Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Eine Frage des Vertrauens: Bitcoin erfreut Spekulanten

Von Jan Gänger

Wer Bitcoins hat, kann sich derzeit über satte Gewinne freuen. Für Anhänger der virtuellen Währung ist der fulminante Kursanstieg ein Beweis ihres grandiosen Erfolgs. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Irgendwann platzt jede Spekulationsblase – wie die Finanzkrise eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Das sollte Bitcoin-Besitzern zu denken geben, denn im Grunde handelt es sich bei der virtuellen Währung um eine riskante Wette. Oder wie es das zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, ausdrückt: "Aufgrund ihrer Konstruktion und wegen der großen Volatilität sind Bitcoins hochspekulativ."

Fiatgeld

Als Fiatgeld bezeichnet man Objekte ohne inneren, sogenannten intrinsischen Wert, die als Tauschmittel dienen. Das Gegenteil von Fiatgeld ist Warengeld, das zum Beispiel als Gold, Silber, Perlen oder Tabak neben dem äußeren Tauschwert auch einen intrinsischen Wert hat. Alle großen Währungen, ob Euro, Dollar, Yen oder Pfund, sind Fiatgeld. Sie werden von den Zentralbanken praktisch aus dem Nichts geschaffen.

Das sehen die Bitcoin-Anhänger allerdings anders. Für sie sind die Warnungen der französischen und der chinesischen Notenbank sowie der Europäischen Bankenaufsicht vorhersehbar. Denn in ihrer Sichtweise gefährdet Bitcoin das Establishment, das nun zurückschlägt.

Im Gegensatz zu den offiziellen Währungen wie Euro und Dollar steht hinter den Bitcoins keine Zentralbank. Vielmehr wird das Cyber-Geld von Nutzern selbst an leistungsstarken Rechnern produziert. Die Geldmenge ist begrenzt, irgendwann soll es maximal 21 Millionen Bitcoins geben, die für Zahlungen gestückelt werden können. Im Prinzip sind Bitcoins damit Goldkörner, die mit einer Seriennummer versehen sind.

Was ist ein Bitcoin wert?

(Foto: www.bitcoin.de)

Dieses Geld kann in teilnehmenden Läden zum Einkaufen verwendet werden. Der Kurs ergibt sich aus Angebot und Nachfrage an unregulierten Tauschbörsen. Und im vergangenen Jahr ist die Nachfrage regelrecht explodiert: Am Beginn des letzten Jahres stand ein Bitcoin bei rund 20 Dollar, im Dezember erreichte er zwischenzeitlich 1200 Dollar. Zwischendurch brach der Kurs immer wieder ein, nur um sich kurz darauf wieder rasant zu erholen. Derzeit kostet ein Bitcoin knapp über 1000 Dollar.

Es ist keine gewagte These, dass hier der Hype den Hype nährt und der Kurs deshalb durch die Decke geht. Doch während Ökonomen deshalb vor einer Spekulationsblase warnen, sehen das Bitcoiner ganz anders. Für sie ist der Kursanstieg ein Ausdruck für den Erfolg der virtuellen Währung. Doch der Sinn einer Währung ist nicht, ihren Besitzer reich zu machen. Geld soll ermöglichen, dass jederzeit alle Güter gekauft und verkauft werden können. Diese volkswirtschaftliche Funktion ermöglicht das von Regierungen gedeckte Papiergeld hervorragend – und Bitcoins nicht. Denn niemand weiß, ob ein Bitcoin morgen 10 Dollar, 1000 Dollar oder gar nichts wert ist.

Das sei doch bei Dollar und Euro nichts anders, behaupten Bitcoiner. Sie sind davon überzeugt, dass die ultra-lockere Geldpolitik der großen Notenbanken letztlich dazu führt, Dollar und Euro zu entwerten und die Bevölkerung damit mehr oder weniger absichtlich zu enteignen.

Dabei spielt keine Rolle, dass von der seit Jahren beschworenen Hyperinflation weder in den USA noch in der Eurozone etwas zu sehen ist. Stattdessen gefallen sich viele Anhänger von Bitcoin offenbar in der Pose des Mahners, der die wahren Zusammenhänge erkennt und Notenbanken und Regierungen mit Verachtung straft. Die lockere Geldpolitik ist für sie nicht die nötige Reaktion auf eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, sondern der Ausdruck völliger Verantwortungslosigkeit. Die Vorstellung, dass Regierungen in einer Demokratie das Schicksal der Bevölkerung nicht egal ist, klingt in ihre Ohren naiv. Es ist bemerkenswert, wie wenig Vertrauen staatlichen Institutionen entgegengebracht wird und wie groß zugleich das Vertrauen in virtuelles Geld ist.

Bitcoins sind deshalb offensichtlich hervorragend geeignet, um damit zu spekulieren. Ein Ersatz für Papiergeld sind sie nicht.

Quelle: n-tv.de

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