Wirtschaft
Vom Export sei 2014 wieder mit mehr Rückenwind zu rechnen, prognostiziert die Bundesbank.
Vom Export sei 2014 wieder mit mehr Rückenwind zu rechnen, prognostiziert die Bundesbank.(Foto: picture alliance / dpa)

Binnennachfrage brummt: Bundesbank sieht festere Konjunktur

Bestellungen aus dem Inland und Verbraucher in Kauflaune stabilisieren die Konjunktur. Zudem kommt die Weltwirtschaft in Schwung und beflügelt die Exporte. Derweil treiben die deutschen Ausfuhren maßgeblich den Handelsüberschuss der Eurozone.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird nach Ansicht der Bundesbank robuster. Während die Binnennachfrage weiter den tragenden Pfeiler der Konjunktur bilde, sei auch vom Export wieder mit mehr Rückenwind zu rechnen, heißt es im Monatsbericht. "Die Chancen sind günstig, dass sich die konjunkturelle Aufwärtsbewegung in Deutschland in den kommenden Monaten weiter festigt." Weniger gute Nachrichten kommen dagegen aus Europa.

Laut Bundesbank überschritten Aufträge für die Unternehmen im Sommerquartal den Stand des zweiten Quartals um 1,5 Prozent. "Die vor gut einem Jahr langsam in Gang gekommene Aufwärtstendenz bei den Industrieaufträgen hat sich damit graduell verstärkt." Damit werden laut Bundesbank die Kapazitäten der Fabriken das erste Mal seit der Jahreswende 2011/2012 wieder voll ausgelastet.

Firmen bestellen wieder

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Den größten Beitrag zum Auftragswachstum lieferten diesmal die Bestellungen aus dem Heimatmarkt, die im dritten Quartal saisonbereinigt um 2,5 Prozent kletterten. Die Unternehmen stecken ihr Geld vor allem in den Fuhrpark und neue Maschinen. Damit scheint das schon häufig herbeigeschriebene Ende der Investitionsfurcht in Deutschland tatsächlich zu beginnen.

Zuversichtlich klingt auch der Branchenverband VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken): "Die Werkzeugmaschinennachfrage hat den langerwarteten Turnaround geschafft", sagte Geschäftsführer Wilfried Schäfer. Im dritten Quartal 2013 stieg der Auftragseingang in der Branche im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent.

Auf die Bremse für 2014 tritt indes das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Trotz anziehender Konjunktur kommen die Investitionen in Deutschland nächstes Jahr voraussichtlich kaum in Gang. Nur jede dritte Firma will ihre Ausgaben erhöhen, jede sechste sogar senken, wie aus einer Umfrage unter gut 3300 Unternehmen hervorgeht. "Die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich, die Investitionen bleiben aber schwach."

Die Ausgaben für Maschinen und Anlagen würden das für 2014 erwartete Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent nur in "bescheidenem Maß begünstigen", teilte das IW mit. "Die auch weiterhin schwache Investitionstätigkeit in Deutschland stimmt bedenklich", sagte Direktor Michael Hüther.

Eine sichere Bank für das Wachstum bleibt laut Bundesbank der Bau von Eigenheimen und Mehrfamilienhäusern. In den Sommermonaten erteilten die Behörden wieder mehr Baugenehmigungen. Als festen Anker der Konjunktur sehen die Bundesbanker die Kauflust der Verbraucher. "Der private Verbrauch wird sich auch in nächster Zeit als belebendes Element der Binnenkonjunktur erweisen", schreiben sie kurz und bündig.

Handelsüberschuss auf Zehn-Jahres-Hoch

Dagegen ist der Wirtschaftsaufschwung in Europa nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny weniger stark als erwartet. Zwar habe sich die Konjunktur zuletzt wieder besser entwickelt, sagte er. "Aber die Verbesserung ist nicht so stark, wie wir vielleicht noch vor einiger Zeit erwartet hätten." Zudem läge die Inflationsrate deutlich unter der von der EZB gesetzten Zielmarke.

Unterdessen hat die Euro-Zone ihren Exportüberschuss in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als verdoppelt. Der Wert der Ausfuhren übertraf den der Importe von Januar bis Ende September um 109,6 Milliarden Euro, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Ein Jahr zuvor lag der Überschuss lediglich bei 50,2 Milliarden Euro. Allein im September stieg er überraschend deutlich auf 13,1 Milliarden Euro -  das höchste Plus seit mehr als zehn Jahren. Dabei legten die Exporte um drei Prozent zu, während die Importe stagnierten.

Im September erreichte Deutschland einen Überschuss von 13,7 Milliarden Euro. Damit erzielten die Firmen aus der größten Volkswirtschaft des Währungsblocks den Überschuss quasi im Alleingang. In den ersten acht Monaten summierte sich der Exportüberschuss Deutschlands laut Eurostat auf fast 128 Milliarden Euro. Aber auch Krisenländer wie Irland (25,3 Milliarden Euro) und Italien (19,3 Milliarden) weisen eine positive Bilanz auf. Dem stehen zahlreiche Länder mit Defiziten gegenüber, darunter Frankreich (50,1 Milliarden), Griechenland (12,9 Milliarden) und Spanien (9 Milliarden).

Deutschland steht wegen seiner enormen Exportüberschüsse am Pranger. Die EU-Kommission untersucht, ob dadurch in der Euro-Zone größere wirtschaftliche Ungleichgewichte entstehen. Kritiker beklagen, dass die deutschen Überschüsse nur möglich seien, weil sich Abnehmer in anderen Ländern verschuldet haben, um deutsche Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Sie sehen darin eine der Ursachen für die Schuldenkrise in Europa.

Quelle: n-tv.de

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