Wirtschaft
Blick auf den neuen Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER).
Blick auf den neuen Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER).(Foto: picture alliance / dpa)

BER nervt: Bund "etwas sauer" auf Mehdorn

Flughafenchef Mehdorn soll endlich Kosten und Termine für den neuen Hauptstadtflughafen BER nennen. Die Chance dazu hat er heute im Projektausschuss der Flughafenkontrolleure. Einen Nebenschauplatz zum Thema gibt es auch noch.

Der Bund erhöht den Druck auf den Chef des Hauptstadtflughafens, Hartmut Mehdorn, endlich einen Eröffnungstermin für das Milliardenprojekt zu nennen. "Ich bin ungeduldig und ich bin auch etwas sauer", sagte Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba vor einer Sitzung des Projektausschusses des Aufsichtsrats, auf der die Probleme mit dem Großprojekt diskutiert werden sollen.

Staatssekretär Rainer Bomba
Staatssekretär Rainer Bomba(Foto: picture alliance / dpa)

"Ich brauche keine Nebenkriegsschauplätze, ich brauche Fortschritt, ich brauche Termine und ich brauche Kosten", sagte der CDU-Politiker. "Herr Mehdorn hat uns versprochen, dass das in den nächsten Tagen kommt." Bomba ist Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und sitzt im BER-Aufsichtsrat.

Am Vortag hatte sich bereits Bundesverkehrsminister Alexander Dombrindt, der sich bislang beim Thema BER nicht in die erste Reihe gedrängelt hat, zu Wort gemeldet und einen Eröffnungstermin gefordert. Planer und Projektmanager müssten dort etwas voranbringen.

Dobrindt forderte Mehdorn auf, im Aufsichtsrat Klarheit über den weiteren Zeit- und Kostenplan zu schaffen. Das Kontrollgremium tagt das nächste Mal am 11. April. Dobrindt schränkte gleichzeitig allerdings ein: "Ich mache keinen Zeitdruck. Ich erwarte aber, dass mir keine weiteren Ideen übermittelt werden, die wenige Monate später Makulatur sind." Dobrindt selbst hat nach einem Vierteljahr im Amt die Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens noch nicht besucht, wie er gegenüber der Zeitung "Die Welt" einräumte.

Hartmut Mehdorn, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft
Hartmut Mehdorn, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft(Foto: picture alliance / dpa)

Der Bund ist als Minderheitseigner zu einem Viertel an der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH beteiligt, die übrigen Anteile teilen sich die Länder Berlin und Brandenburg.

Bleibt Schönefeld am Start?

Auf der heutigen Sitzung soll auch eine Idee Mehdorns zum absehbaren Kapazitätsengpass am BER unter die Lupe genommen werden. Der Flughafenmanager soll seinen Plan erläutern, den alten Flughafen Schönefeld nach dem Start des Neubaus offen zu halten. Weil der Berliner Luftverkehr stark wächst, wird der neue Airport BER bei Eröffnung bereits zu klein sein. Der BER ist für eine Kapazität von 27 Millionen Passagieren geplant. Mehdorn rechnet aber bereits für 2016 mit weitaus mehr, denn schon 2013 wurden in Berlin mehr als 26 Millionen Fluggäste gezählt. Die Prognose für 2020 liegt bei 35 Millionen Passagieren.

Wowereit im "Einklang mit Mehdorn

Berlins Regierender Bürgermeister auf dem Weg zur Sitzung.
Berlins Regierender Bürgermeister auf dem Weg zur Sitzung.(Foto: picture alliance / dpa)

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit stärkte Mehdorn abermals den Rücken. "Herr Mehdorn hat seine Position und die hat er vertreten. Insofern kämpft er für die Interessen des Flughafens", sagte der SPD-Politiker und bezog sich auf den Widerstand des Flughafenchefs gegen ein strikteres Nachtflugverbot. "Da hat er die volle Unterstützung des Landes Berlin und auch des Bundes. Insofern ist da ein Einklang."

Bomba erklärte zudem: "Herr Mehdorn ist wirklich ein exzellenter Manager. Aber er muss jetzt auch klar und deutlich machen, wo seine Erfolge liegen." Die Firma Siemens könne seit Monaten nicht mit dem Umbau der Brandschutzanlage beginnen, weil der Flughafen noch nicht alle Pläne geliefert habe. Vor allem die Unzulänglichkeiten der Brandschutzanlage hatten die Eröffnung des Flughafens verzögert.

Parallel zum Projektausschuss tagte der BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Hier nahm der führende Flughafenplaner, der Architekt Hans-Joachim Paap aus dem Büro von Gerkan, Marg und Partner, zu den Vorwürfen mangelnder Planung und unzureichender Baukontrolle bei dem Milliardenprojekt Stellung.

Zu "kleinteilig" gebaut

Paap, sieht insgesamt die "kleinteilige Auftragsvergabe" und zahlreiche Planungsänderungen als Hauptgründe für die jahrelangen Verzögerungen an dem Bau. "Die Hauptverantwortung für das Desaster liegt bei der Flughafengesellschaft", sagte Paap vor dem Untersuchungsausschuss. Sie habe schon im April 2008 gewusst, "dass der Eröffnungstermin im Oktober 2011 nur mit unkonventionellen und risikobehafteten Maßnahmen einzuhalten war".

Paap hatte den neuen Flughafen federführend entworfen. Nach der zweiten Terminabsage im Mai 2012 setzten die Betreiber die Gerkan-Architekten vor die Tür. Mehdorn holte Paap ein Jahr später jedoch zurück. Paap arbeitet heute als Berater in Mehdorns Team. Ein Eröffnungsdatum für den neuen Flughafen in Schönefeld gibt es immer noch nicht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen