Wirtschaft
Die drohende Tarifeinheit weckt Kämpfernaturen: "Die Streikrhetorik verlangt nach Steigerung", sagt Willi Russ (r., Archivbild).
Die drohende Tarifeinheit weckt Kämpfernaturen: "Die Streikrhetorik verlangt nach Steigerung", sagt Willi Russ (r., Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Bisherige Streiks nur "Kinderkram"?: Beamtenbund droht der Bahn

Für die Lokführer ist der Beamtenbund Halt und Stütze. Als Dachorganisation finanzieren die Beamten den Streik der Gewerkschaft GDL. Jetzt mischen sie sich offen in den Tarifstreit ein. DBB-Vize Russ erwägt einen der "schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten".

Der Beamtenbund hat der Deutschen Bahn mit "einem der schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten" gedroht. Der Konzern solle der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bis zum 17. Dezember ein Angebot "ohne Vorbedingungen" unterbreiten, verlangte der Zweite Vorsitzende des Beamtenbunds (DBB), Willi Russ im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Der Beamtenbund ist noch aus alten Zeiten vor der großen Bahnreform die Dachorganisation, der die GDL angehört. Er verwaltet die Streikkasse, aus der die Lokführer ihre Arbeitskämpfe finanzieren. Russ sagte, künftige Streiks würden nicht am Geld scheitern. "Die Streikrhetorik verlangt nach Steigerung."

Auf was sich Reisende, Bahn-Konzern und deutsche Wirtschaft dann einstellen können, schilderte Russ mit offenen Worten: "Im Vergleich zu dem, was uns dann bei der Bahn bevorstehen wird, war alles Bisherige nur Kinderkram."

"Da wackelt keiner"

Seit das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Tarifeinheit verabschiedet hat, fühlten sich kleine, aber mächtige Berufsgewerkschaften in ihrer Existenz bedroht, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Sie befürchten demnach, künftig keine Tarifverträge mehr aushandeln und eigene Streikmaßnahmen zur Durchsetzung ansetzen zu dürfen. "Das schweißt alle Gewerkschaften im Beamtenbund zusammen", sagte Russ, "da wackelt keiner einen Millimeter."

Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Bahn wollen sich alle Seiten an diesem Freitag wieder zu neuen Verhandlungen treffen. Diesmal geht es um die rund 100.000 Mitglieder der mit der GDL konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. In der mittlerweile vierten Runde hat die EVG vom Unternehmen ein "ordentliches Angebot" angemahnt.

Kein Streik an Weihnachten

Die GDL hatte zuvor angekündigt, bis zum 11. Januar auf Streiks zu verzichten. Auf die Frage, ob die Gewerkschaft die Bahnkunden künftig nicht etwas mehr schonen könne, antwortete Russ zunächst: "Wenn Lokführer und Zugbegleiter streiken, treffen sie zwangsläufig die Kunden."

Russ zeigte sich anschließend aber offen für die Erwägung, auf Streiks im Nahverkehr zu verzichten – dort besteht ein Großteil der Einnahmen aus vorab bezahlten Monatskarten, der Streik träfe also weniger die Bahn als die Kunden. "Okay. Nehm’ ich mal mit und geb’ das weiter", sagte Russ.

Quelle: n-tv.de

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