werden soll unter anderem die Portigon Financial Services AG, die Rechtsnachfolgerin der inzwischen von Markt verschwundenen Landesbank WestLB, und die FMS Wertmanagement Service GmbH.

Quelle: n-tv.de

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