Wirtschaft
Ein Mega-Ereignis - für Fans und Werbeindustrie: Der Super Bowl der NFL.
Ein Mega-Ereignis - für Fans und Werbeindustrie: Der Super Bowl der NFL.(Foto: imago/UPI Photo)

Werbespektakel zum Super Bowl: Bob Dylan singt für Chrysler

Eine Legende des Folk greift für einen US-Autobauer zur Gitarre, eine irische Rockband wirbt für die Bank of America: Am Rande des Super Bowl machen Großkonzerne und Werbe-Profis das Undenkbare möglich.

Das Auto als unverzichtbarer Teil der US-Kultur: Bob Dylan lehnt sich über den Billardtisch.
Das Auto als unverzichtbarer Teil der US-Kultur: Bob Dylan lehnt sich über den Billardtisch.(Foto: nfl.com/superbowl)

Der Super Bowl, das mit Abstand größte medial vermarktete Sportereignis in den Vereinigten Staaten, war auch in diesem Jahr ein Festival der Stars - besonders in den Werbepausen. Rund 108 Millionen Zuschauer sahen prominente Persönlichkeiten wie Bob Dylan, David Beckham, James Franco oder die Muppets in verschiedenen Spots für Autos, Unterwäsche und Bier. Die Unternehmen bezahlten Schätzungen zufolge bis zu rund vier Millionen Dollar (drei Millionen Euro) für die besten Werbeplätze während des Endspiels der US-Football-Liga NFL.

"Let America build your car"

Folk-Musiklegende Bob Dylan schlug in einem Spot für den US-Autobauer Chrysler patriotische Töne an: "Lass die Deutschen dein Bier brauen, lass die Schweizer deine Uhr machen, lass dein Telefon in Asien bauen. Wir bauen dein Auto", erzählt Dylan in dem gut zweiminütigem Werbefilm, der vor allem den Mythos Wiederauferstehung der Autostadt Detroit weiterspinnt.

Der Leipziger Fahrradverleiher Nextbike, Botschafter der Kampagne "So geht sächsisch", war beim Super Bowl mit einer weniger aufwändigen Marketing-Aktion vor Ort.
Der Leipziger Fahrradverleiher Nextbike, Botschafter der Kampagne "So geht sächsisch", war beim Super Bowl mit einer weniger aufwändigen Marketing-Aktion vor Ort.(Foto: obs)

Chrysler war nach der Bankenkrise durch die Insolvenz gegangen und musste ebenso wie General Motors mit Staatshilfen gerettet werden. Der Autobau habe den "Aufstieg Amerikas" begleitet, heißt es im Spot. Indirekt beansprucht Chrysler mit der Bildauswahl sogar eine Art Vorreiterrolle beim Motoren- und Autobahnbau für sich. Seit der Komplettübernahme durch die Italiener wird Chrysler durch den Automobilkonzern Fiat kontrolliert. In den USA Chrysler hat noch etwa 55.000 Mitarbeiter.

Doch nicht nur Chrysler-Autos fuhren in den Werbepausen durchs Bild. Unter anderem präsentierten auch Audi, Kia, Jaguar und Smart ihre Neuheiten. Ford ließ dabei den Schauspieler James Franco mit einem Tiger auftreten, für Hyundai spielten die Muppets im Auto Musik, und Laurence Fishburne ließ mit einer Hommage auf den Film "Matrix" ein verdutztes Ehepaar die Vorzüge einer Kia-Limousine erleben.

Beckham entblößt sich für H&M

In einem Spot für die Modekette H&M ließ Ex-Fußball-Star David Beckham die Hosen runter. Auch wenn Beckham seine Karriere bereits an den Nagel gehängt hat, bleibt er in der Werbeindustrie ein beliebtes Zugpferd. Der Spot zeigt den 38-Jährigen, wie er sich bei einem Fotoshooting selbst ausschließt, über Dächer klettert und bei seiner abenteuerlichen Rückkehr ins Studio seine Unterhose verliert.

Rätselhafte Anspielung im Chrysler-Spot:
Welche Rolle ausgerechnet der österreichische Katschbergpass im Werdegang des US-Autobauers spielt, beließen die Werber im Dunkeln.
Rätselhafte Anspielung im Chrysler-Spot: Welche Rolle ausgerechnet der österreichische Katschbergpass im Werdegang des US-Autobauers spielt, beließen die Werber im Dunkeln.(Foto: nfl.com/superbowl)

Die Rockband U2 präsentierte in einem Film für die Bank of America ihren neuen Song "Invisible". Wenige Tage vor dem Super Bowl wurde bekannt, dass staatliche Stellen in den USA ihre Schadensersatzforderungen gegenüber der Bank drastisch ausweiten.

U2 wirbt für eine Großbank

Wegen eines Betrugs im Hypothekengeschäft fordert das Justizministerium in Washington mittlerweile 2,1 Milliarden Dollar zurück. Die rechtliche Klärung steht noch aus. In der Zwischenzeit kann Imagewerbung nicht schaden.

In ihrem Super Bowl Sport versprach die milliardenschwere Großbank für jeden kostenlosen Download über Apples Online-Musikplattform iTunes jeweils einen Dollar in den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids spenden zu wollen. Dort sind die Beträge sehr willkommen, allerdings dürften sie sich trotz der TV-Reichweite in dreistelliger Millionen in Grenzen halten. Das humanitäre Angebot der Großbank blieb auf die Dauer des Spiels beschränkt.

Johansson trinkt für SodaStream

Auch Schauspielerin Scarlett Johansson hatten ihren Auftritt - im Unterschied zu Dylan und U2 war dieser jedoch bereits vor der Ausstrahlung heftig umstritten: Johansson bewarb die Marke SodaStream, die Heimgeräte für Sprudelwasser herstellt und unter anderem in einer Fabrik im Westjordanland produziert. Johansson war für das Werbe-Engagement scharf von der Hilfsorganisation Oxfam kritisiert worden. Daraufhin hatte sie ihre Arbeit als Botschafterin für die Hilfsorganisation nach acht Jahren beendet.

Die eigens produzierten Spots im Umfeld der TV-Übertragung zum Super Bowl haben sich in den vergangenen Jahren zu einer Königsdisziplin der US-Werbeindustrie entwickelt. Abgesehen von den Millionenausgaben der beteiligten Unternehmen, spornen die extrem hohen Einschaltquoten auch die Agenturen zu kreativen Höchstleistungen an.

Das Kalkül ist simpel, die Umsetzung typisch für die US-Kultur: Wo andernorts Zuschauer die Spielunterbrechungen nutzen, um zur Toilette zu gehen oder neue Erfrischungen zu holen, versuchen die aufwändig produzierten Clips zum Super Bowl aus eigener Kraft Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aus dem Beiwerk Werbung haben die Vermarktungsprofis ein eigenes Medienereignis gemacht.

Der Football-Liga sind die Filme ihre Werbepartner sogar so wichtig, dass sie diesem Thema einen eigenen Menüpunkt auf der NFL-Homepage widmet. Hier können sich Zuschauer, die einzelne Spots verpasst haben oder, warum auch immer, noch einmal sehen möchten, alle Werbebotschaften am eigenen Bildschirm zu Gemüte führen und diese dann - zur Freude der Marktforscher - bewerten und kommentieren.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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