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Lange Gesichter bei Anlegern: Vor dem Firmensitz von MtGox in Tokio protestierten einzelne Bitcoin-Anleger gegen die MtGox-Schließung.
Lange Gesichter bei Anlegern: Vor dem Firmensitz von MtGox in Tokio protestierten einzelne Bitcoin-Anleger gegen die MtGox-Schließung.(Foto: REUTERS)

MtGox stürzt Bitcoin in die Krise: Bundesbank sieht sich bestätigt

Der Insolvenzantrag bei MtGox wirft schwerwiegende Fragen zur Zukunft des Bitcoin auf. In der Krise der jungen Währungen treten gleich mehrere Schwachstellen offen zutage. Die Bundesbank erinnert an grundsätzliche Bedenken.

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Nach dem Insolvenzantrag der Bitcoin-Handelsplattform MtGox sieht sich die Bundesbank in ihren Warnungen vor den Risiken der Digital-Währung bestätigt. "Die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit MtGox haben das Vertrauen in Bitcoin geschwächt", erklärte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Schwierigkeiten der bis vor kurzem noch wichtigsten Bitcoin-Börse fügen dem Ruf der Alternativ-Währung als Dollar- oder Euro-Ersatz tatsächlich schweren Schaden zu - auch wenn andere Bitcoin-Handelsplätze nach wie vor funktionieren.

Vertrauen, Stabilität, Sicherheit

Bundesbank-Vorstand Thiele sieht allerdings grundsätzliche Probleme im Umgang mit der umstrittenen Krypto-Währung. "Vertrauen ist (...), neben den rechtlichen Rahmenbedingungen, zusammen mit Stabilität und Sicherheit einer der wichtigsten Bausteine einer Währung", betonte er. Deutsche und europäische Aufsichtsbehörden hatten den Bitcoin zuvor wiederholt als extrem volatil und "hochspekulativ" bezeichnet. Für die virtuelle Währung gebe es keine staatliche Garantie, und es könne grundsätzlich zu einem Totalverlust für den Anleger kommen, lautete die ausdrückliche Warnung der Bundesbank.

Man habe immer wieder betont, dass mit der Internetwährung extreme Anlegerrisiken verbunden seien, erinnerte Thiele. "Dass Bitcoins ein hochspekulatives Finanzinstrument sind, wird durch die Insolvenz von Mt.Gox leider eindrücklich unter Beweis gestellt.". Er schloss nicht aus, dass es für viele Anleger, die Bitcoins beim Mt.Gox eingelagert hätten, zum Totalverlust kommen könnte.

Die Probleme bei MtGox berühren offenbar tatsächlich zentrale Schwachpunkte des jungen Währungsexperiments. Die virtuelle Währung Bitcoin war im Jahr 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden und ist ausdrücklich als staatsferne Alternative konzipiert.

Bitcoin mit Geburtsfehler?

Erfunden hat sie ein einzelner Programmierer, der eine von Regierungen, Zentralbanken und privaten Finanzinstituten unabhängige Währung erschaffen wollte. Der Bitcoin ist daher auch keinerlei Aufsichts- oder Regulierungsinstanzen unterworfen. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Die Gesamtmenge bleibt dadurch streng limitiert. In der Praxis hat sich der Wechselkurs in seinem Verhältnis zu regulierten Währungen allerdings als sehr viel anfälliger für Schwankungen erwiesen als etwa Gold, Yen oder Euro.

Neben der Bundesbank hatten weitere Aufsichtsbehörden in aller Welt in den vergangenen Monaten verstärkt vor den Risiken gewarnt. Sie sehen die Einführung einer "Hacker-Währung", wie der Bitcoin zuweilen auch bezeichnet wird, aus verschiedenen Gründen grundsätzlich sehr skeptisch. Die Bedenken reichen dabei von Fragen der Geldwäsche über die Angst vor Steuerhinterziehung bis hin zu theoretischen geldpolitischen Erwägungen.

Ein Teil der Warnungen bezog sich allerdings ganz konkret auf die mangelnde Rechtssicherheit. Ohne eine funktionierende Aufsichtsinstanz bleibt der Bitcoin-Markt notgedrungen dem freien Spiel der Kräfte überlassen.

Millionen-Lücke im System?

Die Bitcoin-Börse MtGox hatte in den vergangenen Wochen zunächst den Betrieb eingestellt und von einem Softwarefehler gesprochen. Anleger kommen seitdem nicht mehr an ihre dort gespeicherten Einlagen. Seit vergangenem Dienstag war auch die Internetseite des Portals zeitweise offline. Ende der Woche musste der MtGox-Betreiber schließlich die Hände heben: Mit dem Insolvenzantrag erreichte die Vertrauenskrise der Digital-Währung eine neue Stufe. MtGox habe Schulden von rund 6,5 Milliarden Yen (46,6 Millionen Euro), teilte der Betreiber auf einer Pressekonferenz am Firmensitz in Tokio mit.

"Da es zur Zeit viele Spekulationen um MtGox und seine Zukunft gibt, möchte ich allen versichern, dass ich immer noch in Japan bin und mit vielfacher Unterstützung hart daran arbeite, unsere Probleme zu lösen", erklärte der Gründer der Bitcoin-Börse Mark Karpelès.

Der Franzose Karpelès war zuvor tagelang abgetaucht und hatte die junge Währung damit in die tiefste Vertrauenskrise seit ihrem Bestehen gestürzt. Nutzer fürchten, dass ihre Bitcoins an der MtGox-Börse gestohlen wurden.

Fed: Keine Kontrolle

Nach Aussage von Karpeles haben Hackerangriffe dazu geführt, dass Bitcoins im beträchtlichem Umfang aus dem MtGox-System verschwunden sind. Berichten zufolge könnten 740.000 Bitcoins zum aktuellen Wert von bis zu 400 Millionen Dollar betroffen sein. Die Zahl der Kunden wird auf eine Million geschätzt, nur relativ wenige davon sollen Japaner sein. Inzwischen haben japanische und US-Behörden Ermittlungen aufgenommen - allerdings fällt die Währung eigentlich überhaupt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich.

Während Karpeles versuchte, den Schaden für die Währung zu begrenzen und die Bitcoin-Branche als "gesund" bezeichnete, betonte Bundesbanker Thiele, Bitcoins seien noch immer nicht viel mehr als ein "Nischenphänomen" und hätten sich lediglich als "Recheneinheit" qualifiziert.

Die Federal Reserve (Fed) zum Beispiel hat nach Angaben der neuen US-Notenbankchefin Janet Yellen keine Kontrolle über die kriselnde Digitalwährung. Die Fed habe keinerlei Befugnis zur Regulierung, betonte Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die oberste Hüterin des Dollar sprach damit den zentralen Wesenszug des Bitcoin offen an.

Sie bezeichnete den Bitcoin wörtlich als "Innovation", die sich außerhalb des Bankensektors abspiele. Es sei aber angebracht, dass sich der US-Kongress mit rechtlichen Fragen zu digitalen Währungen befasse. Der Bitcoin sei schwer zu regulieren, da es keine zentrale Kontrollinstanz gebe, betonte Yellen.

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Quelle: n-tv.de

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