Wirtschaft
Sparkurs der Regierung, steigender Inflationsdruck, wirtschaftliche Rezession: Großbritannien hat Probleme.
Sparkurs der Regierung, steigender Inflationsdruck, wirtschaftliche Rezession: Großbritannien hat Probleme.(Foto: REUTERS)

The Queen is not amused: Briten sparen sich in Rezession

Großbritannien will sich aus der Krise sparen. Aber stattdessen verschärft sich die wirtschaftliche Situation auf der Insel. Das zweite Quartal in Folge schrumpft das Bruttoinlandsprodukt. Die Rezession ist da - und die Lage wird sich so schnell nicht bessern, sagen nicht nur Analysten.

Die britische Wirtschaft kann ihre Krise nicht abschütteln und ist wieder in die Rezession zurückgerutscht. Zwischen Januar und März sank das Bruttoinlandsprodukt vor allem wegen einer schwachen Bauindustrie und einer mangelnden Nachfrage aus dem Euroraum überraschend um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Bereits Ende 2011 war die Wirtschaftskraft um 0,3 Prozent geschrumpft. Für den Jahresanfang hatten Analysten jedoch mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet.

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Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit rückläufigem BIP werden in technischer Definition als Rezession gewertet. Vor allem der Rückgang um 3,0 Prozent in der Bauindustrie hat die minimalen Wachstumshoffnungen erstickt. Großbritannien war zuletzt auf dem Höhepunkt der Bankenkrise 2008 in den Abschwung geraten, den das Land erst Mitte 2009 überwunden hatte.

Die Lage ist schwierig

Die Regierung geht davon aus, dass die Erholung noch länger auf sich warten lässt, will aber an ihrem umstrittenen Sparkurs festhalten. "Wenn wir unseren glaubhaften Plan jetzt aufgeben würden, würde das die Lage nur schlimmer machen. Dies würde zu mehr Krediten und Schulden führen", erklärte der unter Druck stehende Osborne. Die Rückkehr des Rezessions-Gespensts wird den Kritikern des brutalen Sparkurses neue Munition geben.

Für die Wirtschaft der Insel wird es jetzt auch schwierig, die offizielle Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 0,8 Prozent im laufenden Jahr zu erreichen. Die Analysten der Citi Bank sehen für die nähere Zukunft schwarz. Aus ihrer Sicht legt das Land die schlechteste Erholung aus einer Krise seit 100 Jahren hin. "Wir haben eine permanente Entwicklung der Schwäche, die nicht auf quartalsweise Veränderungen in der Bauindustrie geschoben werden kann", schrieben die Citi-Volkswirte in einer Einschätzung.

Lockere Geldpolitik lockt

IHS-Chefökonom Howard Archer glaubt trotz des herben Dämpfers nicht, dass die Bank of England (BoE) im Mai eine weitere Runde der Wertpapierankäufe einläuten wird. "Wegen der größeren Inflationssorgen ist es unwahrscheinlich, dass die Geldpolitiker ein weiteres Mal zum Quantitive Easing greifen". Nur wenn die Wirtschaft auch in den kommenden Monaten nicht aus ihrem Tal komme, werde die BoE reagieren, sagte Archer.

Für die Beobachter überraschend ist die nach wie vor hohe Inflation, unter der die Verbraucher leiden. Mit 3,5 Prozent liegt sie beträchtlich über dem 2-Prozent-Ziel der Zentralbank. Weder die sinkenden Energiepreise, noch die aus dem Jahresvergleich herausfallende Mehrwertsteuererhöhung konnten den Preisauftrieb nennenswert drücken.

Quelle: n-tv.de

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