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Alt, wertvoll und heiß umstritten: Wo genau diese Barren liegen, wollte die Bundesbank lieber nicht verraten.
Alt, wertvoll und heiß umstritten: Wo genau diese Barren liegen, wollte die Bundesbank lieber nicht verraten.(Foto: dapd)

Zweifel nagen an der Gold-Reserve: Bundesbank holt Barren heim

Wo liegt das Gold der Deutschen? Der Bundesrechnungshof und eine Initiative beunruhigter Bürger drängen auf eine Antwort. Nun knickt die Bundesbank ein und kündigt eine Prüfung ihrer ausländischen Bestände an. Eine "nennenswerte Menge" soll nach Deutschland gebracht und testweise eingeschmolzen werden. Schon tauchen neue Fragen auf: Wie kommt das Gold nach Hause?

Wer es in der Hand hält, spürt sofort dieses ganz besondere Gewicht: Die Bundesbank will ihre Goldbestände nach langem Zögern prüfen - und das obwohl das international nicht den Gepflogenheit entspricht.
Wer es in der Hand hält, spürt sofort dieses ganz besondere Gewicht: Die Bundesbank will ihre Goldbestände nach langem Zögern prüfen - und das obwohl das international nicht den Gepflogenheit entspricht.(Foto: REUTERS)

Die Bundesbank gibt dem politischen Druck nach und will sich selbst ein Bild von ihren ausländischen Goldbeständen machen. Die Notenbank betonte zwar, die in den USA, Frankreich und England gelagerten Reserven seien sicher. Zugleich erklärte sie: "Ungeachtet der bestehenden Rechtsauffassung wird die Bundesbank Anregungen des Bundesrechnungshofs, soweit es möglich ist, aufgreifen."

Insgesamt verfügt die Bundesbank über eine Goldreserve im Umfang von 3396 Tonnen. Ein Großteil davon lagert seit Jahrzehnten im Ausland, vor allem bei der US-Notenbank Fed. Der tatsächliche Wert des deutschen Goldschatzes lässt sich kaum dauerhaft festlegen. Die Summe hängt von den Bewegungen am Weltmarkt ab. Auf Basis aktueller Preise liegt der Marktwert bei etwa 144 Mrd. Euro. Die Goldbestände sind Teil der Währungsreserven, die von der Bundesbank nach eigenen Angaben "mit größter Sorgfalt" gehalten und verwaltet werden. Verwahrt werden die Barren in Tresoren am Sitz der Bundesbank in Frankfurt am Main sowie an drei Lagerstellen im Ausland: Bei der Federal Reserve Bank in New York, der französischen Nationalbank Banque de France in Paris und der Bank of England in London.

Der Rechnungshof fordert nun "angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden" regelmäßige Stichproben - so steht es jedenfalls in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages, der seit Beginn der Woche für erheblichen Wirbel sorgt.

Unübliches Misstrauen

Die Bundesbank ließ dabei auch auf Nachfrage zunächst offen, wann und in welchem Umfang Prüfungen der ausländischen Bestände stattfinden sollen. Die Notenbanker ließen jedoch wissen, der vom Rechnungshof gewünschte Prüfumfang entspreche "nicht den Usancen zwischen Notenbanken".

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Zugleich bekräftigte die Deutsche Bundesbank: "Mit den vorliegenden Unterlagen und den angewendeten Verfahren ist der Nachweis über die ausgelagerten Goldbestände vollständig und seit Jahrzehnten nachvollziehbar erbracht." Es gebe keinen Zweifel "an der Integrität, Reputation und Sicherheit" der ausländischen Lagerstellen. Das Eigentum an den Barren bleibe durch die Verwahrung bei den Partnernotenbanken unberührt.

Wer kontrolliert das Edelmetall?

Misstrauisch macht einige Bundestagsabgeordnete offenbar, dass bei ausländischen Zentralbanken neben den Bundesbank-Barren auch Goldbestände anderer Zentralbanken lagern. Kritiker glauben, die Frankfurter Währungshüter hätten die Kontrolle über das Edelmetall aus der Hand gegeben. In der aktuellen Krise dürfe es keinen Zweifel daran geben, dass die Bundesbank auch physisch über ihr Gold verfügen könne.

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Ein kleines Detail am Rande dürfte Gold-Fans aller Couleur elektrisieren: Nach Angaben der Rechnungsprüfer will die Notenbank in den kommenden drei Jahren jeweils 50 Tonnen des in den USA lagernden Goldes nach Deutschland bringen, um es zu prüfen. Auf welchem Wege die nicht unerheblichen Mengen an Edelmetall über den Atlantik reisen sollen, ließ die Bundesbank aus naheliegenden Gründen offen.

