Wirtschaft
Die Aktion von BoJ-Chef Kuroda kommt nicht uneingeschränkt gut an.
Die Aktion von BoJ-Chef Kuroda kommt nicht uneingeschränkt gut an.(Foto: REUTERS)

Geht die "Bazooka" nach hinten los?: BoJ macht Banken Kopfzerbrechen

Mehr Kredite, mehr Cash, mehr Inflation: Die Bank of Japan will die japanische Wirtschaft in Schwung bringen. Die Brachialmaßnahmen könnten den Banken jedoch schaden. Immerhin einen positiven Nebeneffekt gibt es jedoch.

Die jüngste geldpolitische Maßnahme der Bank of Japan soll Geschäftsbanken im Land dazu ermutigen, dass sie mehr Kredite vergeben. Unerwünschte Nebenwirkungen sind allerdings nicht ausgeschlossen. Wenn die langfristigen Zinsen nämlich sinken, dann fallen auch die Margen der Banken in ihrem angestammten Brot-und-Butter-Geschäft, warnen Experten.

"Für die Banken kann ich in der Lockerung nichts Positives erkennen", sagte Analyst Shinichi Tamura von Barclays in Tokio. Aus seiner Sicht wird es für die Notenbank schon deshalb schwierig werden, die Kreditnachfrage zu stimulieren, weil viele japanische Unternehmen relativ viele liquide Mittel haben.

Am vergangenen Freitag kündigte Notenbankchef Haruhiko Kuroda seine zweite geldpolitische "Bazooka" binnen zwei Jahren an. Er sagte, die Zentralbank werde die Wirtschaft mit zusätzlichem Cash fluten, indem sie die Käufe von Staatsanleihen, Aktienfonds und anderen Vermögenswerten massiv aufstocke.

Kurodas Ziel ist es nach eigenem Bekunden, für eine stetige Inflation von etwa 2 Prozent zu sorgen, eine Rate, die für einen positiven Zirkel von übernommenen Risiken und Investitionen sorgen werde. Der wiederum könnte Geschäftsbanken am Ende auch helfen, wenn die Nachfrage geschäftlicher und privater Kunden nach Kredit wieder stiege.

In der Theorie gut

Banker wie Analysten können diese Logik zwar nachvollziehen, fürchten aber, dass die Geldhäuser zunächst unter den schwächeren Margen leiden werden, bevor es zu einem positiven Zirkel kommt. Schon jetzt haben die Staatsanleihekäufe der Notenbank dazu geführt, dass die Rendite der zehnjährigen Referenzanleihe deutlich gesunken ist. Sie ist ein wesentlicher Maßstab, nach dem die Geschäftsbanken ihre eigenen Zinssätze ausrichten.

Aktuell verlangen die drei japanischen Megabanken Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, Mizuho Bank und Sumitomo Mitsui Bankin bei bevorzugte Hauskrediten mit zehn Jahren Laufzeit einen Zins von 1,25 Prozent. Das ist ein neuer Tiefstwert.

Auf Einlagen zahlen sie ihren Kunden schon lange faktisch keine Zinsen mehr. Sollte der Zins sinken, den sie für Darlehen mit zehn bis 30 Jahren Laufzeit verlangen, dann sinkt auch die interne Zinsdifferenz und damit ihre eigene Marge. Zur Jahresmitte bewegte sich die Differenz zwischen dem jeweiligen Spar- und Kreditzins der drei Megabanken zwischen 1,01 und 1,30 Prozentpunkten.

Barclays-Analyst Tamura bezweifelt, dass potenzielle Hauskäufer die sinkenden Zinssätze wirklich ausnutzen werden. Würden Menschen ein großes Geschäft nur allein von wenigen Zehnteln Prozentpunkten bei den Hypothekensätzen abhängig machen? Wahrscheinlich nicht", sagt Tamura.

Immerhin ein Kurssprung

Der Schritt der japanischen Notenbank ist für die Banken aber nicht nur negativ. Er löste unmittelbar einen Kurssprung japanischer Aktien aus, womit die Banken Gewinne auf ihre Wertpapierbestände verbuchen können. "Eine gewisse Zeit werden Banken in der Lage sein, Gewinne aus einer starken Entwicklung des Aktienmarktes zu ziehen", sagte Naoko Nemoto, Analystin der Ratingagentur Standard & Poor's. Die Banken könnten auch von einem besseren Absatz von Finanzprodukten profitieren. Derzeit fließt das meiste Geld zur Notenbank zurück.

Sollte es der Zentralbank und Ministerpräsident Shinzo Abe gelingen, die japanische Wirtschaft wiederzubeleben, so würde dies sicherlich den Banken mehr Nachfrage nach Kredit einbringen.

Eine Sprecherin von Mizuho sagte, ihre Bank rechne als Folge der weiteren geldpolitischen Lockerung der Bank of Japan mit Unterstützung in der eigenen Marktabteilung. "Entscheidender jedoch: Wir hoffen, dass Japan mit den zusätzlichen Maßnahmen in der Lage sein wird, die Phase der Deflation hinter sich zu lassen und wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren", sagte sie. "Wir werden auf die Kundenbedürfnisse sowohl bei Krediten auch in der Vermögensverwaltung entsprechend reagieren."

Bei Sumitomo Mitsui Banking räumte ein Sprecher ein, dass es schwierig sei neue Kreditnehmer bei Unternehmenskunden zu finden, weil viele von ihnen große Bargeldbestände hätten. Sein Geldhaus hält bei der Neukundengewinnung nach Wachstumsunternehmen Ausschau. Die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ lässt ihren Sprecher erklären, sie werde bei einer Wende am Markt nach geschäftlichen Chancen suchen.

Aktuell landet der überwiegende Teil des Geldes, das den Banken für die Staatsanleihen zufließt, die sie Notenbank verkaufen, wieder da, wo es auch herkommt: Bei der japanischen Notenbank. Nach deren jüngsten Zahlen haben japanische Geschäftsbanken aktuell 64 Billionen Yen an Einlagen bei der Bank of Japan geparkt. Gerade 39 Billionen waren es vor Jahresfrist.

Analystin Nemoto von Standard & Poor's glaubt, dass sich japanische Banken auf absehbare Zeit auf ihre Erträge aus dem Handelsgeschäft verlassen werden und nicht auf die Kreditabteilungen. Sollte die Wirtschaft nicht tatsächlich wiederbelebt werden, dürfte sich an dieser Abhängigkeit auch "wahrscheinlich nichts ändern", sagte sie.

Quelle: n-tv.de

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