Wirtschaft
Händler an der Wall Street.
Händler an der Wall Street.(Foto: AP)

Lockere Geldpolitik soll weniger locker werden: Bernanke verdirbt Anlegern den Tag

Mit deutlichen Worten sorgt US-Notenbankchef Bernanke für fallende Kurse: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Zentralbank den geldpolitischen Kurs verschärfen wird. Sogar eine Zinserhöhung steht plötzlich im Raum. Für Anleger sind das keine guten Nachrichten.

An den Börsen gibt es derzeit im Grunde nur ein Thema: Die sich abzeichnende Straffung der Geldpolitik in den USA. Weltweit gehen die Aktienmärkte auf Talfahrt, der Goldpreis rutscht kräftig nach unten. Der Dax fällt unter die Marke von 8000 Punkten.

Denn US-Notenbankchef Ben Bernanke machte am Vorabend recht unverblümt deutlich, dass die Fed ihren extrem laxen geldpoltischen Kurs wohl noch in diesem Jahr bremsen und die milliardenschweren monatlichen Anleihekäufe im kommenden Jahr beenden wird.

Über Monate hatte die Geldschwemme der Notenbanken weltweit die Börsen nach oben getrieben. Viele Anleger nutzten das billige Geld für Investments in Aktien. Bis Ende Mai waren Dax, Dow und Nikkei von einem Höchststand zum nächsten geeilt. Als dann die Hinweise auf eine Drosselung der Anleihenkäufe einsetzten, schmolzen die Gewinne zusammen. Die Fed kauft derzeit monatlich für 85 Mrd. Dollar Staats- und Immobilienpapiere und pumpt damit riesige Summen in das Finanzsystem – in der Hoffnung, dass Banken mehr Kredite vergeben und so die Investitionen ankurbeln und damit die Konjunktur ankurbeln.

Arbeitsmarkt im Fokus

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Entscheidend dafür, ob die Fed ihren Anleihekauf beendet, ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Und Bernanke rechtet nunmehr damit, dass der von der Fed gesetzte Schwellenwert einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent bereits im kommenden Jahr erreicht werden könnte. Dann ist es sogar möglich, dass die Notenbank erstmals seit Beginn der Krise den Leitzins erhöhen wird, der derzeit nahe null liegt.

Damit zeichnet sich ab, dass die Fed ihre Wertpapierankaufprogramm bald drosseln wird. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass der Anfang vom Ausstieg im Oktober beginnt. Eine abruptes Ende erwarten sie nicht.

Denn Gründe, weiterhin lockere Geldpolitik zu betreiben, hat die Fed genug. Zunächst liegt die Arbeitslosenquote mit 7,6 Prozent noch deutlich entfernt vom Zielwert der Notenbank. Und außerdem bleibt das Wirtschaftswachstum womöglich hinter den Prognosen der Fed zurück: Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass das Wachstum an Dynamik verloren hat und das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr lediglich um 1,9 Prozent zulegen wird. Die Fed sagt dagegen ein Plus von 2,6 Prozent voraus.

Für das kommende Jahr senkte der IWF seine Prognose von plus 3,0 auf 2,7 Prozent. Der Fonds empfiehlt der Notenbank Fed deshalb, die großangelegten Käufe bis mindestens Ende des Jahres fortzusetzen. Obwohl die Geldflut neue Probleme schaffen könne, sei der Nutzen des Programms für die Wirtschaft höher als die Kosten.

Nervöse Märkte

Das wird die Fed wohl ähnlich sehen. Die Notenbank hat sich allerdings entschieden, die Märkte auf eine Rückkehr zur Normalität vorzubereiten. Dabei muss Bernanke viel Geschick beweisen, um einen massiven Kursrutsch an den Börsen zu verhindern. Die Investoren wissen zwar, dass die Fed ihren Kurs bald ändern muss. Doch wenn es nach ihnen ginge, würde die Notenbank diese Schritte erst in ferner Zukunft unternehmen.

Wie vorsichtig Bernanke sein muss, zeigt sich an der nervösen Reaktion der Märkte auf seine jüngsten Äußerungen in Sachen Zinswende. "Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat", sagte Yuji Saito von der Credit Agricole. Weltweit tendierten die Börsen im Minus, der Goldpreis fiel auf den tiefsten Stand seit September 2010.

Das Ende der von ihm eingeleiteten lockeren Geldpolitik wird Bernanke aller Voraussicht nach nicht als Notenbankchef erleben: Denn seine Amtszeit läuft Ende Januar nächsten Jahres aus. Die Anzeichen, dass er dann auch ausscheidet, hatten sich zuletzt verdichtet.

Quelle: n-tv.de

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