Wirtschaft
1999 wurde das 100millionste Autoradio bei Blaupunkt gefertigt. Zur Feier des Erfolgs gab es eine vergoldete Version.
1999 wurde das 100millionste Autoradio bei Blaupunkt gefertigt. Zur Feier des Erfolgs gab es eine vergoldete Version.(Foto: picture-alliance / dpa)

Licht aus in Hildesheim: Blaupunkt entlässt letzte Mitarbeiter

Am Ende arbeiten noch gut 30 Mitarbeiter für das Einstieg Autoradio-Imperium Blaupunkt. Mit dem Namen sind Pionierleistungen der Branche verbunden. Nach etlichen Insolvenzen endet in Hildesheim nun ein Stück Unternehmensgeschichte.

Die Keimzelle des einstigen Autoradio-Imperiums Blaupunkt in Hildesheim wird endgültig abgewickelt. Die letzten 33 Mitarbeiter einer am Standort verbliebenen Sparte erhalten "in Kürze" ihre Kündigungen, wie Insolvenzverwalter Rainer Eckert mitteilte. Der Erhalt der Jobs sei in letzter Sekunde gescheitert. Stattdessen gehe die Lizenz für das Blaupunkt-Einzelhandelsgeschäft in Europa an einen Investor, der nur noch den Lagerbestand übernehme, aber weder Mitarbeiter noch Standort. "Ich bedauere diese Entwicklung umso mehr, als eine Lösung zum Greifen nah war", sagte Eckert.

Ein Modell aus älteren Tagen.
Ein Modell aus älteren Tagen.(Foto: picture alliance / dpa)

Das nach dem Zweiten Weltkrieg von Berlin nach Hildesheim umgezogene Unternehmen mit dem blauen Punkt hatte über sechs Jahrzehnte zur schwäbischen Bosch-Gruppe gehört. Ende 2008 kam es zum Verkauf an einen Münchner Investor. Im vergangenen Herbst folgten Insolvenzen und der Versuch, die Unternehmensreste in Teilen zu sanieren. Der Auslöser für die Trennung von Bosch vor gut sieben Jahren hing auch mit dem digitalen Wandel im Auto zusammen. Erstausrüster-Radios für das direkte Geschäft mit den Autoherstellern entwickelten sich immer mehr zu komplexen Systemen. Sie sind mit anderen Elektroteilen vernetzt und haben nur noch wenig gemeinsam mit den klassischen Autoradios, die abgeschlossene Systeme im genormten Schacht waren. Teile von Blaupunkt leben aber fort, wenn auch künftig nicht mehr in Hildesheim.

Investor wollte gutes Dutzend Mitarbeiter behalten

Im Dezember verkaufte Eckerts Kollegin Stefanie Zulauf den Angaben zufolge Blaupunkts Engineering-Gesellschaft an den Unternehmer Razvan Olosu. Der hatte beim Nokia-Aus in Bochum bereits der Autosparte des Handyherstellers beim Überleben geholfen. Zuvor im November hatte der belgische Autozulieferer Premium Sound Solutions das industrielle Blaupunkt-Erstausrüstungsgeschäft gekauft, inklusive der Produktionsstätte in Malaysia. Zudem führen frühere ausländische Blaupunkt-Partner das außereuropäische Endkundengeschäft weiter.

Die IG Metall bedauerte die aktuelle Entwicklung. Betriebsratschef Siegfried Tölke sagte, dass für die restlichen 33 Kollegen ein Sozialplan ausgehandelt werden solle. Der älteste Mitarbeiter sei Anfang 60, der jüngste noch keine 30 Jahre alt. Die Kündigungen greifen zum 31. Mai. Laut Tölke hätte der alternative Investor, der am Ende trotz weit fortgeschrittener Verhandlungen doch nicht den Zuschlag erhielt, "12 bis 14" Mitarbeiter am Standort halten wollen.

Der Name Blaupunkt steht für Meilensteine im Auto: Vor gut 80 Jahren präsentierte der Blaupunkt-Vorgänger Ideal Europas erstes Autoradio. Der Schatz von damals, "Autosuper AS 5", war ein schwarzer Kasten, 15 Kilogramm schwer und größer als ein Schuhkarton. Von Knöpfen, Tasten und Rädchen keine Spur - eine faustgroße "Fernbedienung" am Steuer regelte Lautstärke und Senderwahl über Bowdenzüge. Auch das erste Navigationsgerät für den Straßenverkehr hatte in den 1980er Jahren seine Ursprünge bei Blaupunkt, damals dann schon unter dem Dach von Bosch. Der Prototyp hieß 1983 Eva - "Elektronischer Verkehrslotse für Autofahrer". Seine Landkarte war seinerzeit noch auf einer Kassette gespeichert - deren Datenvolumen reichte gerade einmal für die Hildesheimer Innenstadt. Die CD erlaubte später mehr.

Quelle: n-tv.de

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