Wirtschaft
Zwei Mitglieder aus der Führungsebene der Bank sollen festgenommen worden sein.
Zwei Mitglieder aus der Führungsebene der Bank sollen festgenommen worden sein.(Foto: REUTERS)

Ermittlungen gegen Geldinstitut: Bulgarien schließt viertgrößte Bank

Verschwundene Unterlagen zu Krediten, Säcke voller Bargeld bei einem Führungsmitglied: Die viertgrößte Bank Bulgariens sorgt erneut für Schlagzeilen. Die Zentralbank des Landes hat nun die Nase voll - und entzieht der Bank die Lizenz.

Nach dem Ansturm besorgter Bürger auf zwei pleiteverdächtige Banken des Landes wird die bulgarische Zentralbank eine davon schließen. Die viertgrößte Bank Bulgariens, die Corporate Commercial Bank (Corpbank), werde dicht gemacht, teilte Nationalbankchef Iwan Iskrow mit.

Der Grund: Unterlagen über Kredite der Corpbank im Wert von 3,5 Milliarden Lewa, umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro, fehlten. Sie seien wahrscheinlich zerstört worden, sagte Iskrow. Es sei nicht möglich gewesen, herauszufinden, ob die Kreditnehmer die Kredite zurückzahlen können. Sie stünden alle "in enger Beziehung" zum Großaktionär der Bank, Zwetan Wassilew.

Gegen das Geldinstitut wird nun ermittelt, da der Verdacht des vorsätzlichen Missbrauchs bestehe. Bulgariens Innenminister Zwetlin Jowtschew sprach von einem "schweren kriminellen Verbrechen" bei der angeschlagenen Bank: "Geld, dass in dem Tresor sein sollte, ist nicht mehr da", sagte der Innenminister.

Bank-Tochter soll verstaatlicht werden

Die Polizei nahm unterdessen zwei Führungsmitglieder der Corpbank - einen Mann und eine Frau - fest, berichtete das staatliche Radio. Der Mann soll das Abheben großer Geldsummen angeordnet haben. Bei der Frau seien Säcke voller Banknoten in harten Währungen sichergestellt worden.

Die Nationalbank beruhigte die Kunden der Bank: Deren Einlagen in Höhe von 3,7 Milliarden Euro sollen auf eine Tochtergesellschaft der Corpbank übertragen werden, um geschützt zu werden. Der Staat wolle die Corpbank-Tochter übernehmen, sagte Nationalbankchef Iskrow.

Die Corpbank hatte am 20. Juni alle Auszahlungen an ihre Kunden eingestellt und war daraufhin unter Aufsicht der Zentralbank gestellt worden. Ende Juni kamen Gerüchte auf, die drittgrößte Bank des Landes, die First Investment Bank, stehe vor der Pleite. Verunsicherte Kunden hoben binnen Stunden 400 Millionen Euro ab. Die Regierung ließ die mutmaßlichen Urheber der Gerüchte festnehmen und eilte der Bank mit einem Notkredit zur Hilfe.

Bulgarien ist EU-Mitglied seit 2007, gehört aber noch nicht zur Eurozone.

Quelle: n-tv.de

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