Dresdner-ÜbernahmeBei Commerzbank brodelt's
Die Commerzbank hat es nach wie vor mit wütenden Aktionären zu tun - die Hauptversammlung am 19. Mai könnte eine turbulente werden. Streitpunkt ist nach wie vor die Übernahme der Dresdner Bank durch die zweitgrößte deutsche Privatbank.
Der Commerzbank droht erneut eine turbulente Hauptversammlung. Noch immer sind viele Aktionäre sauer, dass der Vorstand mitten in der Finanzkrise die angeschlagene Dresdner Bank ohne ihre Zustimmung kaufte und dem Dax-Konzern damit erheblich Lasten aufbürdete.
Der Vorstand seinerseits wird bei dem Aktionärstreffen am 19. Mai in Frankfurt den Blick eher nach vorne richten wollen. Bei der vom Staat gestützten Bank wächst der Optimismus, nachdem im ersten Quartal 2010 erstmals seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben wurden und auch der April gut lief. Auch bei der Integration der Dresdner Bank sieht sich das Management um Vorstandschef Martin Blessing bestens im Plan.
Etliche Aktionäre, die derzeit auf eine Dividende verzichten müssen, sind anderer Meinung. Sie wollen wie im Vorjahr versuchen, eine Sonderprüfung des Dresdner-Kaufs durchzusetzen. Der Deal war Ende August 2008 eingefädelt worden - unmittelbar bevor die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Finanzwelt schockte.
Auch Allianz im Fokus
Nach Ansicht von Aktionären hat das Commerzbank-Management "die Gesellschaft massiv geschädigt, angesichts der Entwicklung der Aktienkurse weiteres Vertrauen am Kapitalmarkt verloren und die Aktionäre der Gesellschaft insbesondere über die Risiken und Kosten der Übernahme der Dresdner Bank falsch informiert". Daher müsse allen Vorständen das Vertrauen entzogen werden.
Auch die einstige Dresdner-Mutter Allianz soll nicht ungeschoren davonkommen: Gefordert wird, Ex-Allianz-Vorstand Helmut Perlet aus dem Commerzbank-Aufsichtsrat abzuberufen. Dem Versicherungskonzern wird vorgehalten, der Commerzbank die Dresdner mit allen Risiken untergejubelt zu haben.
Im vergangenen Jahr hatte die Hauptversammlung erst nach zweitägiger Debatte und teils harscher Kritik den Einstieg des Staates als Großaktionär gebilligt. Der Bund stützt die Commerzbank über den Bankenrettungsfonds SoFFin mit 18,2 Milliarden Euro Kapital - auch um die Dresdner-Übernahme abzusichern. Im Gegenzug wurde der Staat mit 25 Prozent plus eine Aktie größter Einzelaktionär der Commerzbank.
Unterdessen will die Bundesregierung höhere Vorstandsgehälter und Boni bei der Commerzbank verhindern. Das Bundesfinanzministerium bestätigte einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht.