Wirtschaft

"Das gebietet die Fairness"Bosch hebt die Löhne an

26.10.2010, 12:25 Uhr

In der Debatte um mögliche Auswirkungen des Aufschwungs auf die deutsche Binnennachfrage setzt Bosch ein klares Signal: Der Automobilzulieferer will rund 85.000 Mitarbeitern bereits ab kommenden Februar mehr Geld überweisen.

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Nicht börsennotiert und daher freier in allen Entscheidungen: Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und mehr als 300 Tochter- und Regionalgesellschaften in über 60 Ländern. (Foto: REUTERS)

Dank brummender Geschäfte zieht der Autozulieferer Bosch die Tariferhöhung für 85.000 Mitarbeiter in Deutschland vor. Die Beschäftigten sollten schon zum 1. Februar 2011 und damit zwei Monate vor dem ursprünglichen Datum 2,7 Prozent mehr Lohn erhalten, teilte das Unternehmen mit. "Das gebietet uns jetzt die Fairness, da die Konjunktur erfreulich schnell wieder anzieht", sagte Konzern-Chef Franz Fehrenbach dem "Handelsblatt".

"Wir haben in der Krise die Tariferhöhung nach hinten verschoben", ergänzte Betriebsratschef Alfred Löckle. "Wenn nun die Lage wieder gut ist, gilt selbstverständlich auch der umgekehrte Weg."

Vielleicht noch ein bisschen mehr

Die Regelung gilt für die Mitarbeiter an allen tarifgebundenen Standorten in Deutschland. Insgesamt beschäftigt Bosch hierzulande über 110.000 Mitarbeiter, weltweit sind es mehr als 280.000. Im Geschäftsjahr 2010 erwartet Bosch ein Umsatzplus von 20 Prozent auf gut 46 Mrd. Euro. "Vielleicht wird es noch ein bisschen mehr werden", sagte Fehrenbach. Das Ergebnis werde "deutlich positiv" ausfallen.

Der Konkurrent von Continental und Leoni hatte im Krisenjahr 2009 bis zu 65.000 Beschäftigte mit entsprechenden Lohnkürzungen in Kurzarbeit geschickt und erstmals seit 1945 rote Zahlen geschrieben.

Angesichts der unerwartet kräftigen Konjunkturerholung hatte unter anderem auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Arbeitgeber zu Lohnerhöhung aufgefordert. Vor diesem Hintergrund warnte nun DIW-Präsident Klaus Zimmermann vor einer "Tarifpolitik des schnellen Geldes".

DIW: Boni für alle

Zimmermann warb stattdessen für mehr leistungsabhängige Erfolgsprämien. "Sonst geht dem Aufschwung rasch wieder die Luft aus", schrieb der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in einem Gastbeitrag für Reuters. Vor allem exportabhängige Firmen stünden in einem eher noch härter werdenden globalen Wettbewerb um Kosten und Produktivität. "Dies zwingt sie, auch in Zukunft bei den Löhnen vorsichtig zu operieren."

Die tarifpolitische Zukunft wird laut Zimmermann zunehmend von Erfolgsprämien und Einmalzahlungen geprägt sein. Bei Führungskräften machten solche variablen Gehaltsanteile schon heute vielfach ein Drittel ihrer Gesamtbezüge aus.

"Wir brauchen insbesondere verstärkt neue Vergütungsmodelle, die sich weniger am kurzfristigen Unternehmenserfolg ausrichten, sondern mehr daran, qualifiziertes Personal durch innovative Modelle der Mitarbeiterbeteiligung langfristig an den Betrieb zu binden und sie so auch nachhaltig zu vergüten", forderte Zimmermann, der auch Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) ist. Das helfe insbesondere mittelständischen Betrieben, Probleme mit der Kapitalknappheit leichter zu lösen und eine vorausschauende Personal- und Vergütungspolitik zu betreiben.

"Der Preis der Demografie"

Goldene Zeiten erwartet Zimmermann aber nur bedingt. "Denn gleichzeitig müssen die Beschäftigten aus ihrem Einkommen künftig auch wachsende Vorsorgeleistungen für Gesundheit, Rente und Pflege im Alter finanzieren - dies ist ein Preis der veränderten Demografie."

Auch auf Gewerkschaftsseite waren wegen der starken Konjunkturerholung Forderungen nach kräftigen Lohnerhöhungen laut geworden. Der Deutsche Beamtenbund (DBB) will für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder mindestens sieben Prozent mehr Lohn herausholen. "Nach Jahren der Zurückhaltung, in denen das Gebot der Beschäftigungssicherung im Vordergrund stand, ist der Wunsch nach einer deutlichen 'Aufschwung-Rendite' populär", schrieb Zimmermann.

"Dennoch müssen wir diese Debatte mit Rationalität führen - und vor allem nach Branchen und Regionen angemessen differenzieren", Der mühsam erarbeitete Erfolg dürfe nicht durch überzogene pauschale Erwartungen an der Lohnfront riskiert werden.

Quelle: mmo/rts