Wirtschaft
Spielt für Börsianer den Weihnachtsmann: Ben Bernanke
Spielt für Börsianer den Weihnachtsmann: Ben Bernanke(Foto: REUTERS)

Weihnachtsgeschenk für mehrere Jahre: Bernanke überrascht die Börsen

Von Daniel Saurenz

Dieser Coup ist ihm gelungen: US-Notenbankchef Bernanke leitet das Ende der Krisenpolitik ein, ohne den Börsianern das billige Geld ganz wegzunehmen. Die Notenpresse wird nur symbolisch gebremst - da werden die Anleger weiter Gas geben.

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Wenn US-Notenbankchef Ben Bernanke Anfang 2014 zu seiner Verabschiedung vorfährt, wird er vermutlich keinem Sportwagen entsteigen, sondern einer soliden Limousine. Geldpolitisch hat er in den vergangenen Jahren jedoch Vollgas gegeben und daran ändert auch die Ankündigung eines leichten "Tapering" kurz vor Weihnachten nichts. Er stellt seiner Nachfolgerin Janet Yellen bildlich gesprochen weiterhin einen flotten Renner zur Verfügung, hat nur ganz kurz einmal vom sechsten in den fünften Gang zurückgeschaltet – im Gegenzug aber einen siebten Gang eingebaut. Denn während die Anleihenkäufe um eigentlich kümmerliche 10 Milliarden Dollar zurückgefahren werden, hält man sich die Hintertür auf, sie jederzeit wieder erhöhen oder gar ausbauen zu können. Zusätzlich sollen die Zinsen nun nicht an eine fixe Quote bei den Arbeitsmarktdaten gekoppelt werden, man will flexibel bleiben. Aus diesem Grund feiern die Märkte ein schönes und keinesfalls hässliches Weihnachtsgeschenk. Denn das Präsent für 2014 und womöglich 2015 gab es gleich oben drauf – das Ende der Niedrigzinsära ist eher verschoben als eingeleitet.

So erklärt sich auch der Kurssprung bei Dow Jones und mit Verzögerung beim Dax. Denn die Fed hat zwar gestern angekündigt, dass das Anleihenkaufprogramm monatlich gekürzt wird. Allerdings hat der scheidende Fed-Chef Bernanke auch betont, dass die Leitzinsen "besonders niedrig" bleiben werden, lange nachdem die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6,5 Prozent gefallen ist, vor allem, wenn die Inflation weiter deutlich unter dem von der Fed angestrebten Ziel von 2,5 Prozent liegt. Das bedeutet keine Verschärfung, sondern vielmehr eine weitere Lockerung der Geldpolitik, denn bislang wollte die Fed mit den Zinserhöhungen starten, wenn die Arbeitslosenquote diese Marke erreicht hat.

Eine Verschärfung der Geldpolitik ist damit in noch weitere Ferne gerückt. Denn die Kernrate bei der Inflation, also die um die Nahrungsmittel und Energiepreise bereinigte Inflation, lag zuletzt bei lediglich 1,1 Prozent. Und Bernanke hat nun deutlich gemacht, dass die Fed alles in ihrer Macht stehende tun wird, um für eine höhere Inflation zu sorgen. Derzeit erwartet die Mehrheit des Offenmarktausschusses, dass die Inflation bis Ende 2015 unter der Marke von zwei Prozent liegen wird. Und wenn die Fed beim Anheizen der Inflation nicht erfolgreich ist, kann die Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm jederzeit wieder aufstocken.

Vom Ende der Niedrigzinsära zu sprechen, ist somit völlig fehl am Platz, neben einer symbolischen Geste bleibt die Fed offensiv und kann auch gar nicht anders. Denn alle Marktteilnehmer wissen, dass eine schnelle Wende in der Geldpolitik die Konjunktur abwürgen und die Finanzmärkte erschüttern würde. Dies will niemand und dieses Experiment wird auch Janet Yellen nicht wagen. Deshalb spricht weiter allein schon mangels Alternativen vieles für Aktien und eine kleine Silvesterrally ist durchaus möglich.

Quelle: n-tv.de

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