Wirtschaft
Konjunkturindikatot mir Seeblick: Vom Strand in Cuxhaven-Döse aus lässt sich die Intensität des Schiffsverkehrs auf der Elbe von und zu Deutschlands größtem Seehafen gut beobachten.
Konjunkturindikatot mir Seeblick: Vom Strand in Cuxhaven-Döse aus lässt sich die Intensität des Schiffsverkehrs auf der Elbe von und zu Deutschlands größtem Seehafen gut beobachten.(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland verliert Schwung: Bundesbank erwartet Stagnation

Nach dem rasanten Aufschwung zu Jahresbeginn ist die deutsche Wirtschaft im Frühjahr vermutlich auf der Stelle getreten. Bundesbank und Finanzministerium sind aber überzeugt: Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind gut.

Alle vier Wochen Berichte zur Konjunkturlage: Mitte Juli öffnete die Bundesbank erstmals ihre Türen für die breitere Öffentlichkeit.
Alle vier Wochen Berichte zur Konjunkturlage: Mitte Juli öffnete die Bundesbank erstmals ihre Türen für die breitere Öffentlichkeit.(Foto: picture alliance / dpa)

In der einflussreichsten Volkswirtschaft der Eurozone zeichnet sich eine wirtschaftliche Flaute ab: In Deutschland hat die wirtschaftliche Dynamik im Frühjahr aus Sicht der Bundesbank merklich an Auftrieb verloren. Im April und Mai habe die Industrie einen Gang heruntergeschaltet, erklärten die Bundesbank-Experten in ihrem aktuellen Monatsbericht Juli. Auch die Baubranche habe das sehr hohe Niveau aus dem sehr milden Winter wie erwartet nicht halten können.

Dazu kommen Einflussfaktoren von außen: Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten oder in der Ukraine dürften die Stimmung dem Bericht zufolge getrübt und so die Konjunktur gebremst haben. Das zeige sich etwa an der nachlassenden Nachfrage nach Vorleistungsgütern. Da der Dienstleistungsbereich aber weiter zugelegt haben dürfte, kommt es nicht zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung.

Stillstand im zweiten Quartal

Die Deutsche Bundesbank rechnet nun offiziell mit einer Stagnation: Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im zweiten Jahresviertel 2014 saison- und kalenderbereinigt den Stand des Auftaktquartals gehalten haben, prognostizieren die Experten. Amtliche Zahlen zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal dürften wie üblich erst in einigen Wochen vorliegen.

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Im Zeitraum von Januar bis März war die deutsche Wirtschaft allerdings auch - für deutsche Verhältnisse - außergewöhnlich stark gewachsen. Das deutsche BIP stieg im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,8 Prozent.

Aus Sicht des Experten weisen die vorliegenden Faktoren "auf eine Fortsetzung der dynamischen Wirtschaftsentwicklung, insbesondere der Binnenwirtschaft, hin". Sie werde "insbesondere von der günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und damit einhergehenden steigenden Einkommen getragen", heißt im Monatsbericht.

Die Bundesbank geht schon länger davon aus, dass sich zwar "das hohe Expansionstempo des ersten Quartals" nicht halten lassen werde: Die konjunkturelle Grundtendenz der deutschen Wirtschaft sei aber weiter deutlich aufwärtsgerichtet, und die Voraussetzungen für ein recht kräftiges Wirtschaftswachstum seien gut, hatten die Experten im Juni betont. Seinerzeit hatten sie für das Gesamtjahr 2014 ein reales BIP-Plus von 1,9 Prozent und für 2015 von 2,0 Prozent vorhergesagt.

"Zurückrollen der Agenda-Reformen"

Auch die Volkswirte aus der makroökonomischen Abteilung der Commerzbank erwarten, dass das BIP im zweiten Quartal allenfalls stagnierte: "Wahrscheinlich ist es sogar leicht gefallen", erklärte Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer zeitgleich zum Bundesbank-Bericht veröffentlichten Analyse.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte das BIP den Erwartungen der Coba-Analysten zufolge wieder zulegen - schon weil der negative Baueffekt vom Frühjahr wegfällt: "Zudem dürften die Exporte nicht auf Dauer wie in der ersten Jahreshälfte stagnieren", wie Krämer erläuterte.

Die Bankenvolkswirte sagen ein Wirtschaftswachstum von jeweils 2,0 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus: "Denn die expansive Geldpolitik der EZB wird noch eine Weile die sich verschlechternde Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen übertünchen, die sich wegen der kräftigen Lohnsteigerungen und des Zurückrollens der Agenda-Reformen abzeichnet."

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Quelle: n-tv.de

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