Wirtschaft
Marry Barra arbeitet 33 Jahren bei GM.
Marry Barra arbeitet 33 Jahren bei GM.

Erstmals Frau am Steuer: Barra soll General Motors führen

Ein Novum in der Automobilgeschichte. An der Spitze des Automobilkonzerns General Motors steht mit Mary Barra künftig eine Frau. Sie übernimmt die Führung in einer Phase der Neuorientierung.

Zum ersten Mal wird ein großer Autokonzern von einer Frau gelenkt. Die Opel-Mutter General Motors berief nur einen Tag nach dem endgültigen Ausstieg des Staates Mary Barra, die bisherige Chefin der Produktentwicklung, an die Spitze. Die 51-Jährige wird Nachfolgerin von Dan Akerson, der Mitte Januar den größten US-Autohersteller verlassen wird. Der 65-Jährige gibt die Führung damit einige Monate früher ab als eigentlich geplant, wie GM mitteilte.

Barra kann auf 33 Jahre Erfahrung bei GM zurückblicken. Derzeit ist sie für den Konzernumbau zuständig. Es sei eine aufregende Zeit, um an der Spitze von GM zu stehen, sagte die zweifache Mutter. Insgesamt wird die Auto-Branche von Männern dominiert, auch wenn es immer mehr Frauen in Vorstandspositionen gibt. BMW, Volkswagen und Daimler haben allesamt Männer an der Spitze.

Akerson hatte im September 2010 - kurz vor dem neuerlichen Börsengang des Unternehmens - die GM-Führung übernommen. Finanzchef Dan Ammann ist künftig auch für das internationale Geschäft verantwortlich. Der bisherige Nordamerika-Chef Mark Reuss wird Chef der Produktentwicklung.

Für die US-Regierung war die Rettung profitabel

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Erst vor kurzem hatte die US-Regierung ihre letzten Anteile an GM verkauft und bei der spektakulären Rettung insgesamt einen riesigen Verlust gemacht. "Dieses wichtige Kapitel der US-Geschichte ist nun geschlossen", sagte Finanzminister Jack Lew. Der Konzern, der mehr als 200.000 Mitarbeiter hat, bedankte sich für die zweite Chance, nachdem die Opel-Mutter 2009 in der Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmelden musste. Für die US-Regierung war die Hilfsaktion trotz des Verlusts ein gutes Geschäft: Denn mit der Rettung Hunderttausender Jobs konnten Steuereinnahmen gesichert werden, die die finanziellen Einbußen deutlich übertrafen.


Knapp 50 Milliarden Dollar kostete den US-amerikanischen Steuerzahler die GM-Hilfe vor vier Jahren. Durch Aktien-Verkäufe kamen insgesamt 39,5 Milliarden Dollar wieder in die Staatskasse. Die Regierung hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ihr vor allem um den Erhalt von Arbeitsplätzen ging - und nicht um einen finanziellen Gewinn. Gerettet wurden nicht nur die Jobs beim US-Branchenprimus, sondern auch bei Zulieferern und Dienstleistern von GM. Einer Studie des Center for Automotive Research zufolge haben die Hilfen aus Washington an die Autobauer insgesamt 1,5 Millionen Arbeitsplätze in den USA gesichert und damit rund 105 Milliarden Dollar Einnahmen über die Einkommensteuer und Beiträge in die Sozialversicherungen generiert.

Starke Konkurrenz fordert GM heraus

GM ist weltweit hinter Toyota und vor Volkswagen die Nummer zwei der Branche. Ohne die Rettung hätte sich die Lage für die Konkurrenz aus Japan und Deutschland deutlich verbessert. VW will in den nächsten Jahren die Spitze übernehmen. Diesen Angriff muss GM unter neuer Führung nun abwehren.

Lange war der Konzern ein Symbol für die Stärke der US-Industrie, das Image hat durch die Insolvenz aber Kratzer bekommen. Die Firma wurde wegen ihrer Abhängigkeit vom Staat immer wieder als "Government Motors" verspottet. Diesen Makel könne das Unternehmen nun hinter sich lassen, sagte Auto-Analyst Matthew Stover vom Wertpapierhändler Guggenheim Securities. Mittlerweile ist GM - trotz roter Zahlen in Europa - insgesamt wieder profitabel. In den ersten neun Monaten 2013 wurde ein Gewinn von 4,3 Milliarden Dollar eingefahren. Vor allem auf dem Heimatmarkt war die Nachfrage so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Mit dem Ausstieg der Regierung können nun auch die Aktionäre auf Besserung hoffen. Erstmals seit dem Börsengang im November 2010 ist es GM wieder erlaubt, Dividenden zu zahlen. Am Dienstag lag die Aktie leicht im Minus.

Quelle: n-tv.de

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