Wirtschaft
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"Ich habe immer das Beste gewollt": Berggruen will wieder mehr Philanthrop sein

Gut vier Jahre nach dem Einstieg des Investors Berggruen ist die Kaufhauskette Karstadt noch immer tief in der Krise. Zum Ende seiner Ära im Unternehmen sucht er Gründe für sein Scheitern. Man sei zu weich gewesen - gezwungenermaßen.

Der Investor Nicolas Berggruen geht nach seinem gescheiterten Engagement bei der Kaufhauskette Karstadt mit Politik und Gewerkschaften hart ins Gericht. Man habe das Unternehmen "mit sehr vielen Zusagen und Bedingungen übernommen. Die haben dazu geführt, dass wir am Ende nicht viel ändern konnten und - und den Turnaround nicht geschafft haben", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Als Beispiele nannte er den Verzicht auf Standortschließungen und Entlassungen. "Aber das hat uns ab 2013 in eine sehr schwierige Situation gebracht." So sei jede eingeforderte strukturelle Änderung auf Widerstand gestoßen. Rückblickend sprach er nun von einem Fehler, "dass wir nicht frühzeitiger und entschiedener vorgegangen sind und im Grunde notwendige Einschnitte vermieden haben".

Zugleich zeigte sich Berggruen aber überzeugt, dass "Karstadt lebt" und weiterhin eine Chance habe. Allerdings werde auch der neue Eigentümer - der österreichische Immobilieninvestor René Benko - nicht um Einschnitte umhin kommen.

Zweifel an Kaufhaus-Dichte

Als weitere Gründe für das Scheitern nannte er einen aus seiner Sicht wenig flexiblen Arbeitsmarkt sowie eine fehlende Neugier der Kunden auf neue Produkte. Alles in allem sei "Deutschland ein sehr spezieller Markt", sagte er. Dies sei auch dem ersten Manager Andrew Jennings zum Verhängnis geworden. Dieser habe "in der Tat nicht genug über Deutschland" gewusst. Zudem habe man erst spät gesehen, "welch hohen Modernisierungsbedarf Karstadt in fast allen Bereichen hatte".

Daneben verteidigte Berggruen seine Investitionspolitik. Das Geld sei nicht das Problem des Unternehmens gewesen. "Mehr Geld von mir hätte deshalb auch nichts geändert", sagte er weiter. Vielmehr seien die Probleme struktureller Natur gewesen. Am Ende sei Karstadt "keine finanzieller Erfolg für mich" gewesen. Inzwischen bezweifele er, dass beinahe jede deutsche Stadt ein Warenhaus brauche.

Weiteren Engagements in Deutschland erteilte er indirekt eine Absage. Sollte er aktiv erden, "dann sicher vor allem im Bereich der Philanthropie".

Quelle: n-tv.de

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