Wirtschaft
Der Schanghai Composite ging am Montag in die Knie.
Der Schanghai Composite ging am Montag in die Knie.(Foto: REUTERS)

Verluste bei fast 8 Prozent: Börse in Schanghai stürzt ab

Einbruch in China: Der Leitindex in Schanghai ist heute um fast acht Prozent eingebrochen. Hintergrund ist, dass Peking gegen riskante Spekulationsgeschäfte vorgehen will. Der Tokioter Nikkei hingegen lässt sich davon nicht beirren.

Die Börse in Schanghai hat am Montag den schlimmsten Tagesabsturz seit sechs Jahren hingelegt. Der Leitindex brach um 7,7 Prozent ein. Auslöser des Kursabsturzes waren Maßnahmen Pekings gegen exzessive Spekulationsgeschäfte aus Angst vor einer Überhitzung des Marktes nach den kräftigen Kursgewinnen im vergangenen Jahr.

Anleger am Aktienmarkt suchten das Weite, nachdem die Behörden ihre Entschlossenheit demonstriert hatten, gegen auf Pump finanzierte Aktiengeschäfte vorzugehen. Diese Geschäfte hatten im vergangenen Jahr deutlich zugenommen, laut Goldman Sachs basierten 2014 immerhin 11 Prozent aller Aktiengeschäfte auf dieser Art der Finanzierung. Absolut verzeichnete des Geschäftsgebaren eine Steigerung um 196 Prozent. In den ersten zwei Wochen des laufenden Jahres betrug der Zuwachs weitere 9 Prozent.

Kurzfristig mag das behördliche Vorgehen zwar eine Belastung darstellen, viele Marktbeobachter sahen in dem Schritt aber auch einen positiven Ansatz zur Reduzierung der exzessiven Spekulationsgeschäfte. Konkret hatten die Behörden drei großen Handelshäusern die Auflage neuer auf Kredit finanzierter Geschäfte für drei Monate untersagt. "Das ist eine böse Überraschung. Ohne die schrittweise Zuführung frischer Liquidität und wegen der angeknacksten Stimmung dürfte der Markt kurzfristig korrigieren - und das gewaltig", kommentierte Analyst Hao Hong von BOCOM International.

"Die Regierung will das gehebelte Risiko dieser Art der Finanzierung unter Kontrolle bekommen", sagte Fondsverwalterin Caroline Maurer von Henderson Global Investors. Die Kurse der Wertpapierhandelshäuser Citic Securities, Haitong Securities und Guotai Junan Securities, die Ziel der behördlichen Anordnung waren, brachen zwischen 10 und knapp 17 Prozent ein. Ebenfalls nicht zur Hebung der Stimmung trugen frische Daten zum Immobilienmarkt in China bei. In den großen Städten der Volksrepublik waren die Häuserpreise erneut gesunken. Das traf die Sektorwerte schwer, Gemdale und Poly Real Estate Group stürzten jeweils um rund 10 Prozent ab. Angesichts dieser Entwicklung hielt sich der Markt in Hongkong mit einem Abschlag von "nur" 1,6 Prozent recht wacker.

Nikkei-Index kann gut zulegen

Die übrigen Börsen der Region ließ sich von der negativen Stimmung in China jedoch nicht anstecken - im Gegenteil: Es überwogen ganz klar die positiven Vorzeichen. In Tokio, wo der Nikkei-Index um 0,9 Prozent auf 17.014 Punkte zulegte, bremste selbst der festere Yen kaum. Die japanische Währung wurde angesichts der Vorgänge in China als sicherer Hafen gesucht. Der US-Dollar fiel auf 117,16 Yen nach 117,61 im späten Freitagsgeschäft. Sharp büßten 8,7 Prozent ein. In Berichten war die Rede davon, der Verlust könnte höher als erwartet ausfallen.

Die Stabilisierung der Ölpreise stützte die Börsen in der gesamten Region, hieß es im Handel. Das Fass der europäischen Referenzsorte Brent kostete wieder knapp über 50 Dollar und verteidigte damit die kräftigen Erholungsgewinne vom Freitag. In Sydney endete eine fünftägige Durststrecke, letztlich retteten vor allem die Gewinne im Rohstoffsektor das magere Plus des Gesamtmarktes. BHP Billiton und Rio Tinto rückten um 2,4 und 0,5 Prozent vor. Darüber hinaus setzten Anleger auf das baldige Anlaufen des Wertpapierkaufprogramms der Europäischen Zentralbank, also eine neue Liquiditätsspritze.

Die zu erwartende Euroflut einerseits und die Vorgänge in China andererseits könnten eine Erklärung für die fortgesetzte Stabilisierung des Goldpreises auf dem zuletzt erreichten deutlich erhöhten Niveau sein. Die Feinunze kostete zuletzt 1277 US-Dollar. Im asiatischen Handel am Freitag war sie noch für weniger als 1260 Dollar zu haben gewesen.

Quelle: n-tv.de

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