Wirtschaft
Durch das neue Textilsiegel sollen soziale und ökonomische Mindeststandards gesichert werden.
Durch das neue Textilsiegel sollen soziale und ökonomische Mindeststandards gesichert werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Siegel baut Druck auf: Bund will Textilbranche Standards auferlegen

In der Textilwirtschaft sind schlechte Arbeitsbedingungen nicht selten an der Tagesordnung. Zudem werden die Stoffe häufig mit aggressiven Chemikalien versetzt. Das soll sich nach dem Willen Regierung ändern - zur Not gesetzlich.

Die deutsche Modebranche soll mit einem neuen Siegel zur Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards verpflichtet werden. "Wir bereiten gerade ein Textilsiegel vor, das für nachhaltig produzierte Kleidung stehen und noch in diesem Jahr eingeführt werden soll", sagte Entwicklungsminister Gerd Müller der "Welt am Sonntag". Deutschland will damit in Europa Vorreiter sein. Frankreich und die Niederlanden hätten bereits signalisiert, "dass sie mitmachen wollen", sagte der CSU-Politiker.

Müller kündigte an, in den kommenden Wochen einen runden Tisch der deutschen Textilwirtschaft einzuberufen. Der Minister verlangt zunächst eine "Selbstverpflichtung" der Branche: "Wir brauchen soziale Standards, was Arbeitsschutz und Mindestlöhne betrifft. Aber auch ökologische Standards, etwa für Gerbereien, die mit aggressiven Chemikalien arbeiten." Er erwarte von der Textilbranche, dass sie die vereinbarten Standards für die gesamte Produktionskette vom Baumwollfeld bis zum Bügel garantiere, sagte der CSU-Politiker. "Wenn das nicht auf freiwilliger Basis funktioniert, werden wir einen gesetzlichen Rahmen vorgeben."

Laut Müller soll es demnächst auch ein Internet-Portal geben, "das es allen Verbraucherinnen und Verbrauchern möglich macht, zu überprüfen, ob der Hersteller die von uns geforderten Mindeststandards einhält". Die Textilwirtschaft sei eingeladen, sich daran zu beteiligen, sagte der CSU-Politiker.

Müller warf der Branche vor, nach Katastrophen wie dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit hunderten Toten im vergangenen Jahr "viel zu wenig" getan zu haben. In den angekündigten Fonds zur Unterstützung der betroffenen Familien hätten die Unternehmen bislang nur 25 Prozent der versprochenen Gelder eingezahlt. "Das genügt nicht."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen