Wirtschaft
"Bankia - Betrug", heißt es auf einem Protestbanner gegen Ex-Bankchef Rodrigo Rato.
"Bankia - Betrug", heißt es auf einem Protestbanner gegen Ex-Bankchef Rodrigo Rato.(Foto: REUTERS)

Aktionäre verlieren fast alles: Bankia ist wertlos

Die marode spanische Großsparkasse Bankia erhält in diesen Tagen Milliardensummen des ESM, um einen Kollaps zu vermeiden. Wie dramatisch es um die Vermögenslage beschert ist, zeigen Untersuchungen des lokalen Rettungsfonds. Demnach sind unterm Strich nur tiefrote Zahlen übrig. Das Nachsehen haben neben tausenden gefeuerter Angestellter auch viele Kleinaktionäre.

Hunderttausenden Kleinaktionären der angeschlagenen spanischen Sparkasse Bankia droht praktisch der Totalverlust ihres Einsatzes. Der spanische Bankenrettungsfonds FROB bezifferte den Firmenwert des Instituts auf minus 4,2 Mrd. Euro, seine Muttergesellschaft BFA ist sogar minus 10,4 Mrd. Euro wert. Spätestens am Freitag soll Bankia eine Kapitalspritze von 18 Mrd. Euro aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) bekommen, mit der die Bilanz wieder repariert wird.

Doch die Anteilseigner - darunter viele Kleinanleger, die beim Börsengang vor eineinhalb Jahren mit aggressiven Methoden gelockt wurden - profitieren davon nicht. Im Gegenteil: Ihre Aktien werden durch den folgenden Kapitalschnitt im Januar praktisch wertlos. Seit dem Börsengang haben die 350.000 Bankia-Aktionäre bereits 80 Prozent ihres Einsatzes verloren, wenn sie damals Aktien gezeichnet haben. "Werden wir uns bemühen, den Aktionären noch etwas zu lassen? Ja. Wie viel? Das kann man noch nicht sagen. Wird es sehr wenig sein? Sicher", sagte eine mit den Plänen vertraute Person. "Die Summe wird rein symbolisch sein." Noch werde mit der EU über die Ausgestaltung verhandelt.

Am Donnerstag rauschten die Bankia-Aktien um weitere 14,7 Prozent auf 58,5 Cent in die Tiefe. Doch nicht nur Aktien, auch Vorzugspapiere und nachrangige Anleihen wurden Kleinaktionären verkauft, und auch hier drohen ihnen massive Verluste. Enrique Marquez, ein 66-jähriger pensionierter Techniker, hat allein für 7000 Euro Stammaktien und für 70.000 Euro Vorzüge gekauft. "Der Bankangestellte hat mir zu den Aktien geraten. Er sagte, das sei interessant und auch die Mitarbeiter investierten. Mittelfristig könnte sich das sehr lohnen", sagte er. Er fühle sich doppelt betrogen, sein Vertrauen sei missbraucht worden. Die Zinsen auf die Vorzugspapiere hatten schon im Mai oder Juni aufgehört zu fließen.

Angestellte entlassen, Aktionäre ausgebootet

Bankia ist die größte der vier spanischen Banken, die mit Hilfe von 37 Mrd. Euro an EU-Mitteln gerettet werden sollen. Das Geld fließt zunächst an den FROB, der die Finanzspritze noch in diesem Jahr an die BFA weiterreicht. Technisch begibt Bankia dann zunächst Zwangswandelanleihen ("CoCo-Bonds"), die von der BFA gezeichnet werden. Darauf folgt eine Kapitalherabsetzung, die zu einer Wandlung der Anleihen in Bankia-Stammaktien führt. Damit werden die bisherigen Aktionäre massiv verwässert.

Bankia war aus dem Zusammenschluss von sieben Sparkassen 2010 entstanden. Im Zuge der Rettung müssen 6000 Beschäftigte allein bei Bankia gehen, mehr als ein Viertel der Belegschaft, Milliardensummen werden in eine "Bad Bank" ausgelagert. Die Bilanzsumme soll damit über fünf Jahre um 60 Prozent schrumpfen. Derzeit wäre Bankia mit zehn Prozent Marktanteil zu groß, um verkauft zu werden. "Die großen spanischen Banken hätten Mühe, etwas von dieser Größe zu schlucken", sagte ein Investmentbanker aus Madrid. Nun hoffen Banker, dass vielleicht 2017 eine Bank aus dem Ausland zuschlägt.

Die Anteilseigner von NCG Banco und Catalunya Banc werden de facto ebenfalls enteignet, die Banco de Valencia wird vom FROB direkt an die CaixaBank weitergereicht.

Quelle: n-tv.de

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