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Auf den Konten von Unister hat der Insolvenzverwalter gerade noch einmal 3904,13 Euro gefunden.
Auf den Konten von Unister hat der Insolvenzverwalter gerade noch einmal 3904,13 Euro gefunden.(Foto: imago/Christian Grube)

Schon 2015 zum Teil zahlungsunfähig: Bericht: Unister hatte noch 3904,13 Euro

In einem Gutachten berichtet der Insolvenzverwalter, wie der Internetkonzern Unister in die Pleite schlitterte. Demzufolge hatten die Chefs den Überblick über ihr wachsendes Firmengeflecht verloren. Dabei läuft das Kerngeschäft derzeit gar nicht schlecht.

Teile des seit Mitte 2016 insolventen Internet-Konzerns Unister sind offenbar schon 2015 zahlungsunfähig gewesen. Darauf deutet nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR ein Bericht hin, den Insolvenzverwalter Lucas Flöther beim Amtsgericht Leipzig eingereicht hat. In dem Gutachten übt Flöther demnach schwere Kritik an der mangelhaften Buchhaltung in dem Konzern, die ihm eine Übersicht über die finanzielle Lage bis heute stark erschwerten. Auf allen Konten des Unternehmens fand Flöther eignen Angaben zufolge gerade noch 3904,13 Euro liquide Mittel.

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In dem Insolvenzgutachten steht demnach, es sei "nicht auszuschließen, dass einzelne Gesellschaften des Unister-Konzerns bereits seit dem Jahr 2015 zahlungsunfähig sind". Gegen den vormaligen Chef Thomas Wagner "könnten gegebenenfalls Ansprüche wegen verspäteter Insolvenz-Antragstellung bestanden haben", heiße es weiter. "Herr Wagner ist jedoch im Juli 2016 verstorben."

Wagner, Gründer und Chef von Unister, war Mitte Juli bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen. Er hatte zuvor in Italien vergeblich versucht, frisches Geld aufzutreiben, und war dabei auf einen mutmaßlichen Betrüger hereingefallen. Nach seinem Tod meldeten die Konzernholding und mehrere Tochterfirmen Insolvenz an.

Wagner hatte den Konzern mit seinen zahlreichen Geschäftsfeldern von Reise-Vermittlungen über eine Immobilien-Agentur bis hin zur Partnersuche aufgebaut. Portale wie "fluege.de" und "ab-in-den-urlaub.de" lockten Millionen Kunden an. Dennoch häufte das Unternehmen einen riesigen Schuldenberg an. In dem Gutachten heißt es, bereits im September 2015 sei aus der Sicht einer Reihe damaliger Führungskräfte "eine Finanzierung des operativen Geschäftsbetriebs nicht mehr möglich" gewesen.

Einige Geschäfte wurden gar nicht mehr verbucht

Der Schuldenstand des Konzerns beträgt laut Insolvenz-Gutachten heute knapp 58 Millionen Euro, bei einem Vermögen von nicht einmal 14 Millionen Euro. Das ergibt eine Überschuldung in Höhe von 44 Millionen Euro. Aus Sicht von Flöther hat eine "Verkettung mehrerer größtenteils vom Unternehmen selbst verursachter Umstände" in die Pleite geführt.

Als wesentlichen Auslöser nennt der Insolvenzverwalter eine mit Fremdkapital finanzierte "progressive Wachstumspolitik"; darunter eine ständige Ausweitung der Geschäfte auch mit der Übernahme weiterer Firmen wie Indigo Reisen. Die Strukturen des Konzerns hätten mit dessen Expansion nicht Schritt gehalten; insbesondere bei Planung, Buchhaltung und Controlling.

Die Holding hatte ihren Tochterfirmen zuletzt mehr als 25 Darlehen in Höhe von insgesamt mehr als 82 Millionen Euro gewährt. Außerdem leistete Unister für die Töchter interne, bislang nicht bezahlte Dienste im Wert von knapp 55 Millionen Euro. Manchmal hätten einzelne Unister-Firmen Rechnungen ganz anderer Konzernteile gezahlt, schreibt Flöther. Seit Anfang 2016 seien die Geschäfte innerhalb des Konzerns gar nicht mehr verbucht worden seien.

Flöther hofft, große Teile des Unternehmens aus der Insolvenz retten zu können. Mehrere Investoren haben bereits Kaufangebote abgegeben. Das Tagesgeschäft mit Reisebuchungen läuft Berichten zufolge immer noch gut. Die Unister-Gruppe hat derzeit mehr als 1000 Beschäftigte. Flöther hat laut seinem Gutachten 150 Beschäftigten in Schlüsselpositionen "Motivationsprämien" angeboten, um diese Mitarbeiter zu halten und den Geschäftsbetrieb nicht zu gefährden. Einige hunderttausend Euro sind bereits ausgezahlt worden. Weitere Prämien sollen folgen.

Quelle: n-tv.de

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