Wirtschaft
Tief enttäuscht: Warren Buffett.
Tief enttäuscht: Warren Buffett.(Foto: REUTERS)

Anrüchiger Kronprinzen-Deal: Buffett deckt die Fakten auf

Der Fall Lubrizol verfolgt Investment-Legende Warren Buffett. Ein interner Bericht weist der einstigen Nachwuchshoffnung David Sokol schwere Regelverstöße nach. Vor der anstehenden Jahreshauptversammlung geht das "Orakel von Omaha" in die Offensive: Er lässt den kompletten Bericht veröffentlichen.

Gegen die Regeln verstoßen: David Sokol.
Gegen die Regeln verstoßen: David Sokol.(Foto: REUTERS)

Zwielichtige Aktiengeschäfte bringen einen ehemaligen Kronprinzen von Finanzguru Warren Buffett in immer größere Bedrängnis. Der Prüfungsausschuss von Buffetts Finanzholding Berkshire Hathaway wirft David Sokol vor, er habe Firmenstandards verletzt, als er erst Anteile an der Spezialchemiefirma Lubrizol kaufte und dann Buffett kurze Zeit später vorschlug, das Unternehmen zu schlucken. Sokol nahm später seinen Hut, bestritt allerdings jegliche Verfehlungen.

Der Ausschuss legte den Bericht am späten Mittwoch vor - wenige Tage vor der Berkshire-Hauptversammlung am kommenden Samstag in Omaha. Der Fall überschattet das alljährliche Aktionärstreffen, das sonst eher einem Volksfest als einer tristen Finanzveranstaltung ähnelt. Der 80-jährige Buffett forderte zeitlebens höhere ethische Standards in der Wirtschaft und versuchte auch, dies vom Firmensitz in Omaha im Bundesstaat Nebraska aus vorzuleben. Sein Vermögen häufte er mit findigen Investitionen an; seine Fans gaben ihm dafür den Spitznamen "Orakel von Omaha".

Der Meister ist aus dem Schneider

Buffett selbst werden vom Prüfungsausschuss keine Versäumnisse angekreidet: Sokol habe ihn unzureichend über seine Aktiengeschäfte informiert, hieß es. Der als Investment-Scout für Buffett tätige Anlageprofi hatte knapp 100.000 Lubrizol-Anteile gekauft, bevor er Buffett die . Die Aktien stiegen schlagartig im Wert, als Buffett das Geschäft ankündigte. Der Verdacht des verbotenen Insiderhandels drängte sich auf. Sokol musste kurze Zeit darauf seinen Hut nehmen.

Der nun veröffentlichte Bericht enthält zahlreiche Details zu Sokols Aktienkäufen und ermöglicht dadurch auch einen seltenen Einblick in die Vorgehensweise von Buffetts milliardenschwerer Investmentgesellschaft. Durch die Aufdeckung des gesamten Vorgangs versucht Berkshire Hathaway nicht nur das Vertrauen der Anleger wiederzugewinnen, sondern auch allen Mitarbeitern die "Bedeutung der Firmenstandards" und die Richtlinien zum Aktienhandel vor Augen zu führen. Gleichzeitig erhöht der Bericht den Druck auf Sokol selbst.

Sokol galt als einer der engsten Vertrauten von Buffett und als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge des Finanzgenies. Sokol managte im Buffett-Imperium zuletzt den Energiekonzern MidAmerican Energy Holdings und den Flugzeug-Verleiher NetJets. Wegen des undurchsichtigen Falls hat sich Buffett bereits , der Schadenersatz verlangt, weil die Vorkommnisse das Ansehen von Berkshire Hathaway beschädigt hätten.

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Quelle: n-tv.de

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