Wirtschaft
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Trotz Milliardenverlust und Umsatzeinbruch: Anleger feiern Blackberry-Neuanfang

Abschreibungen in Milliardenhöhe drücken den kanadischen Smartphone-Pionier Blackberry im dritten Geschäftsquartal tief in die Verlustzone. Netto fällt das Minus fast vier mal stärker aus als der Umsatz. Die Geschäfte brechen massiv ein. Der Aktienkurs macht das Gegenteil.

Blackberry macht sich fit für eine bessere Zukunft, für das abgelaufene Quartal vermeldet der kanadische Smartphone-Pionier daher Horrorzahlen. Der Verlust übertrifft den Umsatz um das Mehrfache. Die Anleger reagieren positiv, der Kurs sprang um rund 15 Prozent an.

Im dritten Geschäftsquartal brach der Erlös im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 56 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar ein. Dabei fiel im fortgeführten Geschäft ohne Sonderposten ein Verlust von 354 Millionen Dollar an. Unter dem Strich stand sogar ein Minus von 4,4 Milliarden Dollar. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen noch einen kleinen Gewinn von 14 Millionen Dollar verbuchen können.

Barmittelbestand steigt

Hauptgrund für den hohen Nettoverlust waren die massiven Abschreibungen in Höhe von 4,6 Milliarden Dollar, die der Smartphone-Pionier unter anderem auf seine Vermögensgegenstände und Lagerbeständen vornehmen musste. Je Aktie betrug der Verlust 8,37 Dollar. Die Bruttomarge lag bei minus 106 Prozent nach plus 30,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Barmittelbestand stieg zum Ende des Quartals auf 3,2 Milliarden Dollar. Drei Monate zuvor waren es noch 2,6 Milliarden Dollar.

Erst kürzlich hatte Blackberry eine strategische Kehrwende eingeleitet und beschlossen, sich doch nicht mehr selbst zur Übernahme anzubieten, sondern eigenständig wieder auf die Beine kommen zu wollen. Mit dem Versuch, sich selbst zu verkaufen, war der kanadische Konzern zuvor komplett gescheitert. Zeitweise war sogar der Online-Werbevermarkter Facebook als möglicher Retter im Gespräch. Der deutsche Chef Thorsten Heins musste seinen Hut nehmen, weitere Manager wurden ausgetauscht. John Chen übernahm kommissarisch die Leitung des Konzerns.

Asien-Strategie mit Foxconn

Statt der angestrebten Übernahme stieg ein Finanzinvestor bei Blackberry ein. Jetzt gibt es neue Hoffnung. Auf der Suche nach weiterer Unterstützung konnte Blackberry schließlich in China einen starken Partner ausfindig machen: Die Kanadier holen für ihren wirtschaftlichen Comeback-Versuch den Apple-Lieferanten Foxconn ins Boot. Beide Unternehmen vereinbarten eine fünfjährige Partnerschaft.

Der Grund für den Niedergang des einstigen Technologievorreiters Blackberry liegt Beobachtern zufolge in den starken Umwälzungen am Markt, der veränderten Kundennachfrage und der mächtigen Konkurrenz durch marktbeherrschende Konzerne wie Samsung aus Südkorea oder Apple aus Kalifornien. Viele einstige Kunden seien auf iPhones, Android- oder Windows-Smartphones umgestiegen, heißt es in der Branche.

Selbst in Asien, wo Indonesien bereits sei längerem als größter Wachstumsmarkt gilt, halbierte sich der Umsatz. Genau hier wollen Chinesen und Kanadier nun gemeinsam anstetzen. Zusammen mit Foxconn will Blackberry neue, speziell auf die Bedürfnisse in den asiatischen Märkten zugeschnittene Geräte entwickeln und herstellen. Zuerst soll ein Smartphone für Indonesien und andere schnell wachsende Märkte produziert werden.

Quelle: n-tv.de

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