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Milliardendeal in Pharmabranche: Bayer kauft Sparte von Merck & Co

Es ist der zweitgrößte Kauf der Unternehmensgeschichte: Für mehr als zehn Milliarden Euro übernimmt der Bayer-Konzern vom US-Konkurrenten Merck & Co die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten.

Der Chemie- und Pharma-Riese Bayer verleibt sich das Geschäft mit rezeptfreien Produkten des US-Konkurrenten Merck & Co ein. Dafür legen die Leverkusener nach eigenen Angaben insgesamt 14,2 Milliarden Dollar - umgerechnet 10,4 Milliarden Euro - auf den Tisch. Dem Kauf war ein harter Bieterwettstreit vorausgegangen. "Diese Akquisition ist ein bedeutender Meilenstein auf unserem Weg zur angestrebten globalen Marktführerschaft im attraktiven Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln", erklärte Bayer-Chef Marijn Dekkers.

Zudem schließen beide Unternehmen eine strategische Pharmakooperation im Bereich der Modulation von löslicher Guanylat-Zyklase (SGC) zur Entwicklung neuer neue Therapieansätze für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hierfür wird Bayer von Merck eine Vorauszahlung von einer Milliarde Dollar erhalten sowie erhebliche umsatzabhängige Meilensteinzahlungen. Damit werde "unsere Entwicklungsmöglichkeiten im Geschäftsfeld der Herz-Kreislauf-Therapien" gestärkt sagte Dekkers weiter.

Nach Schering-Deal zweitgrößter Kauf

Mit dem Zukauf kommt die neue Nummer zwei ihrem Ziel, weltweit Marktführer im Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten zu werden, einen großen Schritt näher. In Nord- und Lateinamerika werde dies nun bereits erreicht. Zudem nimmt Das Unternehmen nach eigenen Angaben weltweite Spitzenpositionen in wichtigen Medikamenten-Kategorien ein.

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Für den Aspirin-Hersteller ist es die zweitgrößte Übernahme. Mehr für ein anderes Unternehmen hat Bayer bislang nur 2006 beim Kauf des Berliner Medikamentenherstellers Schering für fast 17 Milliarden Euro ausgegeben.

Die Leverkusener erlösten im vergangenen Jahr in dem Segment 3,9 Milliarden Euro mit Präparaten wie Aspirin, Alka Seltzer und dem Magenmittel Rennie. Zu der Merck-Sparte gehören unter anderem Dr. Scholl's-Fußpflegeprodukte, Coppertone-Sonnencremes und das Allergiemittel Claritin. Merck hatte mit den frei verkäuflichen Produkten 2013 rund 1,9 Milliarden Dollar Umsatz eingefahren.

Markt ist etwa 200 Milliarden Dollar schwer

Rezeptfreie Arzneien wie Husten-Pastillen und Schnupfenmittel werfen zwar oft weniger Rendite ab als verschreibungspflichtige Medikamente für schwere Krankheiten. Dafür gilt das Geschäft als weniger risikoreich - und es liefert stabile Einnahmen. Weltweit werden mit diesen Präparaten und Gesundheitsprodukten etwa 200 Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt.

Bayer rechnet ab dem ersten Jahr nach dem Vollzug mit signifikanten Steuereinsparungen. Darüber hinaus erwartet der Konzern erhebliche Kostensynergien, etwa bei Marketingaufwendungen und Herstellungskosten, in der Größenordnung von 200 Millionen US-Dollar ab 2017.

Finanzierung über Kredit und Anleihe

Zudem sollen die erhöhte Vertriebskraft und die Nutzung der globalen Infrastruktur von Bayer dabei helfen, die von Merck erworbenen Marken in Schlüsselländern außerhalb der USA einzuführen und so 2017 bereits zu Umsatzsynergien in Höhe von etwa 400 Millionen US-Dollar führen. Die Einmalkosten im Zusammenhang mit der Transaktion und der Zusammenführung der Geschäfte setzt Bayer mit insgesamt etwa einer halben Milliarde US-Dollar vornehmlich in diesem und im kommenden Jahran.

Bayer will die Akquisition mit einem Brückenkredit zwischenfinanzieren, der von der Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas und Mizuho bereitgestellt wird. Bei der späteren Ausfinanzierung am Kapitalmarkt ist die Begebung von vor- und nachrangigen Anleihen geplant. Der Kauf soll bereits im ersten Jahr nach Vollzug einen sofortigen positiven Beitrag von zwei Prozent zum bereinigten Konzernergebnis je Aktie leisten. Die Transaktion ist noch von den zuständigen Kartellbehörden freizugeben und soll im zweiten Halbjahr 2014 abgeschlossen werden.

Bayer hatte bereits 2004, noch unter Dekkers' Vorgänger Werner Wenning, sein Geschäft mit verschreibungsfreien Präparaten mit dem Kauf der enstprechenden Sparte des Schweizer Pharmariesen Roche gestärkt

Quelle: n-tv.de

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