Woher rührt die Sorge?

Eine eigens gegründete Initiative namens "Holt unser Gold heim!" bringt die Frage nach dem Gold in einen Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Europa und dem Vertrauen der Bürger in ihre Währung. In der Auflösung des Goldstandards sehen die Organisatoren "die Hauptursache dafür, dass die globale Finanzkrise seit 2007 überhaupt derart gravierende und hoch-gefährliche Ausmaße annehmen konnte".

Unterstützt wird die Initiative unter anderem auch von einer Reihe prominenter Namen, darunter der frühere BDI-Chef und bekennende Euro-Skeptiker Hans-Olaf Henkel und der als "Euro-Rebell" bekannt gewordene FDP-Politiker Frank Schäffler. Daneben finden sich in der Liste der Erstunterzeichner auffallend viele Edelmetallhändler, Börsenbrief-Herausgeber und Finanzbuchautoren.

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Die nach eigenen Angaben unabhängige und überparteiliche Initiative fordert unter anderem eine "vollständige und unabhängig testierte" Überprüfung in Form eines "physischen Voll-Audits der deutschen Goldbestände " und die "zeitnahe Rückführung des im Ausland gelagerten Goldes nach Deutschland".

Warum liegt das Gold im Ausland?

Die deutschen Goldbestände in den Tresoren von Fed, Banque de France und Bank of England sind in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg historisch gewachsen: Vor allem in den 50er und 1960er Jahren des vorigen Jahrhunderts ging das Edelmetall als Bezahlung hoher deutscher Außenhandelsüberschüsse in den Besitz der Bundesbank über. Die Bundesbank argumentierte, die Lagerung im Ausland sei "betriebswirtschaftlich sinnvoll, solange sie kostengünstiger ist als der Transport nach Deutschland und der Bau zusätzlicher Tresoranlagen". Zudem könnte man zum Beispiel das Gold in New York im Falle einer Währungskrise schnell in US-Dollar umtauschen.

Die Franzosen sollen einen Teil ihrer Goldreserven im Jahr 1966 per U-Boot - so wird vermutet - in New York abgeholt haben. Doch aus der Sicht der Westdeutschlands sprachen damals noch durchaus gute Gründe für die dezentrale Lagerung: Schließlich war Westeuropa in der Ära des Kalten Krieges über Jahrzehnte von ernsten Überfallsszenarien bedroht. Im Ernstfall eines bewaffneten Konflikts zwischen der Sowjetunion und den USA wären Truppen des Warschauer Pakts nach Einschätzung von Militärs auf beiden Seiten wohl binnen weniger Tage bis an den Rhein vorgerückt.

Für westliche Strategen besonders problematisch: Der Sitz der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main liegt nur wenige Autostunden von der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfernt mitten im sogenannten Fulda-Gap, im damaligen Nato-Jargon das wahrscheinlichste Einfallstor feindlich gesinnter Truppen. Rücklagen im befreundeten Ausland waren vor diesem Hintergrund wohl eine durchaus kluge Entscheidung - zumal sich damit die Überführungskosten sparen ließen.

Wie kommt das Gold nach Deutschland?

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Egal, ob per Schiff oder Flugzeug: Jeder einzelne Transportweg birgt ganz eigene Risiken - vom bei der Verladung bis zur , einem oder einer zufälligen .

Ein Komplettversand ganzer Paletten voller Goldbarren scheint daher schon aus Sicherheitsgründen wenig wahrscheinlich. Zugleich müsste jede Kurierfahrt oder -flug selbstverständlich unter strengster Geheimhaltung geplant werden, schon allein um kriminelle Naturen nicht zu etwaigen unüberlegten Handlungen zu verleiten.

Was kostet die Prüfung?

Naheliegender wäre eine Verlegung per "Ameisenstraße", also einem über verschiedene Verkehrsträger verteilten Transport in geringen Mengen mit einer größeren Zahl vertrauenswürdiger Kuriere. So oder so: Die Kosten der Überführung dürften den Aufwand der gesamten Überprüfung nicht unwesentlich in die Höhe treiben.

"Wir haben gerade eine Währungskrise und wir wollen Sicherheit. Und Sicherheit bietet Gold", fasste der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, die Überlegungen zusammen. "Insofern sollte man nachschauen, wie schnell die Bundesbank auf diese Währungsreserve zurückgreifen kann." Angaben zum finanziellen Rahmen der Aktion machte die Bundesbank zunächst nicht.

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Quelle: n-tv.de

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